Seit dem Wochenende steigen die Benzinpreise aufgrund des Krieges im Iran immer weiter an. Verbraucherinnen und Verbraucher sind besorgt.
Zwei Euro-Marke überstiegenWie Verbraucher in Rhein-Sieg mit den hohen Benzinpreisen umgehen

Während etliche noch an der Aral-Tankstelle in Troisdorf an der Mülheimer Straße tanken, sind andere schon aufs Fahrrad umgestiegen.
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Viele Menschen dürften aktuell beim Blick auf die Benzinpreise an den Tankstellen große Augen bekommen. Seit Israel und die USA den Iran angegriffen haben, ist der Spritpreis drastisch gestiegen. Und auch, wenn er oft binnen weniger Stunden heftig schwankt, geht er in der Tendenz doch weiter nach oben. Zuletzt überstieg der Diesel-Preis im bundesweiten Schnitt die Zwei-Euro-Marke, kurz darauf folgte Super E10 (2,003 Euro) am Donnerstagmorgen (5. März), wie der ADAC mitteilte.
Hintergrund der steigenden Benzinpreise ist die Sperrung der Meerenge Straße von Hormus vor der Küste des Irans. Sie spielt eine wichtige Rolle für Öl- und Gaslieferungen. Seit der Krieg am Samstag weiter eskalierte, stiegen auch die Preise von Rohöl und Gas deutlich. Solche Entwicklungen treffen auch die Menschen in unserer Region direkt. Die Redaktion hat mit Tankstellen-Kunden, Tafeln, Bürgerbus-Organisatoren, Ambulanz-Diensten und der Kreis-Handwerkerschaft über ihre Sorgen und direkte Auswirkungen gesprochen.
Bürger, die auf ihr Auto angewiesen sind, zeigen sich besorgt
Oguz Kamacik sitzt in seinem Auto an einer Tankstelle in Siegburg. Er findet die Spritpreise viel zu teuer, Tanken wird er heute nicht mehr. „Das kommt alles vom Krieg und es wird auch noch teurer werden“, sagt er. Auf sein Auto sei er angewiesen. „Auto muss man fahren, dann muss man auch tanken“, sagt Kamacik zerknirscht.
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Auch Mareike Balsalobre aus Bonn hat sich über die Spritpreise erschrocken. „Puh … ich tanke Super und muss jetzt einmal volltanken. Ich glaube, die nächsten Tage wird es nicht besser“, ärgert sich Balsalobre. Sie verstehe aber, dass es an der wirtschaftlichen Lage liege. Das Auto braucht sie nicht häufig, nur wenn sie ihre Mutter in Kaldauen besucht. „Ich bin viel zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs. Ich bin froh, dass ich sonst nicht so auf mein Auto angewiesen bin“, sagt die junge Frau.

Mareike Balsalobre braucht das Auto zwar nicht häufig, hat sich aber über die hohen Spritpreise erschrocken.
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Der Diesel über zwei Euro sei viel zu teuer, sagt ebenso Abdul Wasse. „Ja, ja, … und ich brauche das Auto“, fährt er fort.
Alarmiert zeigt man sich auch bei der Kreishandwerkerschaft Bonn-Rhein-Sieg. „Aus Sicht des Handwerks stellen die sprunghaft steigenden Spritpreise, insbesondere bei Diesel, eine enorme Belastung für die Betriebe dar“, sagt Hauptgeschäftsführer Oliver Krämer. Die hohen Kraftstoffpreise träfen kleine und mittelständische Handwerksbetriebe härter als Konzerne, denn sie seien für Materialtransporte, den Weg zur Baustelle und den Einsatz von Maschinen auf Kraftstoffe angewiesen.
„Die Situation ist wirklich kritisch“, sagt Krämer. „Sie führt zu einer weiteren Verteuerung von Handwerksleistungen und gefährdet damit die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen, zumal eine vollständige Weitergabe der gestiegenen Kosten an die Kunden oft nicht möglich ist.“ Angesichts der Spritpreisentwicklung werde sich das Handwerk gegenüber der Politik für sofortige Entlastungen der Betriebe stark machen, kündigt Krämer an. Denkbar sei etwa eine Senkung der Energiesteuer.
Wir müssen jetzt sehen, dass wir die Mehrkosten, die daurch entstehen, aus Spendengeldern bestreiten können.
„Unsere Wagen fahren leider noch nicht elektrisch“, sagt Paul Hüsson von der Eitorfer Tafel. Die Ehrenamtler sind mit einem Kleinbus und verschiedenen Privatfahrzeugen unterwegs, um Lebensmittel von Spendern abzuholen und an Bedürftige zu verteilen. „Daher sind wir von steigenden Kraftstoffpreisen genauso betroffen wie gewerbliche Unternehmen und private Haushalte“. Ehrenamtler, die ihre privaten Fahrzeuge zur Verfügung stellten, würden dafür natürlich eine Aufwandsentschädigung erhalten, sagt Hüsson. „Wir müssen jetzt sehen, dass wir die Mehrkosten, die daurch entstehen, aus Spendengeldern bestreiten können.“
Auch für andere Angebote wie Bürgerbusse mit ehrenamtlichen Fahrerinnen und Fahrern sind die Benzinpreise kritisch. „Wir können ja nicht, wie Privatleute, das Auto einfach stehenlassen und das Fahrrad nehmen“, sagt Alfred Benke, Vorsitzender des Bürgerbus Neunkirchen-Seelscheid e.V.
Bürgerbus-Vorsitzender hofft auf mittelfristige Preissenkung
„Wir haben einen festen Fahrplan, den wir einhalten müssen, es bleibt uns also nichts anderes übrig als zu tanken, egal wie teuer die Preise sind.“ Das werde natürlich die Kassen des Vereins strapazieren, betont Benke. „Dennoch würde ich sagen, dass wir noch nicht in Bedrängnis kommen.“ Sorge mache es ihm allerdings, wenn die Spritpreise auch weiter stiegen. Er hoffe, dass sich die Preisentwicklung mittelfristig wieder nach unten richtet.
Der Bürgerbus Neunkirchen-Seelscheid fährt immer montags, dienstags, donnerstags und freitags rund 57 Haltestellen in der Gemeinde an und gilt als klassisches öffntliches Nahverkehrsmittel. Gefahren wird er aber nicht von Berufskraftfahrern, sondern ehrenamtlichen Fahrerinnen und Fahrern.
Nach den alten Preisen zahlt die City Ambulanz 6000 bis 7000 Euro monatlich fürs Benzin
„Natürlich müssen wir jetzt rechnen“, sagt Serena Zeitz, Geschäftsführerin und Inhaberin des Fahrdienstes City Ambulanz in Siegburg. Von den Krankenkassen bekämen sie jetzt nicht mehr Geld für die Fahrten: Das 2012 gegründete Unternehmen bringt mit zehn Fahrzeugen Patientinnen und Patienten zum Beispiel zur Dialyse oder vom Krankenhaus in Reha-Kliniken.

Die Fahrzeuge des Siegburger Krankenfahrdiensts City Ambulanz brauchen monatlich etwa 3200 Liter Sprit. Das kostet - nach altem Preis - zwischen 6000 und 7000 Euro.
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Vor allem im Rhein-Sieg-Kreis und in Bonn sind die Beschäftigten dafür unterwegs, manchmal gibt es auch Fahrten zur Reha, die einige hundert Kilometer weit sind. „Wir haben gestern mal nachgerechnet“, sagt Serena Zeitz: Monatlich müssten 3200 Liter getankt werden, zwischen 6000 und 7000 Euro „nach alten Preisen“ würden dafür fällig.
Viel machen könnten sie und die Angestellten da nicht. Eine Tankkarte verschaffe kleine Rabatte; die Beschäftigen werden gebeten, nach Möglichkeit günstig zu tanken. „Aber wenn getankt werden muss, dann muss getankt werden.“ Erst im Oktober hat sie mit den Krankenkassen den jüngsten Vertrag über die Bezahlung verhandelt, jährlich oder nach 18 Monaten werden die Vereinbarungen geschlossen.
Dennoch schließt Serena Zeitz nicht aus, dass sie demnächst doch noch einmal für Nachverhandlungen an die Krankenkassen herantreten muss. „Man kann das ein, zwei oder drei Wochen ertragen“, sagt sie angesichts der Preisexplosion an den Tankstellen. Danach aber müsse etwas passieren, „sonst lohnt es sich eher, die Autos stehen zu lassen.“
Zumindest eine gute Nachricht kommt vom Energieanbieter Rhenag in Siegburg. Die Strom- und Gaspreise sollen demnach nicht infolge des Konflikts in der Golfregion steigen. „Wir beschaffen die Energie für unsere Kundinnen und Kunden lange im Voraus, damit wir kurzfristige Preissprünge am Markt abfedern können“, informiert Norman Petersson, Leiter Energiegeschäft bei rhenag Energie. Das Unternehmen kaufe Strom und Gas in Tranchen über mehrere Jahre verteilt ein und beschaffe kleine Mengen kurzfristig nach, wenn der Markt günstig ist.
Eine solche Versorgungssicherheit herzustellen, gehöre zu den Aufgaben regionaler Energieversorger, betont Peterssohn: „In Krisenzeiten macht sich besonders bemerkbar, nach welchem Geschäftsmodell Energieunternehmen arbeiten.“

