Wieder sieht der FC gegen eine Spitzenmannschaft gut aus, wieder können die Kölner einen Ausgleich nicht über die Zeit bringen.
Analyse des 1:3 in StuttgartGuter Eindruck, aber wieder keine Punkte

FC-Kapitän Marvin Schwäbe nach der Niederlage in Stuttgart
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Das Wichtigste zuerst
Der 1. FC Köln hat das Karnevalsspiel dieser Session verloren. In Stuttgart unterlag der Aufsteiger am Samstagabend 1:3; es war die sechste Kölner Niederlage im sechsten Bundesliga-Topspiel dieser Saison. In diesem Jahrtausend hat der FC damit nach wie vor nur drei Siege im Karneval erzielt, außerdem ließen die Kölner eine weitere Gelegenheit aus, angesichts der Ergebnisse der Konkurrenz Punkte gutzumachen.
Ermedin Demirovic brachte die Gastgeber vor 60.000 Zuschauern in der ersten Halbzeit in Führung. Nach einer Steigerung im zweiten Durchgang gelang Ragnar Ache mit einem traumhaft erzielten Treffer der Ausgleich zum 1:1, elf Minuten waren da noch zu spielen.
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Doch wie vor einer Woche im Heimspiel gegen Leipzig kassierten die Kölner zu schnell das nächste Tor: Fünf Minuten nach dem 1:1 traf erneut Demirovic zur Stuttgarter Führung. Köln warf in den Schlussminuten noch einmal alles nach vorn, und nach der Leistung vor allem in der zweiten Hälfte wäre ein Punktgewinn beim Tabellen-Vierten wohl verdient gewesen. Doch entblößten die Kölner ihre Abwehr zu sehr und kassierten in der Nachspielzeit noch das 1:3 durch Nationalspieler Deniz Undav.
Die Tore
Eine Viertelstunde war gespielt, als Führich eine Flanke ins Zentrum schlug. Der Ball wurde länger und länger, Lund stand falsch gegen Leweling, der per Kopf ins Zentrum ablegte. Dort war Demirovic durchgelaufen und versenkte so sicher wie ungestört zur Stuttgarter Führung, Eric Martel war dem Mittelstürmer nicht gefolgt.
Tief in der zweiten Halbzeit dann der Höhepunkt des Spiels: Jeff Chabot, der eine insgesamt herausragende Leistung zeigte, leistete sich einen schweren Abspielfehler. Luca Waldschmidt kam an den Ball und passte sofort auf Ache in die Spitze. Der Kölner Mittelstürmer ging an Jeltsch vorbei, legte sich den Ball auf den linken Fuß und traf per Heber zum Ausgleich, ein fantastischer Treffer.
Wie eine Woche zuvor im Heimspiel gegen Leipzig kassierte der FC bereits fünf Minuten nach dem Ausgleich den erneuten Rückstand. Der eingewechselte El Khannouss legte an der Seitenlinie per Hacke auf Hendriks, der eine herausragende Flanke mit viel Zug vor Schwäbes Tor schlug. Erneut hatte sich Demirovic von Martel gelöst und traf sauber zum 2:1. „Da kann man lange suchen und nichts finden, was wir falsch gemacht haben“, kommentierte FC-Trainer Lukas Kwasniok den schön herausgespielten Stuttgarter Treffer.

Ache wird von Mittelstädt klar geschubst, doch erneut gab es keinen Elfmeter für Köln.
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Als die Kölner anschließend alles nach vorn warfen, um noch die letzte Chance auf ein wohl verdientes 2:2 zu suchen, verlor Florian Kainz auf der linken Außenbahn den Ball etwas kläglich an den starken VfB-Kapitän Atakan Karazor. Sebulonsen konnte nicht klären, der Ball kam zu Undav, der flach gegen Schwäbes Laufrichtung einschob.
Das war gut
Erneut die kämpferische Leistung und die Entwicklung der Kölner im Spiel gegen eine Spitzenmannschaft. Im ersten Durchgang sah der FC zeitweise aus, als könnte es angesichts der fußballerischen Überlegenheit der Stuttgarter zu einem Karnevalsdebakel kommen. Doch weil sie nicht aufsteckten, fanden die Kölner einen Weg zurück in die Partie und schienen erneut einem Punktgewinn ganz nah. Ragnar Aches Traumtor zum 1:1 bedeutete einen verdienten Zwischenstand nach 79 Minuten.
Das war schlecht
Definitiv schade war, dass die bunteste Kurve der Bundesliga am Karnevalssamstag deutlich weniger bunt war als erwartet. Zwölf Busse mit FC-Fans waren am Rasthof Siegburg nach einem Polizeieinsatz umgekehrt und hatten den Samstag in Köln statt in Stuttgart verbracht. Rund 700 Fans fehlten daher im Kölner Block und verpassten das Karnevalsspiel 2026.
Schade war auch, dass die Kölner einmal mehr nur aussahen, als könnten sie gegen eine Spitzenmannschaft einen Erfolg landen. Dass sie erneut fünf Minuten nach einem Ausgleich erneut in Rückstand gerieten, ist kein reines Pech, sondern auch eine Qualitätsfrage. Beim Blick auf den Stuttgarter Kader kann allerdings auch das nicht verwundern.
Es ist kein Muss-Elfmeter, dafür aber ein Kann-Elfmeter. Aber wir kriegen keine Kann-Elfmeter, selbst wenn ich finde, dass der VAR da nicht eingreifen muss. Aber es war ein klares Stoßen, und ich werde jetzt so viel davon erzählen, bis wir irgendwann einen bekommen
Spieler des Spiels
Das Duo des Abends bildeten Jeff Chabot und Ragnar Ache. Der Kölner Stürmer und der Stuttgarter Innenverteidiger mit FC-Vergangenheit lieferten sich eine 90 Minuten lange Schlacht. Chabot gelang beinahe alles – abgesehen von einem üblen Fehlpass vor Aches Tor zum 1:1.
Ache dagegen gelang fast nichts gegen Chabot und dessen Stuttgarter – abgesehen von seinem traumhaft erzielten Tor zum 1:1. Eine Art Unentschieden also im persönlichen Duell der beiden, mit dem insgesamt besseren Ausgang jedoch für Chabot.
Moment des Spiels
Es war ein Abend der parallelen Ereignisse: Schon vor einer Woche gegen Leipzig hatte Köln einen Ausgleich nur fünf Minuten verteidigen können. Und auch gegen Leipzig hatte Ragnar Ache eine elfmeterreife Situation nicht gepfiffen bekommen. In Stuttgart war es ein Schubser von Mittelstädt in der ersten Halbzeit, der einen Strafstoß hätte bringen können. Mit einer Führung wären die Kölner in Stuttgart wohl bereits früher so gut ins Spiel gekommen wie über weite Strecken der zweiten Halbzeit.
So hatte die Kölner Niederlage wieder leicht tragische Züge – sie bleiben weiter bei bislang nur einem Elfmeter in dieser Saison. „Es ist kein Muss-Elfmeter, dafür aber ein Kann-Elfmeter. Aber wir kriegen keine Kann-Elfmeter, selbst wenn ich finde, dass der VAR da nicht eingreifen muss. Aber es war ein klares Stoßen, und ich werde jetzt so viel davon erzählen, bis wir irgendwann einen bekommen“, kommentierte Lukas Kwasniok.
Das sagen die Trainer
Lukas Kwasniok (1. FC Köln): Täglich grüßt das Samstagabend-Murmeltier: Die Jungs opfern sich auf, sind nah dran – und am Ende ziehen wir den Kürzeren. Es fehlt uns etwas, um gegen die Besten nicht nur gut auszusehen, sondern auch etwas mitzunehmen. Ich habe meinen Spielern gesagt, sie sollten wie lästige Fliegen sein, auch wenn sie fußballerisch unterlegen sind. Und sie haben sich auch heute wieder nach Rückschlägen berappelt.
Sebastian Hoeneß (VfB Stuttgart): Wir müssen gerade ein der zweiten Halbzeit besser spielen. Da hat mir die Aktivität gefehlt. Wir haben nicht zu viel zugelassen, hätten es aber klarer spielen müssen. Wir haben es zu kompliziert gemacht und sind durch die Ballverluste aus dem Rhythmus geraten. Dennoch möchte ich meiner Mannschaft gratulieren. Wir haben das Spiel gewonnen, hätten es uns aber leichter machen können.
Das sagen wir
Die Kölner Bilanz im Duell mit Spitzenmannschaften bleibt in dieser Saison mies. Anders als die Konkurrenz im Kampf um den Klassenerhalt ist der Aufsteiger bislang zwar noch nicht abgeschossen worden. Andererseits ist dem FC bislang trotz zahlreicher Auftritte auf Augenhöhe noch kein Bonus-Sieg über ein Team aus der oberen Tabellenregion gelungen. Solange der FC gegen die Mannschaften auf Augenhöhe weiter zuverlässig punktet, sind die Saisonziele damit nicht akut gefährdet.
Um sich allerdings in sichere Tabellenregionen zu begeben, braucht Köln auch unerwartete Punkte – die zählen mehr als der gute Eindruck, den der Aufsteiger auch in Stuttgart hinterließ.

