Die Ergebnisse der Konkurrenz am Wochenende haben die Lage für den 1. FC Köln nach dem 0:2 in Augsburg weiter dramatisiert.
1. FC Köln nach dem 24. SpieltagLeise Anflüge von Panik


FC-Trainer Lukas Kwasniok hat sich zuletzt verheddert und ist in eine tiefe Ergebniskrise gerutscht.
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Im vergangenen Sommer brauchte der 1. FC Köln einen neuen Trainer, wieder einmal unter besonderen Umständen. Die Mannschaft hatte unter großen Verwerfungen den Aufstieg geschafft, ohne dabei Euphorie zu entwickeln. Dennoch waren die Hoffnungen groß. Ohne Stars im Kader musste jedoch einer her, der die Aufmerksamkeit auf sich lenken und notfalls Euphorie im Alleingang inszenieren würde.
Insofern war Lukas Kwasniok die ideale Wahl, zumal er genug Fleiß, Energie und offenbar auch Fußballverstand aufbrachte, um mit seiner Mannschaft einen herausragenden Start hinzulegen. Im Herbst war die Kölner Welt in bester Ordnung. Einstelliger Tabellenplatz, ein jugendlicher Held Said El Mala und ein Trainer, der Spaß hatte.
Doch zwischen Mitte Oktober und Mitte Januar gewann der FC nur noch ein Pflichtspiel. Die Hochleistungsprofis der ersten Saisonphase verloren ihren Schwung, eine rätselhafte Verletzungsmisere verschärfte den Druck, ständig umzustellen. Das alles traf auf einen Coach, der ohnehin schon zur Abteilung derer gehört, die ihren Alltag lieber dynamisch gestalten.
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Kwasniok hatte den Aufbruch gestaltet und einen ersten Zyklus erfolgreich abgeschlossen. Als aber die Phase der Stabilisierung folgen sollte, fehlte ihm das Talent zu Geduld und Nichtstun. Er setzte auf Eskalation, zeigte Mut zu harten Personalentscheidungen – und bekam die Quittung, als im Trainingslager in Spanien die Stimmung kippte und beim Jahresauftakt in Heidenheim ein Transparent am Kölner Fanblock prangte, das dem Trainer mindestens signalisierte, dass er so nicht weitermachen solle.
Kwasniok hatte den 1. FC Köln aktiviert, damit aber auch eine Maschine in Gang gesetzt, die schwierig zu steuern ist. Die kurzfristigen Muster, nach denen der Trainer zu funktionieren begonnen hatte, erschienen plötzlich als Nachteil. Er schien in eine Schleife aus immer neuen Personalrochaden geraten zu sein, aus der sich kein Lernprozess ergab – nur stete Wiederholung. Dass er zu Beginn beider Serien stark startete und anschließend jeweils abstürzte, ist ein Muster, das sich verfestigen könnte.

Lukas Kwasniok hat kein Problem mit dem Rampenlicht, wenngleich der Druck in Köln besonders hoch scheint.
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Eine Serie – egal ob aus Siegen oder Niederlagen – würde dem 1. FC Köln in diesen Tagen der Ungewissheit helfen, denn Klärungsmomente sind der Weg zu stabilen Verhältnissen. Doch während die Erinnerung an die Siege über Mainz und Wolfsburg noch präsent ist und die Auftritte gegen Leipzig, Stuttgart oder Hoffenheim scheinbar den Beweis lieferten, alles sei in Ordnung, sorgt die Tabelle für Panik.
Ob aus Kesslers Kurzfristplan etwas Langfristiges werden könnte, wirkt akut weniger dringlich als die Frage, ob der Verein überhaupt davon ausgeht, es mit Kwasniok ins Ziel der aktuellen Saison zu schaffen. Vorerst sieht man keinen Handlungsbedarf. Doch die Stimmung ist längst im Grenzbereich. Kwasniok ist enorm von Ergebnissen abhängig, auch weil sein Beziehungsmanagement in Klub und Mannschaft nicht sein stärkstes Register ist. Drei Partien bleiben bis zur Länderspielpause. Anschließend muss Thomas Kessler entscheiden, ob er dem Trainer zutraut, es ins Ziel zu schaffen.

