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Bedauern und BestürzungLohmarer Karnevalsband Jot Drop verabschiedet sich von der Bühne

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Eine Band auf der Bühne vor rot-weißer Dekoration.

Jot Drop bei einem Auftritt im Bürgerhaus Asbach. (Archivbild)

Die Mitglieder der Lohmarer Karnevalsband wollen mehr Zeit für ihre Familien haben. Ein Abschiedskonzert in Spich ist geplant.

Wo sie auftreten, verbreiten sie gute Laune: Der Name ist bei Jot Drop Programm. Doch die Lohmarer Karnevalsband hört nach der kommenden Session auf. Die Bandmitglieder wollen mehr Zeit mit ihren Familien verbringen. Im April 2027 soll es im Bürgerhaus Spich ein Abschiedskonzert geben.

Den semiprofessionellen Anspruch zu halten, war mit jedem Mal eine Herausforderung.
Sänger Michael Heidl über die vielen Wechsel in der Band

Von der Originalbesetzung sind nach 23 Jahren nur noch Keyboarder Michael Weidenbrück und Sänger Michael Heidl übrig. „Es gab immer viele Wechsel in der Bandgeschichte, aber den semiprofessionellen Anspruch zu halten, war mit jedem Mal eine Herausforderung“, sagt Heidl. Die Pandemie habe es nicht einfacher gemacht. „Wir sind alle älter geworden, gesetzt in unseren Berufen, da wollen wir unsere Freizeit auch mit der Familie verbringen“, begründet der 47-Jährige den Schritt. Zwei der jüngeren Bandmitglieder, die Brüder Tobias und Oliver Scheer, hätten inzwischen auch Kinder.

Bekannt im Kölner und Bonner Umland: Jot Drop gern gesehener Gast auf Karnevalssitzungen

Jot Drop sind in der Region bekannt, sie spielen auf vielen Karnevalssitzungen kleinerer Vereine im Kölner und Bonner Umland. „Eine solche Band weiter nach vorne zu bringen, braucht Zeit. Es hängt an den Mitgliedern, immer wieder an neue Auftritte zu kommen. Es ist nicht so, dass ich nicht gewillt bin, das zu tun: Aber bei dem Zusammenspiel aus Beruf, Privatem und der Entwicklung des Karnevals an sich fällt immer etwas hinten runter“, schildert Heidl.

Zwei Musiker stehen auf der Bühne und werden von hinten fotografiert.

Jot Drop auf der Bühne im Bürgerhaus Spich. (Archivbild)

Zu den Auftritten fahren die Musiker mit zwei Kleinbussen, um ihre Ausrüstung kümmert sich ein Team aus freien Technikern. „Mit den Auftritten ist es ja nicht getan: Die Techniker müssen koordiniert werden, da ist die Steuer, Rechnungen, Belege.“ Es brauche einen gewissen Umsatz, um die Kosten für die Busse, die Versicherungen der Instrumente und den Proberaum zu decken. „Deswegen war es auch keine Option, einfach seltener aufzutreten. Wir sind zu dem Punkt gekommen: Was ist der Lösungsweg?“, sagt Heidl.

Kein harter Cut: Lohmarer Band will noch eine letzte Session spielen

Die Band habe stets versucht, alle Veranstalter und Vereine zufrieden zu stellen. „Dieses Format hat lange gehalten, es hat viel Spaß gemacht und wir haben tolle Musiktitel geschrieben. Ich habe dafür andere Bands kommen und gehen sehen, die mehr Risiko eingegangen sind, die ihre Berufe früher aufgegeben haben. Wir haben halt in Berufe und Familien investiert“, schildert er. „Meine Frau und meine Kinder kannten es gar nicht anders. Auch unsere Urlaube haben wir um das Hobby herum geplant. Meine Frau freut sich deswegen sehr darauf, dass ich mehr Zeit habe.“

Wir haben ja auch auf Geburtstagen oder Überraschungsauftritte gespielt – viele Menschen verbinden das mit einem Lebensabschnitt.
Michael Heidl, Sänger bei Jot Drop

Eine letzte Session wollen die fünf noch spielen, nicht zuletzt wegen bestehender Verträge. „Wir brauchen das für uns, wir wollten nicht so einen harten Cut“, sagt Heidl. Die Reaktionen der Fangemeinde haben ihn überrascht. „Viele haben mit Bedauern und Bestürzen reagiert. Wir haben ja auch auf Geburtstagen oder Überraschungsauftritte gespielt – viele Menschen verbinden das mit einem Lebensabschnitt.“ Auf manchen Sitzungen spiele die Band seit ihrer Gründung jedes Jahr. „Da habe ich erfahren, dass der Vorstand geweint hat. Das ist etwas bedrückend, aber auch schön, weil Musik bei Menschen solche Emotionen hervorrufen kann – ich glaube, da haben wir viel richtig gemacht.“

Abschiedskonzert soll in Troisdorf stattfinden

Das letzte Konzert soll am 10. April 2027 im Bürgerhaus Spich in Troisdorf stattfinden. In Müllekoven wurde die Band gegründet, daher der Bezug zu Troisdorf. „Gerade in Spich gibt es viele Vereine, die uns unterstützt haben.“ Tatsächlich habe die Band aber noch nie ein komplettes Konzert dort gespielt. Dabei sei das Bürgerhaus gut geeignet und habe eine angenehme Größe, so Heidl. „Die Kolpingfamilie hält da ihre Sitzung ab, und wir hatten dort immer schöne Auftritte, die jedem im Gedächtnis geblieben sind.“ Ein abendfüllendes Konzert sei für die Band „die Gelegenheit, etwas zurückzugeben“.

Die Tickets für das Konzert solle es im Laufe des Monats Mai geben. „Wir könnten weniger tun, aber das wäre nicht mehr Jot Drop. Dann lieber ganz aufhören und schauen, was das Leben noch zu bieten hat“, sagt Michael Heidl.