Abo

Keine MehrheitMargot Friedländer wird wohl nicht Namenspatin der Gesamtschule Niederkassel

4 min
Margot Friedländer, Zeitzeugin, Holocaust-Überlebende und Ehrenbürgerin von Berlin, verlässt während einer Gedenkveranstaltung des Berliner Senats und Abgeordnetenhauses im Fest- und Wappensaal des Roten Rathauses nach einer Lesung aus ihrem Buch «Versuch, dein Leben zu machen» die Bühne.

Die 2025 verstorbene Margot Friedländer wird wohl nicht Namenspatin der Gesamtschule Niederkassel. Einen entsprechenden Vorschlag der CDU lehnte der Stadtrat ab – aus formalen Gründen.

Die CDU hatte den Namen der Holocaust-Überlebenden unabgesprochen vorgeschlagen. Das stößt aus formalen Gründen auf Ablehnung.

Die Gesamtschule Niederkassel wird aller Voraussicht nach nicht den Namen der am 9. Mai 2025 im Alter von 103 Jahren verstorbenen Holocaustüberlebenden Margot Friedländer tragen. Ein entsprechender Vorschlag der CDU fand im Stadtrat keine Mehrheit. Bei der Abstimmung im Kommunalparlament votierten einzig die Christdemokraten für ihren Antrag, die FDP enthielt sich, alle übrigen Fraktionen stimmten dagegen. Abgelehnt wurde der CDU-Vorschlag allerdings aus formalen Gründen. Margot Friedländer wäre grundsätzlich eine würdige Namenspatin für die Gesamtschule, waren sich die Mitglieder des Rates weitgehend einig. SPD, WIN, Grüne, FDP und Linke kritisierten allerdings den Alleingang, mit dem die CDU eine Benennung der Gesamtschule erreichen wollte.

„Die Frage eines Schulnamens ist wichtig und braucht einen sorgfältigen, gemeinsamen Prozess“, begründete Isabella Napoli die Ablehnung durch die SPD. „Dieser Prozess muss jedoch aus der Schule herauswachsen – nicht über sie hinweg.“ Zuständig für die Namensgebung sei im Wesentlichen die Schulgemeinschaft. „Partizipation ist hier Pflicht, nicht Kür“, so Napoli. Eine Nachfrage bei der Gesamtschule habe ergeben, dass man sich dort bereits seit längerer Zeit Gedanken über eine Namensgebung mache. Mit ihrem unabgesprochenen Vorstoß ignoriere die CDU die Verantwortung von Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften und Eltern.

Niederkasseler CDU-Fraktion ist verwundert über Gegenwind

„Das ist kein kooperativer Stil“, kritisierte auch für die Grünen deren Fraktionsvorsitzender Ralf Droske. Nicht nachvollziehbar sei für ihn, dass die CDU ihren Vorschlag großflächig über die sozialen Medien verbreitet, es aber nicht für nötig befunden habe, das Gespräch mit den übrigen Fraktionen zu suchen. „Es geht nicht um den Namen, sondern um den Stil“, gab für die Wählerinitiative Niederkassel (WIN) auch Ralf Hopp der CDU mit auf den Weg. „Das richtige Vorgehen ist für uns: Die Schule schlägt vor, die Stadtverwaltung prüft diesen Vorschlag und der Stadtrat beschließt“, sagte er.

Die Niederkasseler Gesamtschule ist bislang ohne Namenspatin oder -pate.

Die Niederkasseler Gesamtschule ist bislang ohne Namenspatin oder -pate.

Bei der CDU ist man verwundert über den Gegenwind, auf den ihr Antrag im Stadtrat traf. Seit rund zehn Jahren sei die Gesamtschule ein Teil der Niederkasseler Bildungslandschaft, bis heute fehle ihr aber ein eigener Name, argumentierte Fraktionsvize Daniel Samtleben. „Spätestens mit dem bevorstehenden Umzug in den Neubau ist nun der richtige Zeitpunkt gekommen, dieser Schule eine Identität zu geben“, sagte er. Seit der Gründung der Schule im Schuljahr 2015/2016 sei seines Wissens aus der Schulgemeinschaft heraus kein Namensvorschlag gekommen. Auch im zuständigen Ausschuss des Stadtrates, in dem auch Schulleiterin Catrin Albrecht vertreten gewesen sei, habe es keine entsprechenden Initiativen gegeben. „Dies unterstreicht aus Sicht der CDU-Fraktion umso mehr die Notwendigkeit, diesen Impuls nun von Seiten der Politik zu setzen“, so Samtleben.

Gesamtschule Niederkassel arbeitet an eigenen Namensvorschlägen

Schulleiterin Albrecht zeigt sich in einer Mail an die Ratsfraktionen ebenfalls verwundert über das Vorgehen der CDU. „Die CDU macht sich Gedanken über einen Namen für die Gesamtschule. In Facebook werden die Gedanken jetzt auch öffentlich. Das ist für den Prozess der Findung eines Schulnamens sehr ungewöhnlich“, schreibt sie in der Mail. In der Gesamtschule trage man sich seit längerer Zeit mit dem Gedanken, nach dem Umzug in den Schulneubauintensiv in den Austausch für einen passenden Namen der Schule zu gehen, ergänzt Albrecht auf Nachfrage dieser Zeitung. Erste interne Gespräche habe es dazu bereits gegeben.

„Auch überlegen wir schon länger, den Namen einer Person zu wählen, die für die Aufklärung und Förderung demokratischer Werte bekannt ist“, sagt Albrecht. Die Bildung und Erziehung im Sinne der demokratischen Grundwerte seien in unserer Schule außerordentlich wichtig. Ebenso wichtig ist uns, dass die Schülerinnen und Schüler demokratische Prozesse erlebten. „Genau deshalb soll der Name unserer Schule aus dem Schulkonzept und dem Austausch aller Beteiligten erwachsen“. 

Üblicherweise schlage die Schule dem Schulträger den Namen vor. Die Entscheidungsträger in Niederkassel, Politik und Verwaltung, seien dann ab einem bestimmten Punkt in den Prozesseinbezogen. „Vor die Veröffentlichung von Namen wird ein Austausch zwischen Schule und Kommune gesetzt“, sagt Albrecht selbstbewusst, gibt sich aber auch versöhnlich: „Ich bin zuversichtlich, dass die Schulgemeinschaft den Prozess gemeinsam mit den politischen Entscheidungsträgern und der Verwaltung im Einklang gehen wird.“