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Neuer ZahlenGewalt gegen Lehrkräfte in NRW ist erneut gestiegen

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Eine Lehrerin schreibt im Mathematikunterricht einer achten Klasse an eine Schultafel. Gewalt gegen Lehrkräfte ist in Deutschland ein wachsendes Problem.

Eine Lehrerin schreibt im Mathematikunterricht einer achten Klasse an eine Schultafel. 

Immer mehr Lehrerinnen und Lehrer in Nordrhein-Westfalen werden Opfer von Beleidigungen, Drohungen und körperlichen Angriffen. Neue Zahlen zeigen einen deutlichen Anstieg der Fälle.

Lehrkräfte in NRW werden immer häufiger Zielscheibe für Gewalttaten. Die Zahl der Delikte ist laut Daten des Landeskriminalamtes, die dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ vorliegen, um knapp ein Prozent auf 845 Fälle (Vorjahr: 837) gestiegen. Im Vergleich zum Vor-Corona-Jahr 2019 ist die Zahl der Delikte sogar um 308 Fälle oder 57 Prozent gestiegen. Gezählt wurden unter anderem 121 Fälle von Gewaltkriminalität (2024: 111) und 261 Taten von  vorsätzlicher einfacher Körperverletzung (258).

Auch bundesweit nimmt die Gewalt gegen Lehrerinnen und Lehrer zu. Wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf Anfrage der Grünen im Bundestag hervorgeht, gab es 2024 insgesamt 1283 Fälle vorsätzlicher  einfacher Körperverletzung und 557 Gewaltdelikte. 2023 lagen die Werte bei 996 und 477 Fällen. Im Vergleich zu 2015 bedeutet das eine Zunahme um 101 beziehungsweise 79 Prozent. Die Zahlen zu 2025 liegen noch nicht vor.

Anstieg um 57 Prozent seit 2019

Die Ergebnisse decken sich mit denen einer Umfrage, die das Institut Forsa für den Verband Bildung und Erziehung (VBE) Anfang 2025 veröffentlichte. Demnach berichteten 73 Prozent der Schulleitungen in NRW, dass es in den vergangenen fünf Jahren zu Fällen kam, in denen Lehrkräfte direkt beschimpft, bedroht, beleidigt, gemobbt oder belästigt wurden. 43 Prozent der Schulen in NRW meldeten körperliche Angriffe. Aus Sicht von 66 Prozent der in NRW befragten Schulleitungen hat die Gewalt an ihrer Schule in den letzten fünf Jahren „eher zugenommen“. Die Umfrage zeigt, dass körperliche Gewalt meist von Schülerinnen und Schülern ausgeht (97 Prozent). Für Entsetzen sorgte eine Tat im September 2025: Ein Schüler stach an einem Essener Berufskolleg eine Lehrerin nieder und verletzte sie schwer. Psychische Gewalt und Cybermobbing würden hingegen häufig auch von Eltern verübt.

Jede Tat ist eine zu viel. Gewalt an Schulen ist ein komplexes Thema, das einfache Lösungen ausschließt
Anne Deimel, Landesvorsitzende des Verband Bildung und Erziehung NRW

„Jede Tat ist eine zu viel“, sagt Anne Deimel, Landesvorsitzende des VBE NRW. „Gewalt an Schulen ist ein komplexes Thema, das einfache Lösungen ausschließt. Kommt es zu Gewalt, darf es hierfür keine Toleranz geben, egal durch wen die Gewalt ausgeübt wird.“ Deimel fordert unter anderem eine ausreichende Personalausstattung, kleinere Lerngruppen und die Möglichkeit, mit den Schülerinnen und Schülern bei Bedarf individuelle Förderprogramme durchzuführen.

Wir müssen in allen Bereichen der Gesellschaft entschieden gegen Gewalt vorgehen
NRW-Schulministerin Dorothee Feller (CDU)

„Wir müssen in allen Bereichen der Gesellschaft entschieden gegen Gewalt vorgehen“, sagt NRW-Schulministerin Dorothee Feller (CDU). Das Schulministerium stehe im engen Austausch mit Experten, um die Ursachen von Gewalt zu analysieren und daraus Maßnahmen abzuleiten. Schulen würden bereits jetzt mit Leitfäden, Beratungen, Fortbildungen und Präventionsangeboten unterstützt. Zudem habe das Land ein Gesetz auf den Weg gebracht, um den Schulen noch mehr Rückhalt zu geben. Neu sei etwa, dass Schulleitungen Schüler im Notfall für bis zu vier Wochen vom Unterricht ausschließen können. Erfolgreich sei auch das Anti-Gewalt-Projekt „Miteinander, stark, sicher“, mit dem die Polizei mehr Präsenz auf Schulhöfen zeigt. Zwei Kölner Schulen nehmen an dem Pilotprojekt teil.