Die Polizei setzt auf Kontrollen und Aufklärung. Schutzvorrichtungen können bei der Abschreckung von Tätern helfen.
Günstige Lage und PendlerregionEinbrüche im Rhein-Sieg-Kreis auf Höchststand

Kathrin Schulze von der Abteilung Kriminalprävention und Opferschutz der Polizei im Rhein-Sieg-Kreis zeigt ein Fenster mit einem zusätzlichen Riegel.
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Es ist eine Situation, vor der sich viele Menschen fürchten: Sie kommen nach Hause und finden ihre Wohnung mit aufgerissenen Schubladen, durchwühlten Schränken und auf dem Boden liegenden Gegenständen vor. Während die Zahl der Straftaten im Rhein-Sieg-Kreis im vergangenen Jahr gesunken ist, hat die Zahl der Wohnungseinbrüche zugenommen. Die Polizei nimmt Stellung zu den Zahlen und erklärt, wie sich Menschen schützen können.
Anfang des Monats hatte die Polizei die Kriminalstatistik vorgestellt. Darin ist eine Zunahme der Wohnungseinbrüche zu erkennen. Die Zahl stieg um mehr als ein Drittel von 360 auf 491 Taten, die Zahl der Einbruchsversuche von 174 auf 238 – es sind Höchstwerte der vergangenen fünf Jahre. Leicht gesunken ist dagegen die Aufklärungsquote, nur etwa jeden zehnten Einbruch konnte die Polizei aufklären.
Wohnungseinbrüche: Häufung in städtisch geprägten Gebieten
Besonders auffällig ist eine Häufung im westlichen, städtisch geprägten Kreisgebiet bis hin zum Rhein: In Niederkassel etwa verzeichnete die Polizei 32 Einbrüche mehr als im Vorjahr, insgesamt 76. In Troisdorf stieg die Zahl um zwei Drittel von 87 auf 144 Taten. 49 statt 34 Einbrüche gab es in Siegburg, 49 statt 31 waren es in Lohmar. Auch in Hennef, Sankt Augustin, Eitorf und Neunkirchen-Seelscheid haben die Zahlen zugenommen.
Einen Rückgang auf sieben Einbrüche verzeichnet die Statistik dagegen in Much, in Windeck sank die Zahl von 23 auf 10 Fälle, in Ruppichteroth von 8 auf 4. Die Täterinnen und Täter konzentrieren sich also vermehrt auf städtische Gebiete. Maximilian Reese, Sprecher der Polizei im Rhein-Sieg-Kreis, spricht von mehreren Faktoren, die die Gründe erklären könnten:
Die verkehrsgünstige Lage des Rhein-Sieg-Kreises macht die Region auch für überregional agierende Tätergruppen interessant, da schnelle Fluchtwege gegeben sind.
„Insbesondere die verkehrsgünstige Lage des Rhein-Sieg-Kreises mit direkter Anbindung an mehrere Autobahnen macht die Region auch für überregional agierende Tätergruppen interessant, da schnelle Fluchtwege gegeben sind.“ Darüber hinaus handele es sich beim Rhein-Sieg-Kreis um eine ausgeprägte Pendlerregion. „Viele Berufstätige arbeiten in Köln und Bonn und sind tagsüber nicht zu Hause. Diese Abwesenheitszeiten können Einbrüche begünstigen und machen insbesondere Wohngebiete in urban geprägten Bereichen zu potenziellen Zielorten“, schildert Reese.
Fehlende Täter-Opfer-Beziehung: Aufklärung stellt Polizei vor besondere Herausforderungen
Die Aufklärung von Wohnungseinbrüchen stelle die Polizei vor besondere Herausforderungen. Im Gegensatz zu vielen anderen Delikten, zum Beispiel Körperverletzungen, fehle häufig eine direkte Täter-Opfer-Beziehung, wodurch Ermittlungsansätze begrenzt seien. „Erschwerend kommt hinzu, dass ein Teil der Taten von überregional agierenden Tätergruppen begangen wird, die sich nur für kurze Zeit in der Region aufhalten und anschließend weiterziehen.“
Um dagegen vorzugehen, führe die Polizei Fahndungs- und Kontrolltage durch. „Sie haben das Ziel, Wohnungseinbrüche zu bekämpfen, die sichtbare Präsenz im öffentlichen Raum zu steigern sowie den Druck auf potenzielle Täterinnen und Täter zu erhöhen.“ Zudem sensibilisiere die Polizei Bürgerinnen und Bürger gezielt für Schutzmaßnahmen. „Wir haben ein Team aus Fachkräften zu Kriminalprävention und Opferschutz, das Menschen berät“, sagt Reese.
Viele Täter brechen sofort ab, wenn sie auf Widerstand stoßen.
Er betont: „Viele Täter brechen sofort ab, wenn sie auf Widerstand stoßen. Deswegen können Schutzmaßnahmen das Risiko eines vollendeten Einbruchs deutlich reduzieren.“ Dazu zählten zusätzliche Sicherungen wie Extra-Schlösser, Querriegel oder Pilzkopfverriegelungen an Fenstern. „Auch Außenbeleuchtung, beispielsweise durch Bewegungsmelder, sowie gut einsehbare Eingangsbereiche wirken abschreckend. Zeitschaltuhren können Einbrechern Anwesenheit vortäuschen“, rät er.
Prävention: Aufmerksame Nachbarschaft sei wichtig
Wer das Haus verlasse, solle alle Fenster schließen. „Gekippte Fenster stellen einen häufigen Einstiegspunkt dar, Türen sollten ebenso abgeschlossen werden. Wer nicht da ist, sollte das nicht in sozialen Medien kundtun“, rät er. Wer über eine Überwachungskamera nachdenke, müsse sich darüber im Klaren sein, dass er nur den Bereich des eigenen Grundstücks filmen dürfe.
Die Polizei berate auch zu Alarmanlagen sowie Tür- und Fenstersensoren, die mit dem Smartphone verbunden sind. Viel wichtiger sei aber gegenseitige Aufmerksamkeit: „Eine wachsame Nachbarschaft ist wichtig. Unbekannte Personen sollten angesprochen oder gemeldet werden. Bei Abwesenheit empfiehlt es sich, Nachbarn einzubeziehen, etwa um den Briefkasten zu leeren“, sagt Reese.
Die beiden Beauftragten für Kriminalprävention und Opferschutz der Polizei im Rhein-Sieg-Kreis sind die Kriminalhauptkommissarinnen Kathrin Schulze und Kerstin Lorenz. Sie beraten zum Schutz vor Wohnungseinbrüchen, aber auch anderen Straftaten. Ort ist die Polizeiwache in Siegburg an der Frankfurter Straße 12-18. Terminvereinbarung per Mail oder unter 02241/541-4777.

