Nicht nur Bücher, auch Bilder und Medaillen finden sich in den Verkaufsräumen auf dem Gelände des Klosters der Steyler Missionare.
Kilo Literatur für vier EuroSchnäppchen in der Bücherhalle in Sankt Augustin

Dagmar Schofs, Stefanie Förster und Magnus Prinzvill (v.l.) sortieren die gespendeten Bücher vor.
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„Der Karton mit den Romanen ist schon wieder voll“, stellt Stefanie Förster fest. Magnus Prinzvill schnappt ihn sich. Mit schnellem Schritt bringt er die Kiste die Treppe hinauf in die erste Etage. Dort kommen die gespendeten Bücher ins Regal. Zahlreiche Interessenten warten auf die aktuelle Lieferung. Die Bücherhalle der Steyler Missionare hat viele Stammkunden. Und es werden immer mehr.
Nicht alle Bücher sind heutzutage eine Anschaffung fürs Leben. Sie werden gelesen, wandern ins Regal und sind dort schnell vergessen. Bei einem Umzug fällt auf, dass sie im Verborgenen Platz gebraucht haben, der im neuen Domizil nicht mehr vorhanden ist. Einfach so wegwerfen möchte das gedruckte Wissen oder die leichte Kost eigentlich niemand. Doch wohin damit? Das Volumen der Bücherschränke übersteigt die in den Jahren gesammelte Masse meist deutlich.
Jeden Freitag von 12 bis 16 Uhr ist die Bücherhalle in der Arnold-Janssen-Straße 24 in Sankt Augustin geöffnet
Die Bücherhalle der Steyler Missionare ist für viele eine willkommene Alternative. Guido Hackelbusch hat sie mit seinem Team im Laufe der Jahre aufgebaut. 2013 fing alles in der ehemaligen Turnhalle der Klosterbrüder an, 2024 wurde ein Umzug nötig, weil die Sportstätte marode war. In der ehemaligen missionswissenschaftlichen Bibliothek des Klosters fand die Bücherhalle einen neuen Platz. Sie wird komplett von Ehrenamtlerinnen und Ehrenamtlern betreut.

Beim Stöbern in den Regalen der Bücherhalle findet sich irgendwie immer ein Werk.
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Aus dem gesamten Rhein-Sieg-Kreis und darüber hinaus kommen die Bücherspenden und Interessenten. Jeden Freitag von 12 bis 16 Uhr ist die Halle in der Arnold-Janssen-Straße 24 in Sankt Augustin geöffnet. „In diesem Jahr auch am 1. Mai“, betont Hackelbusch. Er sei gespannt, ob viele Bücherfreunde den Feiertag nutzten, um in den Regalen nach Raritäten zu stöbern.
Ich interessiere mich für Literatur aus dem Arbeiterleben
Das macht Martin Großkopf aus Siegburg gerade. „Ich interessiere mich für Literatur aus dem Arbeiterleben“, berichtet der 56-Jährige. Zwei Bücher hat er schon in den Regalen gefunden. Cornelia Herbst aus Mettmann hat eine Kiste voll mit Biografien von Politikern abgegeben, für die sie keine Verwendung mehr hatte. „Ich besuche regelmäßig meine Studienfreundin Eva Königshoven aus Sankt Augustin-Menden“, sagt sie. Die habe ihr von der Bücherhalle berichtet. Die beiden Frauen schauen noch mal kurz, was so in den Regalen steht, und finden prompt Werke, die sie interessieren.

Ulla Vierling aus Overath gibt ihre Sammlung von Ikonen ab, erworben im Urlaub.
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Ulla Vierling aus Overath hat auch etwas abzugeben. Es sind allerdings keine Bücher. Auf zahlreichen Reisen hat die heute 87-Jährige eine Sammlung von kleinen Ikonen zusammengetragen. An der Wand ihrer alten Wohnung hatten sie jahrelang einen festen Platz, doch jetzt ist sie umgezogen. Die örtliche Pfarrei hatte ihr den Tipp mit der Bücherhalle gegeben. Dort könnten auch Dinge abgeben werden, die einen christlichen Bezug hätten. Mit ihrer Freundin Renate Burgmer ist sie deswegen nach Sankt Augustin gefahren.
Kruzifixe, Erinnerungsmedaillen zur Kommunion und Bilder finden sich in der Bücherhalle: Dürers „Betende Hände“, der Fischmarkt in Alzey oder ein Blick auf den Rhein. Ferdinand Dahl untersucht insbesondere die Medaillen. Er ist Mitglied der Numismatischen Gesellschaft Bonner Münzfreunde. Die Erinnerungsmetalle aus Bonn und dem Umland sind sein Spezialgebiet; auch Bücher hat der 88-Jährige dazu schon veröffentlicht. Neben alten Gesangsbüchern hat er ein Konvolut solcher Medaillen mit christlichen Motiven gefunden. Sorgfältig untersucht er jede einzelne.

80 Prozent der gespendeten Bücher werden im Container entsorgt.
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Im Hof hinter der Bücherhalle stehen einige Container, zum Teil bis oben hin mit Büchern gefüllt. Denn nicht jede Spende kommt in die Regale. „Wir werfen bis zu 80 Prozent der Werke weg“, sagt Hackelbusch. Literarische Massenware wie einst populäre Romane von Johannes Mario Simmel, Heinz G. Konsalik oder Marie Louise Fischer fänden kaum Abnehmerinnen oder Abnehmer. Auch Literatur zur beruflichen Weiterbildung sei schnell veraltet.
Vier Euro pro Kilo kosten die Bücher in der Bücherhalle der Steyler Missionare in Sankt Augustin
Auch Nachschlagwerke wie Brockhaus oder Meyers Enzyklopädie werden abgegeben. „Manchmal bekommen wir drei Stück davon in der Woche“, berichtet Dagmar Schofs vom Auswahlteam. Dafür sei in den Regalen einfach kein Platz - und die Nachfrage nicht stark genug. Auch Bildbände oder andere Werke liegen oft in mehrfacher Ausführung vor. Da müsse eine Entscheidung getroffen werden.
Vier Euro pro Kilo kosten die Bücher. In der Woche kommen schon mal 1500 Euro zusammen, die für einen guten Zweck verwendet werden. „1200 im Monat Euro waren es zu Beginn“, erinnert sich Hackelbusch. Die Bücherhalle werde immer erfolgreicher. 720.000 Euro sind inzwischen zusammengekommen. Weltweit wurden damit Projekte finanziert. Zurzeit wird für ein Drogenpräventionsprogramm für Jugendliche und betroffene Familien in Indien gesammelt.

Bibeln werden wieder stärker nachgefragt. Jann Karin leitet die Buchhandlung der Steyler neben der Bücherhalle.
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Fast direkt neben der Bücherhalle findet sich die Buchhandlung der Steyler Missionare. Filialleiter Jann Karin sieht das Angebot der gebrauchten Werke dort als „sinnvolle Ergänzung“. Vor allem antiquarische Bücher seien dort zu finden. Auf die Frage, was im aktuellen Verkauf gut laufe, kommt schnell eine Antwort: Die Bibel sei seit Corona wieder stärker nachgefragt. „Viele Menschen sind auf der Sinnsuche im Leben. Der Glaube kann da helfen.“

