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AusbaupläneMehrheit bewilligt Geld für Deponiestraße in Troisdorf

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Eine Mehrheit von CDU, FDP/UWG und AfD hat sich für den möglichen Ausbau der Deponiestraße durch den Spicher Wald ausgesprochen

Eine Mehrheit von CDU, FDP/UWG und AfD hat sich für den möglichen Ausbau der Deponiestraße durch den Spicher Wald ausgesprochen

Eine Verbindung vom Industriepark zum Spicher Mauspfad ist seit fast 20 Jahren immer wieder ein Thema in der Kommunalpolitik.

Wiedergänger, Untote, Zombies, Vampire: Sie alle eint, dass sie nur schwer totzukriegen sind. Dass das auch für städtische Planungsvorhaben gelten kann, zeigt das neue Aufleben der Idee, die Deponiestraße („Alter Mauspfad“) durch den Spicher Wald Lkw-tauglich auszubauen. Bislang dient sie schweren Lastwagen mit dem Ziel Sondermülldeponie, der Zugang ist beschränkt.

Mit den Stimmen der CDU, FDP/UWG und AfD wurde auf Antrag der Liberalen im Hauptausschuss Geld für eine Machbarkeitsstudie und erste Planungen bewilligt; der Gesamthaushalt steht am Dienstag, 5. Mai, zur Abstimmung im Stadtrat (18 Uhr, Stadthalle). Im Entwurf der Haushaltssatzung stehen nun 150.000 Euro für das Jahr 2027, im Jahr danach sind 400.000 Euro vorgesehen, 2029 und 2030 insgesamt drei Millionen Euro.

Seit fast 20 Jahren wird das Thema immer wieder einmal diskutiert und mit wechselnden Mehrheiten beschlossen oder verworfen. Befürworter sehen in einem derartigen Ausbau eine Chance, Spich vom Durchgangsverkehr schwerer Lastwagen zu befreien, die den Industriepark an der Mülheimer Straße und Gierlichstraße zum Ziel haben. Man werde es nicht allen recht machen können, sagte schon im Februar 2007 der damalige Bürgermeister Manfred Uedelhoven.

Troisdorfer Fraktionen änderten ihre Haltung teilweise mehrfach

Die SPD, 2007 noch wie die CDU Befürworter dieser Verbindung zum Mauspfad, lehnte das Vorhaben im Sommer 2009 ab. Ebenso wie die Vertreter von Bündnis 90/Die Grünen, die indes noch einmal eineinhalb Jahre später, angesichts der sich abzeichnenden Verbindung mit der CDU im Stadtrat, davon zeitweilig abrückten. Bis dann am Ende der  schwarz-grünen „Koalitionsverhandlungen“ doch ein Verzicht auf den Ausbau „sofort und dauerhaft“ besiegelt wurde.

„Eine halbwegs geniale Lösung“ hatte zuvor Leo Müller, damals UWG Regenbogen, den Straßenausbau genannt. Seine Fraktion – heute in Verbindung mit den Liberalen – machte dann auch den aktuellen Vorstoß. Und kann dieses Mal wohl darauf zählen, dass die CDU im Stadtrat zumindest die 150.000 Euro auch im Stadtrat unterstützt.

Bürgermeister Alexander Biber hatte zuletzt vor drei Jahren eine Anbindung des Industrieparks an den Mauspfad ins Gespräch gebracht. Denkbar, so damals der Verwaltungschef, sei eine Verlängerung der Gierlichstraße ebenso wie ein Anschluss am Grundstück eines Containerdienstes. „Wann kommt die Straße?“ werde er bei jedem Besuch von den Geschäftsführern gefragt, sagte Biber im März 2023.

Protest dagegen kommt heute wie damals aus den Reihen der Bürgerinitiative Naturfreunde Troisdorf. Unter dem Motto „Hände weg vom Spicher Wald“ hatte sich die Initiative damals formiert, die auch gegen die Sondermülldeponie zu Felde zog. Nicht zuletzt ihrem Widerstand ist es wohl zu verdanken, dass die Ausbaupläne für die Straße nie umgesetzt wurden.

Bürgerinitiative glaubt nicht an Entlastung für Spich

„Wenn wir es nicht im Kleinen schaffen, unseren Spicher Wald zu retten“, heißt es nun in einer Pressemitteilung der Bürgerinitiative, „wie soll das dann im Großen funktionieren?“ Es gehe um das Stadtklima, das Naherholungsgebiet und „die Lebensqualität unserer Kinder“. Die Hoffnung, dass nach einem Ausbau der Deponiestraße die Menschen an der Hauptstraße in Spich „ein ruhigeres Wohnzimmer“ hätten, trüge, erklärt Gerd Bücher für die Naturfreunde.

Eine einspurige Straße durch ein Waldstück.

Als Zufahrt zur Deponie ist die Straße nur einspurig, ein LKW-tauglicher Ausbau soll nun zumindest geprüft werden.

Denn auch nach einem Ausbau werde Verkehr durch Spich nach Troisdorf rollen, schließlich hätten nicht alle Verkehrsteilnehmer die Betriebe an der Gierlichstraße zum Ziel. Und unter Umständen ziehe der „neue Durchstich“ sogar neuen Verkehr an.

BUND Rhein-Sieg hält das Projekt für „nicht zulassungsfähig“

Noch deutlicher wird Achim Baumgartner, Sprecher des BUND Rhein-Sieg. „Nicht zulassungsfähig“ ist nach seiner Beurteilung ein Neubau der Deponiestraße. Der Spicher Wald sei als Teil der FFH-Schutzumgebung der Wahner Heide durch europäische Gesetzgebung geschützt, mit einem Straßenbau wären „erhebliche Beeinträchtigungen“ verbunden. Mit den FFH-Schutzzielen sei auch nicht vereinbar, so Baumgartner weiter, Verkehr auf den Mauspfad zu verlagern und dort das Verkehrsaufkommen zu steigern.

Schon jetzt sei die Kreisstraße „naturschutzfachlich ein Konflikt“; als Umgehungsstraße eigne sich der Mauspfad nicht. Umso weniger, so Baumgartner, als die Mülheimer Straße eine Bundesstraße mit Autobahnanschluss ist, der Mauspfad nur eine Kreisstraße. Baumgartners Fazit: Der Bau einer neuen Verbindungsstraße wäre „nicht umsetzbar, da national bedeutende, demokratisch und verbindlich festgelegte Naturschutzziele hier vorgehen."