Das Carl Reuther Berufskolleg ist „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage“ und veranstaltet alle zwei Jahre das Minifestival mit Comedians.
Gegen DiskriminierungIn Hennef lädt das Carl Reuther Berufskolleg zu Comedy gegen Rassismus ein

Timur Turga, Björn von Morgenstern, Ill-Young Kim, Djavid Sediqi und Freddy Ekué (v.l.) begeisterten im Pädagogischen Zentrum.
Copyright: Ralf Rohrmoser-von Glasow
„Carl Reuther lacht...Nr. 3“ hieß das Format, bei dem gut 750 junge Leute im Pädagogischen Zentrum des Städtischen Gymnasiums Hennef Lachen statt Unterricht geboten wurde. Comedy gegen Rassismus und Diskriminierung stand auf dem Programm. Timur Turga führte durch ein Programm mit vier weiteren Comedians, die fast alle Alltagsrassismus kennen.
Alle zwei Jahre gibt es die Veranstaltung, seit 2022. Eva Zoske-Dernóczi organisiert das mit der Courage-AG für das Carl Reuther Berufskolleg, die zum Netzwerk „Schule ohne Rassismus — Schule mit Courage“ gehört. Pate ist übrigens auch Timur Turga. „Die Courage-AG macht sich stark gegen jede Form von Diskriminierung und Rassismus“, sagte Zoske-Dernóczi zur Einführung. Sie ist evangelische Schulpfarrerin und mittendrin im Thema, mit vielen unterschiedlichen Aktionen.

Comedian und Courage-Partner Timur Turga moderierte, er selbst ist blind.
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Lehrer Klaus Köhne machte klar, dass Rassismus nicht nur schwarze Menschen trifft und das der Schmerz der Ausgrenzung eh keine Worte kennt. Pharell Windau, 17 Jahre alter Schüler erinnerte daran, dass auch in der Schule Menschen diskriminiert werden, weil sie an der aussehen, keine Modelfigur haben oder homosexuell sind.
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Die vier Comedians mit Migrationshintergrund erleben Diskriminierung täglich
Turga, zum dritten Mal dabei, übernahm und machte sich gekonnt über sich selbst lustig. Er ist blind seit seinem 16- Lebensjahr, hat nur fünf Prozent Sehkraft. „Der Blinde muss erstmal das Mikro finden“, begrüßte er den Saal und übte frenetischen Jubel für seine Kollegen ein. Er selbst erlebt Diskriminierung täglich und weiß: „Hinter Witzen verbirgt sich ganz viel Schmerz.“
Hinter Witzen verbirgt sich ganz viel Schmerz.
Ill-Young Kim, zum zweitem Mal am Start, spielte mit seinen schmalen Augen. „Habt ihr schon mal einen Asiaten gesehen?“ In der Schule hatte er keine Probleme, „alle dachten, ich kann Kung Fu“. Er kommt aus Südkorea und wünscht sich einen James Bond, gerne aus seinem Land, den Filmtitel hat er schon: „007 in süß-saurer Mission“.
Eines seiner schlimmsten Erlebnisse gab er zum Besten, er wurde für DJ Bobo gehalten, da war die Verwechslung auf der Hohe Straße mit einem Eskimo gar nicht so schlimm. Björn von Morgenstern ist Newcomer, tritt demnächst in der Lanxess-Arena auf. „Sie wollten nicht nur Opfer, sondern auch einen Täter“, stellte er sich vor als Debütant in Hennef vor.

Ill-Young Kim nahm Alltagsrassismus auseinander.
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Er präsentierte einen oft subtilen Wortwitz, der spät zündete. Wie seine Kollegen hatte er sich gewünscht, dass der Saal abgedunkelt wird. „Da trauen sich die Leute eher zu lachen“, hatten sie ihm Vorfeld ihren Wunsch begründet. Von Morgenstern spottete über sich selbst, er komme aus einem Dorf und hätte erst mit 20 Jahren erfahren, dass es auch Frauen in seinem Alter gibt.
Von seinem Date berichtete er, dass er total bekifft erlebte, weil er nicht verstanden hatte, dass sie vorher kniffeln wollte. „Das wird jetzt knifflig“, nahm er ernst, was Comedians ausmacht: Sie machen sich über sich selbst lustig.

Björn von Morgenstern spielt demnächst in der Lanxess-Arena.
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Djavid Seediqi ging direkt rein ins Publikum. Als Wiederholungstäter hatte er keine Probleme damit, Jungs mit vor der Brust verschränkten Armen aufzufordern, mal locker zu sein. Seine Jugendliebe aus Marie habe ihm damals gesagt, als sie ihn der Familie vorstellen wollte, dass alle cool seien, bis auf Opa, der möge keine Ausländer.
„Ich auch nicht“, so Djavid. Als Arbeitsvermittler macht er Comedy nebenbei, vor dem Auftritt hatte er gesagt: „Ich erlebe so viel Alltagsrassismus.“ Erstmals dabei war auch Freddy Ekué. Er ist österreichisch-togolesisch, in München geboren und in Hamburg lebend. „So ein Name fällt auf in Bayern“.

Djavid Sediqi ist derzeit auch im Karneval unterwegs.
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Rechtschreibung war nie seins, als sie in der Schule wichtig wurde, begann es für ihn schwer zu werden. Er hat alle möglichen Jobs gemacht, zuletzt gemodelt, bevor er Comedy machen durfte. Spannend war seine Analyse untershiedlicher Erziehungsmethoden. Er zum Beispiel hat Angst vorm schwarzen Mann, sein togolesischer Vater ist zwei Meter groß.

Freddy Ekué ist österreichisch-togolesischer Bayer.
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„Das war absolut megageil“, freute sich Schüler Nicolai Krahforst. „Comedy erreicht viel mehr Menschen beim Thema Alltagsrassismus.“ Martina Ludwig urteilte: „Ich fand es richtig cool. Es gab keinen einzigen Witz, bei dem ich nicht gelacht habe.“ Und Tom Nixtatismeinte: „Es ist eine echt andere Art, auf das Thema aufmerksam zu machen.“
