Trotz Feuerpause meldet Kiew neue Angriffe aus Russland. Die Kämpfe gehen laut Militär unverändert weiter.
1800 AngriffeSelenskyj wirft Putin Bruch der Waffenruhe vor – und kündigt Reaktion an

Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, wirft Russland vor, die Waffenruhe zu ignorieren (Archivbild)
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Kurz nach Beginn einer von der Ukraine ausgerufenen Waffenruhe sind die Kämpfe offenbar unvermindert weitergegangen. Die Regierung in Kiew beschuldigt Moskau, die Feuerpause gebrochen zu haben – und kündigt eine Reaktion an.
Nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj feuerte die russische Armee in der Nacht zum Mittwoch mehr als 100 Drohnen sowie mehrere Raketen auf Ziele in der Ukraine. Insgesamt seien bereits über 1800 Verstöße gegen die Waffenruhe registriert worden. Selenskyj sprach von einer „offensichtlichen Missachtung“ des Waffenstillstands.
Russland will Waffenruhe während der Militärparade
In der südlichen Region Saporischschja wurde nach offiziellen Angaben eine Industrieanlage getroffen. Mindestens ein Mensch kam dabei ums Leben. Militärvertreter berichten zudem, dass die Intensität der Gefechte an der Front unverändert hoch sei. Ukrainische Einheiten hätten entsprechend reagiert.
Die ukrainische Führung hatte die Feuerpause um Mitternacht einseitig ausgerufen und Russland aufgefordert, sich anzuschließen. Moskau reagierte darauf jedoch nicht. Stattdessen plant Russland nach eigenen Angaben eine Waffenruhe erst rund um den 9. Mai, dem Gedenktag an den Sieg über Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg.
Außenminister: kein echtes Interesse an Frieden
Scharfe Kritik kommt auch vom ukrainischen Außenminister Andrij Sybiha. Er warf Russland auf X vor, kein echtes Interesse an Frieden zu haben. Präsident Wladimir Putin gehe es vielmehr um Militärparaden als um Menschenleben.
Russland wiederum meldete eigene Abwehrerfolge und erklärte, in der Nacht mehrere Dutzend ukrainische Drohnen abgeschossen zu haben. Details dazu, ob diese Angriffe vor oder nach Beginn der ukrainischen Feuerpause stattfanden, blieben zunächst unklar. (sbo/afp/dpa)
