Vor allem die Sportvereine im Süden Niederkassels klagen über zu wenige Trainingszeiten in Sporthallen. Die Stadt verspricht Besserung ab September.
SporthallenzeitenStadt Niederkassel verspricht Verbesserungen für Vereine ab September

Die Zukunft der Dreifach-Sporthalle in Mondorf, die seit Jahren als Unterkunft für Geflüchtete genutzt wird, ist weiter offen.
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Die Niederkasseler Stadtverwaltung geht davon aus, dass den Sportvereinen im Stadtgebiet mit Beginn des Schuljahres 2026/2027 wieder deutlich mehr Trainings- und Wettkampfzeiten in den städtischen Sporthallen zur Verfügung stehen. Man erwarte, dass von September an die neue Mehrzweckhalle im Erweiterungsbau des Schulzentrums Nord mit ihren drei Hallenteilen genutzt werden könne, teilte die Stadtverwaltung in der jüngsten Sitzung des Stadtrates mit. Damit verfüge die Stadt dann im gesamten Stadtgebiet über insgesamt 13 Hallenteile.
Das sei dann ein Hallenteil mehr als zu Beginn der Syrienkrise im November 2015. Damals wurde der Sportbetrieb in der Mondorfer Dreifachsporthalle eingestellt, um dort Geflüchtete unterzubringen. „Damit ist das Angebot in Niederkassel, auch ohne die Dreifachhalle in Mondorf, so groß wie noch nie, einzelne Monate in den Jahren 2019, 2020, 2021 und 2022 ausgenommen“, heißt es in der Vorlage für die Mitglieder des Stadtrates.
Stadt Niederkassel will Vergabe von Hallenzeiten künftig selbst regeln
Bei der Belegung der Hallen will die Stadt zunächst auf den Belegungsplan aus dem Jahr 2022 zurückgreifen. Dieser wurde noch in der Verantwortung des Stadtsportverbandes erstellt. Künftig will die Stadt bei der Zuweisung von Hallenzeiten an die Vereine selbst die Federführung übernehmen. Zum Saisonbeginn 2026/2027 soll das dann digital erfolgen. Die Stadt hat dafür das Hallenbelegungsprogramm Locabo angeschafft, dessen Einsatz sich nach Angaben aus dem Rathaus bereits in zahlreichen Kommunen bewährt hat. Durch die Digitalisierung sei das Verfahren künftig deutlich transparenter und flexibler.
Ein Problem, das vor allem die Sportvereine in den südlichen Stadtteilen Mondorf und Rheidt beschäftigt, bleibt vorerst ungelöst: Ihnen stehen bis auf weiteres nur vier Hallenteile zur Verfügung, im Norden der Stadt sind es dagegen neun. Für die Mondorfer und Rheidter Vereine und ihre Mitglieder ist das mit einem größerem Aufwand und Fahrzeiten verbunden. Abhilfe könnte da der Bau einer weiteren Sporthalle im Süden schaffen. Im Rathaus gibt es dazu bereits erste Überlegungen: Auf einer Wiese am Sportpark Süd in Rheidt, die ursprünglich als Zeltplatz für Jugendlager und ähnliches vorgesehen war, könnte auf städtischem Grund ein solcher Neubau entstehen.
Grobe Kostenschätzung von Sporthallen-Neubau in Niederkassel-Rheidt
Ein Ingenieurbüro hat im Auftrag der Stadt inzwischen eine erste, sehr grobe Kostenrechnung für ein solches Projekt aufgestellt. Dieser Kalkulation zufolge müsste die Stadt für eine Einfeld-Sporthalle mit Kosten von etwa fünf Millionen Euro rechnen. Für eine Zweifeldhalle werden sich die Kosten mit 10,5 Millionen Euro mehr als verdoppeln. Und eine Dreifeldhalle würde den Gutachtern zufolge etwa 13,1 Millionen Euro kosten.
„Da zum jetzigen Zeitpunkt keine belastbaren Aussagen zur konkreten Ausgestaltung des Gebäudes vorliegen, können die tatsächlichen Kosten erheblich variieren“, heißt es in der Vorlage für den Stadtrat. „Insbesondere die Frage der Nutzung, der Ausstattung, der energetischen Qualität, möglicher Zuschauerbereiche sowie der technischen Gebäudeausrüstung habenmaßgeblichen Einfluss auf die Baukosten.“ Die Kostenschätzung diene deshalb ausdrücklich nur einer ersten Orientierung und ersetze keine weitergehende Planung oder Kostenberechnung.
Weiter unklar ist derweil, wie es mit der Dreifach-Sporthalle in Mondorf weitergeht. Diese wird seit 2015, abgesehen von einige kurzen Unterbrechungen, als Unterkunft für geflüchtete Menschen genutzt. Sollte sie wieder für eine Nutzung durch Schulen und Sportvereine zur Verfügung stehen - wovon die Stadt vorerst nicht ausgeht -, wären vor einer Wiederinbetriebnahme allerdings einige Sanierungsarbeiten nötig.
Dreifachhalle in Niederkassel-Mondorf hat erheblichen Sanierungsbedarf
Nach Angaben der Stadtverwaltung brachen in den vergangenen Jahren in den Sanitärräumen der Halle immer wieder Rohrleitungen. Besonderes Sorgenkind ist zudem der in die Jahre gekommene Sportboden der Halle. Er war vor der Umnutzung der Halle als Geflüchtetenunterkunft aufwendig abgedeckt worden. Welche Schäden er dennoch durch die jahrelange Nutzung der Halle als Wohnraum davongetragen haben könnte, ist noch unklar. Endgültig beurteilen lässt sich der Zustand des Hallenbodens erst, wenn die Halle frei ist.
Die Kosten einer Generalsanierung der Mondorfer Halle waren bei der Aufstellung des Doppelhaushalts für 2023 und 2024 grob auf rund 13,5 Millionen Euro geschätzt worden. Diese Generalsanierung war ursprünglich für die Jahre 2024 bis 2028 geplant - allerdings nur unter der Voraussetzung, dass die Stadt dafür Fördermittel aus einem Programm des Bundes in Höhe von sechs Millionen Euro bekommt. Bei der Vergabe der Fördermittel wurde Niederkassel aber nicht berücksichtigt.
Auch eine Finanzierung im Rahmen des NRW-Infrastrukturgesetzes, durch das die Stadt bis zu 15,3 Millionen Euro erhält, scheidet aus, weil das Geld bereits für andere Vorhaben verplant ist, etwa den Neubau des Feuerwehrgerätehauses in Lülsdorf. Eine Generalsanierung oder gar ein Neubau der Mondorfer Halle ohne Zuschüsse scheint angesichts der finanziellen Situation der Stadt nicht machbar.
Klarheit über die Situation der Sporthallen im Stadtgebiet und den Raumbedarf der Niederkasseler Vereine soll Verwaltung, Politik und Vereinen schnellstmöglich eine von der CDU-Ratsfraktion vorgeschlagene Sportstättenbedarfsplanung bringen. Bis diese Planung vorliegt, will die Stadtverwaltung auch den Zustand der Einfeld-Sporthallen im Stadtgebiet prüfen und einen sanierungsfahrplan für sie aufstellen.
