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Analyse zum 2:2 gegen HoffenheimDer 1. FC Köln erlebt einen Nachmittag, so spektakulär wie gespenstisch

6 min
Die Bank jubelt über das Tor von Ragnar Ache 1. FC Koeln, 9 zum 1-0. Ganz rechts: Lukas Kwasnoik 1.FC Koeln, Headcoach, Coach, Trainer The bench cheers over the goal of Ragnar Ache 1. FC Koeln, 9 to 1-0. On the far right: Lukas Kwasnoik 1. FC Koeln, Headcoach, Coach, Coach 1. FC Köln - TSG 1899 Hoffenheim, Fussball, 1. Bundesliga, RheinEnergieStadion Köln, 21.02.2026 DFL regulations prohibit any use of photographs as image sequences and/or quasi-video. *** The bench cheers over the goal of Ragnar Ache 1 FC Koeln, 9 to 1 0 Far right Lukas Kwasnoik 1 FC Koeln, Headcoach, Coach, Trainer The bench cheers over the goal of Ragnar Ache 1 FC Koeln, 9 to 1 0 On the far right Lukas Kwasnoik 1 FC Koeln, Headcoach, Coach, Coach 1 FC Köln TSG 1899 Hoffenheim, Fußball, 1 Bundesliga, RheinEnergieStadion Köln, 21 02 2026 DFL regulations prohibit any use of photographs as image sequences and or quasi video Copyright: HMBxMedia/xMarcoxBader

Kaum zu glauben: Auch auf der Kölner Bank herrscht nach Ragnar Aches Kunstschuss blankes Entsetzen – vor Freude.

Ein tragischer Zwischenfall überschattet das eigentlich kurzweilige 2:2 des FC gegen Hoffenheim. Die Kölner spielen nicht wie ein Absteiger. Aber die Situation bleibt gefährlich.

Das Wichtigste zuerst

Wenn einem Spieler ein sagenhafter Treffer der „Kategorie Tor des Jahres“ gelingt – und der Fußball an diesem Tag doch nur eine Nebenrolle spielt. Das unterhaltsame Bundesligaspiel des 1. FC Köln gegen die TSG Hoffenheim (2:2) wurde von einem tragischen Zwischenfall überschattet. Die Stimmung unter den 49.600 Zuschauern war gespenstisch – nach einem dramatischen Einsatz auf der Osttribüne (Sanitäter mussten einen Fan reanimieren) stellten die aktiven Fanszenen beider Vereine kurz nach dem Anpfiff den Support ein. Gruselig ruhig war es deshalb fast während des gesamten Spiels.

Die Partie selbst hatte dazu keinen Anlass gegeben, sie war kurzweilig, sicher auch nicht fehlerfrei und hatte mit dem Fallrückzieher-Treffer von FC-Stürmer Ragnar Ache einen sagenhaften Höhepunkt. Nach dem Remis gegen den formstarken Tabellendritten aus dem Kraichgau bleibt die Mannschaft von Trainer Lukas Kwasniok, die leidenschaftlich kämpfte, aber auch defensiv einige Male patzte, auf Platz zwölf. Es war ein Nachmittag in Müngersdorf, so spektakulär wie gespenstisch. 

Die Tore

Der FC ging in der 15. Minute in Führung. Aber nicht einfach so, sondern sensationell. Nach einer perfekten Flanke von Said El Mala schraubte sich Ragnar Ache mit dem Rücken zum Tor hoch. „Er wird doch nicht etwa …“, dürfte mancher FC-Fan gedacht haben. Doch, Ache traute sich das zu – bei einer Aktion, bei der sich so mancher Laiensportler wohl mindestens ein Bein gebrochen hätte. Ache setzte in der Luft zum Fallrückzieher an und nagelte die Kugel mit dem rechten Fuß aus rund zehn Metern ins linke Toreck. Selbst sein Mitspieler Cenk Özkacar war fassungslos. Gut, dass Ache in der Luft eine Wucht ist, das war bekannt. Aber eher mit dem Kopf als mit dem Fuß. Doch Ache mutierte an diesem Samstagnachmittag zum Fußball-Artisten, zum „König der Lüfte“.

Hoffenheim glich kurz vor der Pause zum 1:1 aus (45.). Vergleichsweise schnöde. Und der FC half dabei mit. Nach einer Flanke von Coufal verschätzte sich Sebastian Sebulonsen kolossal. Hajdari nutzte das aus und legte den Ball scharf nach innen. Der in den Strafraum aufgerückte Ozan Kabak traf mit rechts aus rund acht Metern zum Ausgleich.

Der Gast, der anfangs noch Probleme mit den schnörkellosen, schnellen und aggressiven Kölnern hatte, zog das Spiel immer mehr an sich und drehte es. Nach einem Hackentrick von Asllani sah Kölns Rav van den Berg nur die Hacken von Touré. Dessen Abschluss knallte von der Unterkante der Latte zurück. Andrej Kramaric setzte sich gegen den zu passiven Kristoffer Lund durch und köpfte aus kurzer Distanz zur Führung ein (60.). FC-Keeper Marvin Schwäbe probierte zwar noch einmal alles, machte sich ganz lang, kam auch noch an den Ball – allerdings hatte dieser um wenige Zentimeter vollständig die Torlinie überschritten.

Doch die Hausherren ließen sich nicht entmutigen und glichen nur vier Minuten später wieder aus. Und zwar nach einem Konter aus der eigenen Abwehr über Jakub Kaminski. Der Pole bediente Said El Mala. Das FC-Ausnahmetalent enteilte gleich zwei Hoffenheimern und traf freistehend vor Nationaltorwart Oliver Baumann mit etwas Glück zum 2:2.

Das war gut

Das Traumtor von Ragnar Ache war einfach nicht zu toppen. Doch die Leistung von Eric Martel an diesem Nachmittag gilt es ebenfalls lobend zu erwähnen. Der 23-Jährige war in den letzten Wochen erstmals in seiner Zeit beim FC nicht mehr unantastbar, nicht mehr unumstritten und nicht immer gesetzt. Am Samstag sollte er zunächst auf der Bank Platz nehmen. Doch da Jan Thielmann signalisierte, dass er wegen muskulärer Probleme doch nicht spielen konnte, rutschte Martel noch in die Startelf. Zusammen mit Tom Krauß bildete er vor der Abwehr ein starkes Abräumer-Duo. Gemeinsam entnervten sie die spielstarken Hoffenheimer mehrfach.

Das war schlecht

Nach starkem Beginn und der Führung gab der FC das Heft des Handelns aus der Hand. Das ließ sich gegen spielerisch starke Gäste aber wohl auch nicht ganz verhindern. Die Kölner versäumten es zudem, ein durchaus mögliches 2:0 nachzulegen.

Moment des Spiels

Da konnte es nur einen geben: der Fallrückzieher von Ragnar Ache. Das Foto vom Tor sollte er sich einrahmen lassen.

Spieler des Spiels

Ragnar Ache. „Wenn jemand so ein Tor macht wie Ragnar Ache, dann würde ich gerne überall die Headline lesen: ,Ragnar Ache, der König der Lüfte.‘ Es geht heute um den Punkt und um Ragnar Ache. Ragnar, all credits to you“, sagte Kwasniok.

Das sagen die Trainer/Spieler

Lukas Kwasniok (1. FC Köln): „Über 90 Minuten ist es das gerechte Ergebnis. In unserer besten Phase, das waren die ersten 40 Minuten, müssen wir das 2:0 machen. Das haben wir leider nicht geschafft. Es war bitter und ärgerlich, dass wir das 1:1 noch vor der Pause kassiert haben. Da haben wir uns zu weit zurückgezogen. Wir hatten Glück, nicht noch mit einem Rückstand in die Pause gehen zu müssen. Wir hatten dann Probleme mit der Anpassung des Gegners. Wir hatten Glück, dass der Gegner uns am Leben gelassen hat und wir das 2:2 gemacht haben. Die Bundesliga ist kein Wunschkonzert und wir müssen um jeden Punkt fighten.“

Christian Ilzer (TSG Hoffenheim): „Es war am Ende ein gerechtes Ergebnis. Köln hatte den besseren Start und wir haben uns lange schwergetan. In der Pause haben wir ein paar Kleinigkeiten angepasst, das hat gut funktioniert. Das Ärgerliche für mich ist, dass wir in unserer Phase das 2:2 zulassen. Wir hätten das Tor – wie auch das Traumtor von Ragnar Ache – besser verteidigen müssen. Das Spiel zu drehen hat mir gefallen, es wieder herzugeben, nicht. Unser Gegner hat eine sehr gute Leistung gebracht.“

FC-Stürmer Ragnar Ache: „Ich habe nicht viel nachgedacht, mein Körper hat sich von selber bewegt. Geht der Ball einen Meter daneben, lacht das ganze Stadion. Es ist immer ein 50:50-Ding. Entweder hat man so einen Tag oder man hat ihn nicht. Ich kann es selber noch nicht richtig glauben, es ging alles so schnell. Ich habe nach hinten geguckt und gedacht: ‚Wow, der fliegt ganz gut.‘ Dann bin ich aufgekommen und habe das Stadion gehört, habe noch mal nach hinten geguckt und er war tatsächlich im Tor.“

Das sagen wir

Der FC verdiente sich das Unentschieden gegen ein aktuelles Top-Team aufgrund eines leidenschaftlichen Auftritts. Erneut präsentierten sich die Kölner nicht wie ein Abstiegskandidat. Das Kwasniok-Team spielt weiterhin eigentlich nie richtig schlecht, die Basics stimmen immer. Der Kader hat im Vergleich zur Konkurrenz im Tabellenkeller genügend Potenzial, den Klassenerhalt recht sicher zu schaffen. Doch das ist vielleicht auch ein kleines Problem: Was ist, wenn der FC mal schlecht spielt oder in eine echte Formkrise gerät? Denn Aufwand und Ertrag stimmen derzeit nicht wirklich. Lediglich zwei Siege holte der FC aus den letzten 14 Spielen. Das Tableau im Keller rückt immer enger zusammen, die Konkurrenten punkten plötzlich. Sollte Bremen am Sonntag bei St. Pauli gewinnen, hat der FC nur noch zwei Zähler Vorsprung auf Relegationsplatz 16. Was daraus folgt: Die Kölner sollten sich nicht zu sicher fühlen. Werden sie wohl auch nicht. Die gefährliche Situation sollte die Sinne aller Beteiligten geschärft haben. Hoffentlich.