Nikolaus Bode betreibt mit seiner Tochter Angelina ein Pfandhaus an der Siegburger Holzgasse.
„King of Cash“Pfandleiher Nikolaus Bode aus Siegburg beleiht alles – vom Ring bis zum Sarg

Der Siegburger Pfandleiher Nikolas Bode
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Vom Gaming-Controller für fünf Euro bis zur Yacht für 100.000 Euro: Im Prinzip nimmt Nikolaus Bode alles an. Zwischen Autos, Schmuck und Elektrogeräten lagert der Pfandleiher aus Siegburg seit einiger Zeit auch einen Sarg, wohl der kurioseste Gegenstand seiner Karriere. Der Besitzer habe sich das Teil einst als Dekostück zu Halloween gekauft, erzählt Bode. Dann habe er den Sarg allerdings loswerden müssen, wohl auf Druck seiner Familie. Bode hat den Sarg zuerst als Leihstück gelagert, nun ist er dauerhaft in seinem Besitz.
Seit 30 Jahren betreibt Nikolaus Bode ein Pfandhaus an der Siegburger Holzgasse, mittlerweile mit seiner Tochter Angelina. Zum dritten Mal kommt das Leihhaus Bode nun ins Fernsehen: Dort wird für die neue Staffel der Dokuserie „King of Cash – Die Pfandleiher“ gedreht.
In 95 Prozent der Fälle wird im Pfandhaus Schmuck verpfändet
Inhaber Bode findet, dass durch den Fernsehauftritt das Ansehen seines Berufs steigt. „Es wird ja in Filmen oft vermittelt, als hätten Pfandhäuser etwas Anrüchiges“, sagt Bode. Doch vom Bürgergeldempfänger bis zum Unternehmer begegne ihm an seinem Tresen fast alles.
„Das Pfandhaus ist nicht die letzte Station vorm Bankrott“, bekräftigt Bode. Das Konzept, einen Wertgegenstand für kurze Zeit gegen Bargeld zu verpfänden, sei vor allem dann sinnvoll, wenn es einen kurzen Liquiditätsengpass zu überbrücken gelte. „Das kann etwa eine teure Rechnung für den Tierarzt sein“, nennt Bode das Beispiel einer Frau, die vor kurzem in seinem Laden stand.

Das Lager des Pfandleihers: Fahrräder, Elektrogeräte und andere Waren warten auf die Auslösung.
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Häufig seien es auch Selbstständige, die das Angebot des Pfandhauses nutzten. Viele Handwerker müssten etwa ständig in Vorleistung gehen, bevor das Geld vom Kunden komme, da könne eine kurze Verpfändung Abhilfe schaffen. Bei Nikolaus Bode geht übrigens nur Bargeld über den Tresen. „Das ist überhaupt nicht für eine Langzeitfinanzierung gedacht, bei uns geht es ganz schnell“, erklärt Bode. Das sei der Vorteil gegenüber den Banken, die immer restriktiver und langsamer würden. „Und bei uns muss sich niemand rechtfertigen“, fügt Bode hinzu.
Technische Geräte sind wie Obst, das liegt nur rum und wird schlecht
Die Kunden können alles anbieten, nur wertvoll genug muss es sein. Was bei Angelina und Nikolaus Bode in 95 Prozent aller Fälle verpfändet wird, lässt sich schon im Schaufenster und im Logo des Geschäfts klar feststellen: Schmuck. Ringe, Ketten und Edelmetall werden sogar meistens immer mehr wert, der beste Pfand also für etwas Bargeld. Anders bei elektronischen Geräten wie Laptops, Fernseher und vor allem Handys.
„Technische Geräte sind wie Obst, das liegt nur rum und wird schlecht“, urteilt Nikolaus Bode. Genau wie bei Autos verfalle der Preis dieser Güter sofort nach dem Kauf. „Für ein gebrauchtes Handy bekommt man maximal 100 Euro. Über den Daumen gepeilt kann ein Kunde zwischen der Hälfte und einem Drittel des aktuellen Werts erwarten.“ Die Summe wird mit Zinsen und Gebühren für das Pfandleihhaus verrechnet.
Nach spätestens acht Monaten wird der verpfändete Gegenstand versteigert
Wer etwas verpfändet, hat bis zu vier Monate Zeit, den Gegenstand gegen das geliehene Geld wieder einzulösen. Eine Verlängerung um weitere vier Monate ist möglich, spätestens dann wird der verpfändete Gegenstand zwangsversteigert. Das komme ungefähr bei fünf Prozent aller beliehenen Sachen vor. Diesen Fall möchte Nikolaus Bode aber möglichst vermeiden, denn er verliert dadurch potenziell Kunden. Wenn ein Schmuckstück verkauft ist, kann der Kunde es natürlich nicht noch einmal bei ihm verpfänden. Außerdem ist der Pfandhaus-Betreiber allein dafür verantwortlich, ob er die geschätzten Werte durch die Auktion wieder einspielt.

Unter der Lupe betrachtet Nikolaus Bode den Ring: Wieviel Karat hat der Stein, was ist er wert?
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Das größte Risiko stellt für den Pfandleiher gefälschter Schmuck dar. Erst im vergangenen Januar habe er ein gefälschtes Goldarmband beliehen, erzählt Bode. „Die 84-jährige Kundin machte einen völlig harmlosen Eindruck.“ Nachdem 3200 Euro bereits über den Tresen gegangen waren, kam heraus, dass der Personalausweis gefälscht war. Und auch das Armband war nichts wert.
Noch ärgerlicher war für Bode ein Fall vor drei Jahren. Drei Rolex-Uhren hatte er für 25.000 Euro beliehen - alle gefälscht. Und das, obwohl der Schmuck von seinen Mitarbeitern sorgfältig geprüft worden sei. Während man mit dem Kunden am Tresen einen Preis aushandelt und über die Herkunft des Schmucks spricht, wird die Echtheit mittels Säuren oder Ultraschallgeräten geprüft. „Doch wir müssen genauso aufrüsten wie die Fälscher“, gibt Bode zu, „immerhin wird falscher Schmuck immer schwieriger zu erkennen.“

