Wagen, Wetter, Stimmung entlang der Strecke – so war der Rosenmontagszug in Köln. Unser Rückblick auf den Höhepunkt des Kölner Straßenkarnevals.
Was gut, was schlecht warRückblick auf den Rosenmontagszug in Köln – Nochmal die Kurve gekriegt
Unser Rückblick auf den traditionellen Höhepunkt des Kölner Straßenkarnevals.
Mehr Biss bei den Persiflagen
Es hat Tradition, dass Köln nicht so bissig im Zoch unterwegs ist wie Düsseldorf mit seinem Wagenbauer Jacques Tilly. Für Kölner Verhältnisse war der gestrige Zoch jedoch „gewagter“ als frühere – zumindest hat man noch nie einen geknebelten Kanzler in Strapsen samt Finanzminister im Domina-Studio gesehen. Klare Kante zeigte das Festkomitee einmal mehr beim Thema AfD: Dass die KG Alt-Lindenthal auf dem Wagen mit der blauen AfD-Schlange fahren musste, die den deutschen Michel hypnotisiert, dürfte den darauf fahrenden Jecken wohl nicht geschmeckt haben: Die Buh-Rufe jedoch entlang des Zugwegs waren gegen die Partei gerichtet – die Kamelle der Lindenthaler dagegen hatten Geschmack.
Politisch wurde es auch mit dem ersten Überraschungswagen, der Ayatollah Ali Chamenei als menschenfressendes Monster zeigt. Dass Köln keinen eigenen Anti-Putin-Wagen an den Start gebracht hat, war im Vorfeld heftig diskutiert worden. Dass man nun doch noch im Zug Solidarität mit Jacques Tilly bekundete, dem in Russland der Prozess gemacht werden sollte, wurde höchste Zeit. Kurzum: Noch mal die Kurve gekriegt ....
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Et kütt wie et kütt: Wetter
Unerschütterliche Optimisten würden sagen: Immerhin war es zwischendurch trocken, immerhin waren zwischendurch mal ganz zarte Sonnenstrahlen zu sehen. Ist man eher nüchtern unterwegs, fällt die Bilanz auch so aus: Es war kalt, immer wieder hat es geschauert, und insgesamt war das eine sehr ungemütliche rosenmontägliche Veranstaltung. Und dennoch: So richtig lassen sich die Kölnerinnen und Kölner ihren Rosenmontag nicht vom Wetter versauen. Sie tanzen und singen und schreien dennoch nach Strüßjer und Kamelle. Nächstes Jahr gern dennoch wieder Sonne, bittedanke.
Besonnene Einsatz-Leitstelle
Es gab schon Wetterkapriolen, die zur Absage des Zochs in Düsseldorf führten, während der Kölner Zoch durchgezogen wurde. Das gab 2016 Lob wie Kritik. Dieses Mal ist festzustellen: Die Einsatz-Leitstelle handelte besonnen. Bei aufkommendem Wind wurden Vorsichtsmaßnahmen getroffen, als ein Gewitter drohte, wurden Pferde und Kutschen aus dem Zug genommen. Damit sollte verhindert werden, dass die Tiere durch möglichen Blitz und Donner erschreckt werden. Gegnern von Pferden im Zug wird das nicht reichen, aber das ist ein anderes Thema. Erneut hatten vorab Tierärzte Dutzende von Blutproben entnommen. Diese werden auf unerlaubt eingesetzte Medikamente wie Beruhigungs- oder Schmerzmittel überprüft. Mit Ergebnissen ist in etwa zwei Wochen zu rechnen.
Kölsche Freundlichkeit
Zoch-Zuschauende in Köln schafften das schier Unmögliche: Sie gaben einem ein bisschen Hoffnung in die Menschheit zurück. Hier ein paar Beispiele von der Severinstraße: Sehr viele Besucherinnen und Besucher baten ausgesucht höflich darum, durchgelassen zu werden, wenn sie sich durchs Getümmel am Zoch-Rand schieben wollten – und bedankten sich auch im Anschluss. Junge Typen, beide mit Kölsch in der Hand, sammelten Kamelle extra für das kleine Kind, das neben ihnen auf den Schultern seines Papas saß. Und wer fälschlicherweise „Rosen“ oder „Grünzeug“ rief, wurde von neben ihm oder ihr stehenden Menschen nicht dumm angemacht, sondern freundlich korrigiert und lernte, dass man nur mit dem Wort „Strüßjer“ ans Ziel kommt.
Guter Start, dann Verspätung
250 Sängerinnen und Sänger und ein 50-Personen-Orchester sorgten am Morgen an der Severinstorburg für die erste Gänsehaut des Tages. Der sogenannte Ehrenamts-Chor, allesamt Mitglieder zahlreicher Kölner Chöre, stimmte kölsche Klassiker an. Im weiteren Verlauf sorgten dann vorwiegende technische Pannen an Fahrzeugen für Verspätungen. Dabei sind die laut Festkomitee alle TÜV-geprüft. So ein Zoch sollte sich nicht zu lang hinziehen – und der Prinz noch im Hellen das Ziel erreichen.
Gut gewähltes neues Motto
„Morje es, wat do drus mähs!“ – so lautet das Sessionsmotto 2026/2027, und es ist so politisch wie lange nicht. Es soll als Aufforderung verstanden werden, nicht nur zu lamentieren und meckern, sondern auch mit anzupacken. Schon jetzt steht fest: Daraus lässt sich viel machen. Alaaf!

