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Mit VideoWaschbären in Rhein-Sieg sollen jetzt mit Fallen gefangen werden

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Waschbären Rhein-Sieg-Kreis

Amphibienbestände in Gefahr: Die Untere Naturschutzbehörde des Rhein-Sieg-Kreises hat jetzt Pläne, wie Waschbären erlegt werden können.

Die aus Nordamerika stammenden Waschbären, die längst im Rhein-Sieg-Kreis heimisch sind, werden zur Plage. Die meist nachtaktiven Tiere verhalten sich immer dreister und plündern auf der Suche nach Fressbarem zunehmend Müllsäcke und -eimer in Dörfern und Städten.

Vor allem aber bedrohen die kleinen Raubtiere mit ihren schwarzen Augenmasken die Amphibien in vielen Gewässern so stark, dass die Untere Naturschutzbehörde des Kreises jetzt Fallen an die Jägerschaft ausgibt, um den intelligenten Kleinbären an den Pelz gehen zu können. 

Die Bestände von Unken, Kröten und Fröschen im Rein-Sieg-Kreis haben Waschbären bereits deutlich dezimiert

Die Lebendfallen werden auf Anfrage an die Jäger verteilt. Diese stellen sie in den Gebieten auf, in denen größere Biodiversitätsschäden durch die Räuber zu befürchten sind, wie Christoph Rüter vom Naturschutzamt in der Sitzung des Naturschutzbeirates berichtet. Ihre Anschaffung wird durch Zuschüsse von Bund und Land unterstützt. Wer sie aufstellen will, muss zuvor einen Lehrgang mitmachen und ein besonderes Zertifikat erlangen.

Waschbären werden zunehmend zur Plage: Ein Waschbärfamilie sucht im Bach nach Nahrung.

Waschbären werden zunehmend zur Plage: Ein Waschbärfamilie sucht im Bach nach Nahrung. Im Derenbachtal in Ruppichteroth haben sie die Amphibienbestände deutlich dezimiert.

Die Waschbärfallen, lange Kästen, werden mit Meldern ausgestattet. Diese meldeten den Jägern sofort aufs Handy, wenn ein Tier in die Falle gegangen sei, erläutert Elke Säglitz vom Naturschutzamt. Danach werden die Tiere von den Jägern getötet. Säglitz hat schon vor Jahren damit begonnen, an mehreren Orten im Rhein-Sieg-Kreis Wildkameras aufzustellen, und dokumentiert damit die starke Vermehrung der Waschbären. „Möglicherweise müssen einige Teiche mit Drahtgittern vor den Räubern geschützt werden“, sagt Säglitz.

Stark bedroht sind in mehreren Gewässern inzwischen die Bestände von Gelbbauchunken, Geburtshelferkröten, Erdkröten und Grasfröschen. Mehrere Teiche haben die Waschbären bereits leergeplündert. Die Kleinbären sind Allesfresser, erbeuten auch Insekten, Fische, Vögel und ihre Eier sowie kleine Säugetiere und verschmähen auch Nüsse, Früchte und andere Pflanzen nicht. Aus Rheinland-Pfalz wurde bekannt, dass sie dort den Nachwuchs von Uhus fraßen und Kolonien von Graureihern plünderten.

Waschbären werden zunehmend zur Plage, auch am Tag gehen sie auf Jagd - wie diese Aufnahme aus der Wildtierkamera zeigt.

Waschbären werden zunehmend zur Plage, auch am Tag gehen sie auf Jagd - wie diese Aufnahme aus der Wildtierkamera zeigt.

In den vergangenen zehn Jahren seien die Zahlen der Waschbären steil angestiegen, teilt Dr. Norbert Möhlenbruch vom Landesjagdverband mit, der auch Vorsitzender des Naturschutzbeirates ist. Entlang der Bröl und der Sieg sowie im Siebengebirge haben sich die Tiere besonders stark vermehrt. Bei der Jagd mit Lebendfallen gingen allerdings auch schon mal Katzen oder Füchse in die Fallen, berichtet Möhlenbruch.

„Insgesamt geschieht aber zu wenig für die Dezimierung der Waschbären, da muss mehr passieren“, betont Möhlenbruch. Auch die Genehmigung, sie mit Fallen zu jagen, werde wohl auch eher nicht dazu beitragen, dass der Bestand dezimiert werde. Denn: Die Sache sei nicht besonders attraktiv für die Jäger, sagt Rüter, „weil das Fleisch der Waschbären hierzulande keine Verwendung findet. Auch ihre Pelze sind nicht so begehrt“.

Im Jagdjahr 2024/25 wurden im Rhein-Sieg-Kreis 352 Waschbären geschossen

Im Jagdjahr 2019/20 wurden 49 Waschbären geschossen,  2024/25 wurden 517 tote Waschbären gezählt. Laut Anna Maria Müller, Jagdpächterin aus Königswinter, wurden davon 352 Tiere geschossen, 118 in Fallen gefangen und 42 überfahren. Mehr als 40 Waschbären wurden tot aufgefunden.

Müller hat einen der angebotenen Fallenlehrgänge abgeschlossen, um den kleinen Raubtieren in dem von ihr betreuten Revier im Ruppichterother Derenbachtal erfolgreich nachstellen zu können. Dort haben die Räuber inzwischen die Amphibienbestände deutlich reduziert.

Die stellvertretende Hegeringleiterin hat sich sogar auf eigene Kosten eine Kasten-Lebendfalle Modell „Waschbär“ gekauft und dieses Jahr schon 26 Waschbären darin gefangen. Müller bestückt ihre Waschbärfalle mit Rosinen oder auch Hundefutter, hat aber die Erfahrung gemacht: Hauptsache süß, dann gingen die Räuber in die Falle. 

Und vielleicht käme man hierzulande ja doch noch auf den Geschmack. In Sachsen-Anhalt, weiß die Jägerin, wird Waschbärfleisch verwertet. Dort gebe es einen Wildtiermetzger, der ihr Fleisch zu Frikadellen und Würstchen verarbeite.