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Auf dem Weg nach KölnLohmarer Paar brachte ein Baby im Berufsverkehr auf der A3 zur Welt

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Familie aus Lohmar-Jexmühle: Kind auf der Autobahn zur Welt gebracht. Maren Hennen (36) und Hendrik Tegethof (37) mit den Kindern Jonna (3) und Toni (5)

Maren Hennen (36) und Hendrik Tegethof (37) leben mit ihren Kindern Jonna (3) und Toni (5) in Jexmühle.

Die kleine Jonna hatte einen ungewöhnlichen Start ins Leben. Ihre Eltern erinnern sich an die Geburt auf der Autobahn zwischen Lohmar und Köln.

„Weißt du, wo du geboren bist?“ fragt Maren Hennen ihre kleine Tochter Jonna. Die Dreijährige kennt die aufregende Geschichte schon: „In Köln, in einem Auto“, sagt sie. Maren Hennen (36) und Hendrik Tegethof (37) wohnen in Lohmar-Jexmühle. Beide kennen sich schon seit ihrer Schulzeit; Maren Hennen ist in Lohmar aufgewachsen, Hendrik Tegethof in Much. Ihr älterer Sohn Toni ist heute fünf Jahre alt, Jonna kam am 23. März 2023 zur Welt - und hatte einen ungewöhnlichen Start.

„Ich bin früh am morgen mit Wehen aufgewacht“, erinnert sich Maren Hennen. „Dann hab ich Henny geweckt und gesagt: Es geht los, wir bekommen ein Baby“. Zuerst musste sie jedoch ihre Muter erreichen - die kam aus Seelscheid, um auf den kleinen Toni aufzupassen. Um etwa Viertel vor sieben konnte das Paar endlich losfahren. „Wir wollten gerne ins Severinsklösterchen nach Köln, weil da auch Toni geboren ist“, erzählt Hennen. „Als wir im Auto saßen, wusste ich: Es kann wirklich nicht mehr lange dauern. Wir sind aber morgens um sieben natürlich voll in den Berufsverkehr gekommen.“

An der Ausfahrt Königsforst auf der A3 war es soweit

Bei Rösrath gelangten sie auf die Autobahn, Hendrik Tegethof versuchte, auf der linken Spur so schnell wie möglich vorran zu kommen. „Wir haben es bis zur Ausfahrt Königsforst geschafft. Da hat sie nur gesagt: ‚Du musst jetzt sofort anhalten‘“, erzählt Tegethof. Von der ganz linken Spur kreuzte er die Autobahn quer und fuhr auf der Auffahrt rechts ran. „Ich habe nur den Motor ausgemacht, sie hat sich abgeschnallt, den Sitz zurückgestellt und die Hose ausgezogen. Dann hab ich direkt das Baby aufgefangen“, erzählt Hendrik Tegethof. Beide müssen bei der Erinnerung lachen. „Wir haben dann kurz gewitzelt: Komm, wir fahren wieder nach Hause“, sagt Maren Hennen.

Sie habe das Neugeborene erstmal auf ihren Bauch gelegt und zugedeckt, dann schalteten sie den Motor wieder an, schließlich sei es ziemlich kalt gewesen. Als nächstes riefen sie direkt den Krankenwagen, der in wenigen Minuten da war. „Die waren richtig gut drauf“, erinnert sich Hendrik Tegethof, „wahrscheinlich haben die selten so erfreuliche Einsätze.“ Im Krankenwagen habe man ihm dann feierlich die Schere zum Durchschneiden der Nabelschnur überreicht und es wurden Fotos gemacht. „Währenddessen hat einer der Sanitäter das Auto saubergemacht, was ja noch voller Fruchtwasser war – das war super nett“, erzählt Tegethof.

Wir haben dann kurz gewitzelt: Komm, wir fahren wieder nach Hause.
Maren Hennen

Mit dem Krankenwagen ging es dann für die Nachgeburt ins Krankenhaus nach Porz, Hendrik Tegethof fuhr mit dem Auto hinterher. Da sie als Lehrerin privat versichert ist, musste sie die Rechnung für den Krankenwagen später bei der Versicherung einreichen. „Dann wollten die von mir, dass ich einen ‚Unfallbericht‘ schreibe“, sagt Maren Hennen und lacht, „Ich dachte mir: Entschuldigung, die Geburt meiner Tochter war doch kein Unfall!“ Später gab es noch ewas bürokratisches Durcheinander mit dem Standesamt: Ort und Zeit der Geburt waren auf der Geburtsurkunde zuerst falsch angegeben.

So, wie Hennen und Tegethof die Geschichte drei Jahre später erzählen, klingt die Situation eher lustig als nervenaufreibend. „Die Geburt von Toni war auch tatsächlich viel anstrengender und mit mehr Angst verbunden“, sagt Hennen. „Jonnas Geburt war eigentlich einfach nur schön. Der Ort war zwar ungewöhnlich, aber sonst lief ja alles super. Und man muss auch sagen: Egal wo du bist, am Ende bringst du das Kind ja immer allein zur Welt“.

Hendrik Tegethof nickt. „Wenn ich diese Geschichte erzählt habe, kam oft die Reaktion: ‚Dann hast du ja quasi deine Tochter entbunden.‘ Aber ich habe ja überhaupt nichts gemacht, außer sie aufzufangen.“ Beide hatten eine Hausgeburt für Jonna in Erwägung gezogen, sich dann aber dagegen entschieden: „Meine Hauptangst war dabei: Wenn wir das Kind hier in Jexmühle bekommen, ist es ja wirklich weit bis zum nächsten Krankenhaus“, sagt Maren Hennen. „Naja, genau das hat sich jetzt im Nachhinein als bestes Argument für die Hausgeburt herausgestellt.“