Das Konzept des Erlebniszentrums habe nicht die „erwartete Tragfähigkeit“ entwickelt, heißt es aus dem Rathaus. Eine Satzung soll städtebauliche Ziele sichern.
Wirbel um SchließungStadt Troisdorf will sich Vorkaufsrecht für das „Happy Franky“ sichern

Das Gebäude mit der markanten Fassadengestaltung liegt am südlichen Ende der Kölner Straße und markiert das Tor zur Innenstadt.
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Über ein mögliches besonderes Vorkaufsrecht für das „Happy Franky“-Grundstück an der Kölner Straße in der Troisdorfer Innenstadt beraten die Mitglieder des Stadtrats in der nächsten Sitzung am 24. Februar. „Zur Sicherung einer geordneten städtebaulichen Entwicklung für das Grundstück“, so heißt es in der Vorlage zur Sitzung solle eine entsprechende Satzung beschlossen werden.
Mieter verließen im Sommer dieTroisdorfer Immobilie
Im Mai 2024 eröffnet, machte das Vorhaben zuletzt eher negative Schlagzeilen: Mieter wie Explorado oder Racing Car Benz kündigten im Sommer 2025 kurzfristig und erhoben schwere Vorwürfe gegen die Betreiber. Im laufenden Betrieb wurden an einem Dezemberabend im vergangenen Jahr die Gäste des Restaurants „Tuscolo“ aus dem Gebäude komplimentiert. Baulich blieben die Pläne bislang unvollendet. So wurde eine großzügig verglaste und begrünte Fassade zwar gezeigt, aber nicht verwirklicht.

Unterhaltung, Sport und Gastromonie sollte das Happy Franky unter einem Dach vereinen.
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Stimmt der Stadtrat für die Satzung, wäre es eine Art Vorratsbeschluss: Aktuell steht die 7521 Quadratmeter große Fläche in bester Innenstadtlage nicht zum Verkauf. Die Stadt will sich aber offenbar das Heft des Handelns nicht völlig aus der Hand nehmen lassen. Das dort als Kaufhaus errichtete ehemalige Forum sei „stadtbildprägend“ und gehöre zu einem ganzen System von großflächigen Handels- und Centerstandorte wie City Center, Galerie Wilhelm-Hamacher-Platz und Kaufland.
Im Troisdorfer Rathaus hoffte man auf Impulse für die Nachbarschaft
In der Vorlage der Verwaltung ist von erheblichem Investitionsstau die Rede, der vor der Eröffnung des Erlebniszentrums vor allem im Untergeschoss und den Obergeschossen geherrscht habe. Mit dem Happy Franky, das unter dem Dach der Großimmobilie Gastronomie, Unterhaltung und sportliche Betätigung vereinen sollte, verband man offenbar auch im Rathaus die Hoffnung auf positive Impulse für die Nachbarschaft.
Von „städtebaulicher Aufwertung, der Steigerung der Aufenthaltsqualität und der Belebung angrenzender Bereiche“ ist in der Vorlage zur Sitzung die Rede. Sollte doch das Projekt neue – jüngere – Zielgruppen ansprechen, in die Innenstadt ziehen und so auch den Einzelhandel beeflügeln. Mittlerweile habe sich aber „gezeigt, dass das Konzept nicht die erwartete Tragfähigkeit entfaltet“, stellt die Verwaltung fest. Die erhoffte Strahlkraft für die Nachbarschaft blieb aus.
Ein Engagement der Stadt hatte angesichts dieser Entwicklungen im Dezember die SPD-Fraktion im Troisdorfer Stadtrat gefordert. Eine Notwendigkeit, die offenbar auch im Rathaus gesehen wird: Parallel zur Entwicklung im Happy Franky seien im Umfeld „Trading-down-Tendenzen“ erkennbar. Man sehe die Gefahr. dass die Randlage der Innenstadt weiter geschwächt werde, vor allem bei einer „ungesteuerten Veräußerung“ der Immobilie.

Die große Rutsche von der 3. Etage ins Erdgeschoss - eine der Attraktionen am Eröffnungstag im Mai 2024.
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Mit einer Satzung im Rücken wäre die Stadt in der Lage, im Verkaufsfall selbst die Immobilie zu erwerben. Alternativ könnte sie über entsprechende Vereinbarungen mit Käufern erreichen, dass die städtebaulichen Ziele beachtet werden: Im Einzelhandelskonzept von 2020, noch vor dem Umbau des ehemaligen Forums zum Happy Franky aufgestellt, sind für die oberen Etagen vorrangig Nutzungen wie Büros, Dienstleistungen, öffentliche oder soziale Einrichtungen zu prüfen.
Masterplan für Troisdorf sieht das Forum als „Schlüsselimmobilie“
Der „Masterplan Innenstadt“ von 2023 nennt das Forum als Schlüsselimmobilie; demnach könnte der Standort dazu beitragen, die Innenstadt auch unabhängig vom klassischen Einzelhandel zu profilieren. Ziel des Plans ist es, die mittlere und untere Kölner Straße auf „Ziel- und Erlebniseinkäufe“ auszurichten, für die Familienversorgung und Freizeitangebote junger Erwachsener zu entwickeln. Leerstände, die oberen Etagen und Nebenlagen könnten durch innenstädtisches Wohnen, Weiterbildungs- und Sportangebote, Nachbarschaftstreffpunkte und Beratungsstellen ergänzt werden.
„Grundsätzlich vorstellbar" ist für die Verantwortlichen im Rathaus auch eine Wohnnutzung vor dem Hintergrund des auch in der größten Stadt des Rhein-Sieg-Kreises angespannten Wohnungsmarkts. Insbesondere könnte man das Wohnen in den oberen Etagen der Immobilien per Planungsrecht möglich machen. Auch der aktuell gültige Bebauungsplan aus dem Jahr 1982 müsste dafür angepasst werden.

