Eine Halle in Köln-Porz ersetzt den zum Jahresende geschlossenen Großmarkt - die Auswahl ist kleiner geworden.
Nach dem Aus des Kölner GroßmarktsWo Siegburger Händler jetzt ihre Ware holen

Im neuen ABA-Frischezentrum in Porz können Markthändler ihre Ware beziehen, wenn auch aus geringerer Auswahl.
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Den Weg zum Kölner Großmarkt in Raderberg würde Ugur Sezer im Schlaf finden, tausende Male ist er ihn in seinem Leben gefahren. Doch seit die zentrale Einkaufsstelle für Markthändler und Gastronomen weggefallen ist, muss der Siegburger seine Ware anderswo beschaffen. In Köln-Porz haben sich dagegen einige Großmarkt-Händler zusammengetan und einen Ersatz-Großmarkt aufgebaut – das hilft Markthändlern in der Region sehr.
„Ein Großhändler sorgt für die Verbindung zwischen dem Einzelhandel und dem Erzeuger. Er trägt das Risiko, wenn er Ware bezieht, denn Händler wie ich kaufen ihm meist nur ein paar Kisten ab“, schildert Ugur Sezer, der mit seiner Familie mehrmals pro Woche auf dem Siegburger Wochenmarkt steht. Sie verkaufen Obst und Gemüse. Jeden Tag, noch früh am Morgen, machte sich Sezer auf den Weg nach Raderberg, um sich mit einem Angebot einzudecken.
Markthändler aus der Region hätten nach Venlo oder Frankfurt gemusst
Doch die Stadt Köln hatte den Großmarkt zum Jahresende geschlossen, weil dort Wohnungen entstehen sollen, zudem gab es Hygienemängel. Das Vorhaben, einen neuen Standort in Marsdorf zu erschließen, scheiterte trotz mehrfacher Anläufe. „Es stand das Szenario im Raum, dass wir nach Venlo oder nach Frankfurt auf den Großmarkt fahren müssen. Das hätte sich erheblich auf die Arbeitszeiten ausgewirkt: Ich fange morgens um 4 Uhr an und bin die folgenden 12 Stunden draußen, am Wochenende oft länger“, beschreibt Sezer.
„Für uns Markthändler wäre es problematisch, nicht zu wissen, welcher Großhändler die Ware immer in der gleichen gewünschten Qualität da hat. Die kennen uns mit den Jahren: Sie wissen, was wir brauchen und nehmen schon mal eine Kiste zurück, wenn etwas Verfaultes darunter war – das würden die in Venlo und Frankfurt nicht machen“, stellt er klar. Er könne nicht verstehen, dass die Stadt Köln es in 30 Jahren nicht geschafft habe, eine adäquate Anlaufstelle zu schaffen. „Die Probleme beim Großmarkt waren lange bekannt, aber nichts steht“, kritisiert der 57-Jährige.

Ugur Sezer steht seit Jahren auf dem Wochenmarkt in Siegburg.
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Zum Glück hätten sich ein paar Händler zusammengetan und in Porz eine Halle gemietet. Das halte die Versorgung aufrecht. „Allerdings ist das Angebot viel kleiner, denn von zuvor 180 Händlern sind nur noch zwölf übrig. Die Ware ist zwar da, aber die Auswahl nicht mehr so groß.“ Er versuche trotzdem, alles zu bekommen, was er seinen Kundinnen und Kunden anbiete.
Sein Apfellieferant sei mit der Schließung des Großmarkts in Rente gegangen, doch dessen Mitarbeiter habe eine neue Stelle gefunden – und Sezer als Kunden mitgebracht. „So habe ich weiterhin jemanden, der mich kennt.“ Die jahrelange vertrauensvolle Zusammenarbeit sei ihm wichtig. „Ich hätte wohl aufgehört, wenn ich nach Venlo oder Frankfurt hätte fahren müssen.“
In Porz entstand ein ABA-Frischezentrum als Ersatz für den Großmarkt
Auch Gastronomen betrifft die Schließung des Großmarkts: Georgios Voulinos betreibt die Ouzerie Zur Glocke in Hennef-Geistingen und bezieht vor allem griechische Produkte über Großhändler. „Das sind Sachen wie Joghurt oder Fleisch, die man hier nicht überall bekommt. Ich bin früher ab und zu mal hingefahren, meistens lasse ich mich aber beliefern“, sagt er.
Die Hälfte seiner Ware beziehe er ohnehin aus der Metro. „Durch die Schließung gab es ein paar Umstellungsschwierigkeiten, aber mittlerweile läuft die Belieferung durch die Händler wieder gut“, sagt Voulinos. Eine direkte Preissteigerung habe er nicht beobachten können. „Es wird sowieso alles teurer.“

Es gibt nicht so viel Auswahl wie beim Kölner Großmarkt, aber der Ersatz hilft den Händlerinnen und Händlerin dennoch.
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Viele ehemalige Großmarkt-Händler haben sich dezentral neu aufgestellt. Einige betreiben eine Halle in Merkenich, andere sind unter dem Dach des Blumengroßmarkts in Riehl untergekommen. In Porz entstand Ende vergangenen Jahres das ABA-Frischezentrum, der Betrieb begann nahtlos nach der Schließung des Großmarkts.
Nevzat Taşkıran ist zweiter Vorsitzender der IG Kölner Großmarkt und maßgeblich an der Gründung des Frischezentrums beteiligt. „Ich wusste, dass die Schließung auf uns zukommen würde. Deswegen hat eine kleine Gruppe von uns bereits im März vergangenen Jahres begonnen, hier etwas aufzubauen.“ Über drei Millionen Euro hätten sie in die Innenausstattung der 9300 Quadratmeter großen Halle gesteckt, die mit ihren Hochregalen und engen Gängen eher wie ein Lager für Zementsäcke und Gipskartonplatten wirkt.
Doch stattdessen liegen dort Obst, Gemüse, Kartoffeln und Tiefkühlware bereit. „Es ist noch nicht alles fertig, aber die Fläche ist voll ausgelastet“, sagt Taşkıran. Die Firmen hätten sich entschlossen, zu bleiben. „Die Kunden freuen sich, weil es sauberer ist und sie zu 99 Prozent alles finden, was sie brauchen.“ Der Großteil der Kunden, der auch im alten Großmarkt kaufte, komme nun auch nach Gremberghoven – und sorgt dafür, dass die Wochenmärkte in der Region weiter frisch beliefert werden.

