Die Angeklagten sollen Autos aus Totalschäden in den USA verkauft haben, ohne die Käufer darüber zu informieren, wie es Pflicht gewesen wäre.
Vorschäden verschwiegenAngeklagte aus Siegburg wegen Betrugs mit Gebrauchtautos vor Gericht

Vor dem Bonner Landgericht sind vier Personen aus Siegburg und Alfter wegen Bandenbetrug und Urkundenfälschung angeklagt. (Symbolbild)
Copyright: Thomas Banneyer/dpa
Zwei 53 und 29 Jahre alte Männer aus Siegburg und ein mittlerweile geschiedenes Ehepaar aus Alfter müssen sich derzeit wegen sieben Gebrauchtwagen-Deals vor der 10. Großen Strafkammer am Bonner Landgericht verantworten. Die Anklage lautet auf schweren Bandenbetrug und Urkundenfälschung.
Das Quartett soll Fahrzeuge mit Totalschäden aus den USA aufgekauft und über den Gebrauchtwagenhandel des 53-Jährigen in Siegburg weiterveräußert haben, ohne die Kunden über die Vorschäden zu informieren.
Angeklagte soll Käufer nicht über Totalschaden von verkauften Autos informiert haben
Unfälle mit Totalschaden werden in den USA gut dokumentiert: Die beteiligten, nicht mehr fahrtüchtigen Fahrzeuge werden dort mit einem sogenannten „Salvage Titel“ versehen und betroffene Wagen können online ganz einfach auf einer speziellen Webseite durch Eingabe der Fahrgestellnummer identifiziert werden. Offenbar gibt es aber einen schwunghaften Handel mit den Autowracks; unter anderem werden sie nach Europa verschifft und hier insbesondere in Litauen zunächst wieder hergerichtet und im Anschluss in Westeuropa verkauft. Das wäre per se noch nicht illegal, der Käufer müsste aber darüber informiert werden.
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Dies soll aber im Rahmen der sieben Deals, die nun vor der 10. Großen Strafkammer am Bonner Landgericht verhandelt werden, gerade eben nicht geschehen sein. Vielmehr sollen die vier Angeklagten mit dem illegalen Trick ihre Gewinnmarge durch die Veräußerungen um ein Vielfaches in die Höhe getrieben haben. Den Anfang soll laut Anklage ein BMW 328i gemacht haben. Das Fahrzeug soll im Juli 2017 im US-Bundesstaat Ohio bei einem Unfall schwer beschädigt und dann als Schrott nach Georgien exportiert worden sein, wo er mehr schlecht als recht aufbereitet wurde.
Angeklagter kaufte Wagen für 16.500 und verkaufte ihn für 23.000
Möglicherweise ging der Unfallwagen dann auf die Reise nach Litauen. Der 53-jährige Angeklagte soll den Wagen jedenfalls für 16.500 Euro erstanden und am 10. Juli 2019 mit litauischen Papieren in Siegburg zugelassen haben. Am 10. September soll das Auto – so hieß es in der Anklage – dann für 23.000 Euro an einen Kunden seines Gebrauchtwagenhandels verkauft haben. Dass es sich um einen US-Import handele, soll er dem Käufer zwar noch mitgeteilt haben. Ansonsten sprach der Verkäufer aber laut Anklage nur von einem kleinen Blechschaden. Außerdem handele es sich um einen Privatverkauf im Auftrag und der Käufer habe keinen Gewährleistungsanspruch.
Die weiteren Deals sollen dann nach demselben Schema abgelaufen sein; die sechs anderen Wagen, unter ihnen ein Ford Mustang, sowie zwei Porsche, sollen von den Staaten direkt nach Litauen gegangen sein. Ab dem dritten Deal soll sich dann das Ehepaar mit den beiden Siegburgern zu einer Bande zusammen geschlossen haben. Die beiden 55-jährigen Eheleute sollen die weiteren Fahrzeuge jeweils auf den Namen der Frau zugelassen haben.
Dem 53-Jährigen wirft die Staatsanwaltschaft zudem noch illegalen Waffenbesitz vor, weil er eine ungeladene halbautomatische Selbstladepistole nebst Munition in seinen Firmenräumen aufbewahrte. Der 55-Jährige muss sich außerdem noch wegen Betrugs verantworten – er soll zu Unrecht 10.834,72 Euro Bürgergeld kassiert haben. Zum Prozessauftakt kündigten alle vier Angeklagten an, dass sie sich bis auf weiteres schweigend verteidigen wollen. Das Verfahren ist bis in den Sommer hinein terminiert.

