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Tag der ArbeitGewerkschafter in Siegburg fordern Respekt für Arbeitnehmer

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Kundgebung zum 1. Mai in Siegburg: Wilfried Schmickler war erneut Gastredner.

Kundgebung zum 1. Mai in Siegburg: Wilfried Schmickler war erneut Gastredner.

Auf dem Marktplatz in Siegburg hatten DGB und IG Metall zur Kundgebung mit buntem Familienfest aufgerufen.

Christi Himmelfahrt, Tag der Deutschen Einheit oder Fronleichnam – auf diese Feiertage verzichtet Wilfried Schmickler gern. Aber den Tag der Arbeit am 1. Mai in Siegburg, den lässt er sich nicht nehmen, auch nicht von seinem Arzt, der den erkrankten Kölner Kabarettisten lieber im Bett gesehen hätte.

Zur guten Tradition ist die Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbunds mit anschließendem Familienfest in Siegburg nicht nur für Wilfried Schmickler geworden. Zum vierten Mal fand sie nun auf dem Marktplatz statt, mit noch mehr Teilnehmern und Ausstellern als im vergangenen Jahr, wie Michael Korsmeier von der IG Metall Bonn-Rhein-Sieg erklärte.

Explodierende Rüstungsbudgets und ein Investitionsstau in Milliardenhöhe

Seinen anschließenden Auftritt auf dem Kölner Heumarkt ließ Schmickler gesundheitsbedingt sausen. Aber mit den Gewerkschaftern aus dem Rhein-Sieg-Kreis Solidarität zu zeigen, die Stimme für ein faires Miteinander zu erheben und mächtig auszuteilen gegen Bonzen und Demokratiefeinde, das war für den 71-Jährigen eine Herzensangelegenheit.

Begeisterten Applaus erntete er für seinen scharfzüngigen Vortrag, in dem er die Renten-Vision von Bundeskanzler Friedrich Merz („die Unke aus dem Sauerland“) als „Altersarmutszeugnis“ geißelte. Über die zerstörerische Kraft der Gier referierte er in atemlosem Stakkato und lenkte den Blick auf die Themen, die drohen, selbst einen Schmickler sprachlos zu machen: Kinderarmut etwa oder das 2025 nur knapp abgelehnte Zustrombegrenzungsgesetz.

Damit knüpfte er an den Vortrag des Gewerkschafters Hans-Jürgen Urban an, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall, der die Arbeit der Koalition aus CDU und SPD in den Fokus nahm. „Wahrlich kein Grund zum Feiern“, urteilte Urban und zählte auf: explodierende Rüstungsbudgets, Sprit- und Gaspreise auf Rekordhoch, ein Investitionsstau in den Kommunen von über 200 Milliarden Euro.

Bei ZF in Eitorf, Ammann in Hennef und GKN in Lohmar sind Arbeitsplätze bedroht

Auf den „enormen Druck“, unter dem die Kommunen stehen, hatte auch Bürgermeister Stefan Rosemann (SPD) hingewiesen. Er lobte ehrenamtliche Initiativen, die den Zusammenhalt stärkten und die Gesellschaft lebenswert machten. Gleichzeitig warnte er davor, staatliches Engagement zurückzufahren, damit wir auch weiter in einem starken freien Land leben könnten, das von Demokratie und sozialem Ausgleich geprägt sei.

Ganz so optimistisch sah Urban die Lage in Deutschland nicht. Bundesweit seien allein in den energieintensiven Branchen vier Millionen Arbeitsplätze gefährdet, im Rhein-Sieg-Kreis sind mit ZF in Eitorf, Ammann in Hennef und GKN in Lohmar aktuell drei Unternehmen betroffen. Urban forderte verbindliche Beschäftigungs- und Standortzusagen und vor allem Transformationsvereinbarungen mit den Betriebsräten. „Wir wollen Arbeitsplätze und Wertschöpfung und nicht private Gewinne fördern.“

Klar wendete sich der Hauptredner gegen die Angriffe, primär des Bundeskanzlers, auf Rente, Gesundheit und Pflege. „Ich kann das Gejammer über den teuren Sozialstaat nicht mehr hören. Da steigt einem doch die Zornesröte ins Gesicht!“ Er plädierte für eine Bürgerversicherung für alle und die Abschaffung der „Zwei-Klassen-Medizin“ durch die Aufteilung in gesetzliche und private Krankenversicherung. Gleiches gelte für die Rente. Die Debatte um ein höheres Rentenalter müsse beendet, das Rentenniveau angehoben werden. 

Beschäftigte haben Respekt, Unterstützung und Sicherheit verdient.
Stefanie Bütgen, Vorsitzende des DGB Kreisverbands Bonn/Rhein-Sieg

Jakob Kleeberger von der IG Metall Jugend warf einen ergänzenden Blick auf die Situation junger Menschen. Von der viel gepriesenen Chancengleichheit könnten weder Miete noch Essen gezahlt werden und die Situation der Auszubildenden sei alles andere als rosig. Er forderte eine Übernahmepflicht für Azubis. 

Stefanie Bütgen, Vorsitzende des DGB-Kreisverbands Bonn/Rhein-Sieg, forderte, den Acht-Stunden-Tag beizubehalten. Eine Abschaffung, so Bütgen, führe nur zum Arbeitsplatzabbau. Sie forderte Arbeitgeber auf, in die Zukunft zu investieren und die Jobs an erste Stelle zu rücken. „Beschäftigte haben Respekt, Unterstützung und Sicherheit verdient“, so Bütgen, die den Slogan „Mit Macht für die Acht“ skandierte. Die Kampfansage, die Arbeitszeit heraufsetzen zu wollen, nehme man selbstbewusst an: „Wir sind acht starke Gewerkschaften mit 5,6 Millionen Mitgliedern.“