Obwohl in Niederkasseler Unterkünften für Geflüchtete derzeit 95 Plätze frei sind, will die Stadt die Mondorfer Sporthalle vorerst nicht räumen.
Unterkunft für GeflüchteteBewachung der Dreifach-Halle in Niederkassel kostet 40.000 Euro im Monat

Die Stadt Niederkassel will die in die Jahre gekommene Dreifach-Sporthalle in Mondorf bis auf weiteres als Unterkunft für Geflüchtete vorhalten.
Copyright: Peter Freitag
Die Stadt Niederkassel wird die Dreifach-Sporthalle am Schulzentrum Süd in Mondorf in absehbarer Zeit voraussichtlich nicht wieder für Sportvereine und Schulen freigeben. Das hat der zuständige städtische Beigeordnete Carsten Walbröhl angekündigt. „Wir können auf die Halle als Vorhalteunterkunft nicht verzichten“, sagte er in der jüngsten Sitzung des Stadtrates. Er reagierte mit seinen Äußerungen auf einen Antrag der AfD-Fraktion zur Freigabe der Halle, der im Stadtrat allerdings keine Mehrheit fand.
Nach Angaben der Stadtverwaltung lebten in der Dreifachhalle, die Platz für bis zu 67 Menschen bietet und die seit 2015 mit wenigen Unterbrchungen als Unterkunft für Geflüchtete genutzt wird, zum Stichtag 1. April noch 23 Personen. Selbst wenn die Halle gegebenenfalls nach dem Auszug von Personen leer stehe, „werden wir sie aufgebaut stehen lassen“, so der Beigeordnete. Um für den Fall wieder steigender Geflüchtetenzahlen handlungsfähig zu sein, müssten „stets gewisse Reservekapazitäten vorgehalten werden, um eine geordnete Unterbringung sicherzustellen und Notlösungen zu vermeiden“, so die Stadtverwaltung.
Unterkünfte in Niederkassel bieten Platz für 682 Geflüchtete
Die weitere Nutzung der Mondorfer Dreifachhalle bei geringer Belegung ist allerdings mit erheblichen Kosten verbunden, wie Walbröhl in der Ratssitzung einräumen musste. Allein der Sicherheitsdienst für das Objekt schlägt nach Angaben des Beigeordneten monatlich mit rund 40.000 Euro zu Buche.
Stadtweit gibt es nach Angaben der Stadtverwaltung in Unterkünften für Geflüchtete insgesamt 682 Plätze, davon sind 95 derzeit nicht belegt. „Diese Plätze stehen jedoch aus verschiedenen Gründen tatsächlich nicht oder nur eingeschränkt für eine unmittelbare Belegung zur Verfügung“, argumentiert die Verwaltung in einer Vorlage für den Rat. So würden einige Plätze gezielt für die Unterbringung von Frauen frei gehalten, andere würden als Puffer für Neuzuweisungen genutzt, insbesondere zur flexiblen Unterbringung von Familien. Darüber hinaus würden einige Wohnungen zurzeit instandgesetzt und stünden deshalb für eine Unterbringung Geflüchteter nicht zur Verfügung.
Dass sie unwirtschaftlich handelt, wenn sie freie Kapazitäten in den Unterkünften vorhält, weist die Stadt ausdrücklich zurück. Dies sei eine zwingend erforderliche Vorsorgemaßnahme zur Erfüllung gesetzlicher Aufgaben. „Ein System, das vollständig ausgelastet ist, ist nicht handlungsfähig“, argumentiert man im Rathaus. Ohne Pufferkapazitäten müssten bei einer kurzfristigen Zuweisung weiterer Geflüchteter regelmäßig kostenintensive und organisatorisch aufwendige Notlösungen geschaffen werden. „Insofern dient die Vorhaltung freier Plätze gerade der Vermeidung höherer Folgekosten“, argumentiert die Verwaltung.
