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Das 1:2 gegen den BVB in der AnalyseWieder kein Ertrag, dafür viel Wut – die Lage für den FC spitzt sich zu

7 min
1. FC Köln vs. Borussia Dortmund, 25. Spieltag, 07.03.2026, 18.30 Uhr, die Mannschaft nach dem Spiel vor der Südkurve (1. FC Köln), Bild: Herbert Bucco

Niedergeschlagene Kölner Spieler nach dem Abpfiff vor der Südkurve. Der FC verlor mit 1:2 gegen Dortmund.

Der 1. FC Köln spielt eine Halbzeit lang in Unterzahl, verliert mit 1:2 gegen Dortmund und tobt über den VAR. Für den Aufsteiger war deutlich mehr drin.

Das Wichtigste zuerst

Es lief die vierte Minute der Nachspielzeit im Bundesligaspiel zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Dortmund, und es folgte eine Szene, nach der die Kölner Volksseele kochte. Nach einer Flanke sprang Dortmunds Yan Couto im Strafraum der Ball an den Arm. Die Kölner forderten vehement Handelfmeter, FC-Trainer Lukas Kwasniok ging wie ein HB-Männchen in die Luft, als dem Aufsteiger der Strafstoß verweigert wurde. Denn der Videoschiedsrichter Benjamin Cortus griff zum Entsetzen der Kölner nicht ein. „Wahnsinn“, tobte nach dem Abpfiff FC-Profi Tom Krauß. „Ein klarer Elfmeter“, sagte Kölns Sport-Geschäftsführer Thomas Kessler und berichtete, dass er nach Rücksprache mit den Unparteiischen zu hören bekam, dass die Szene zwar gescheckt worden war, aber dennoch nicht geahndet wurde. Ein Kölner „Kellerteralschaden“.

Kurz danach drohte die Situation fast zu eskalieren, als der eingewechselte Kölner Cenk Özkacar auch noch im Strafraum von Marcel Sabitzer getroffen wurde, aber erneut der Pfiff – diesmal wohl zu Recht – ausblieb. Danach war Schluss. Und der wackere, eine Halbzeit lang in Unterzahl nach einer Roten Karte gegen Jahmai Simpson-Pusey spielende FC mal wieder geschlagen war. Die Mannschaft von Trainer Lukas Kwasniok verlor mit 1:2 gegen ein schwaches Borussia Dortmund. Und die Lage im Abstiegskampf spitzt sich weiter zu. Sollte am Sonntag Werder Bremen bei Union Berlin gewinnen, dann hätte der FC nur noch einen Punkt Vorsprung auf den Relegationsrang. Auch St. Pauli könnte mit einem Heimsieg gegen Frankfurt die Kölner noch überholen. Weder das eine noch das andere muss erfolgen, dennoch ist die Situation für den FC brandgefährlich. 

Die Tore

In der 16. Minute ging der BVB, der bis dato kein Zugang zum Spiel hatte, aus dem Nichts mit 1:0 in Führung – und der bis dahin tonangebende FC half dabei kräftig mit. Nach einem schlimmen Fehlpass von Isak Johanesson kamen die Gäste zu einer Ecke. Ragnar Ache köpfte die Hereingabe zwar weg, doch aus dem Rückraum brachte Maximilian Beier den Ball in hohem Bogen wieder zentral vor das Tor. FC-Verteidiger Rav van den Berg war gedanklich nicht auf der Höhe, BVB-Torjäger Serhou Guirassy lauerte auf die Chance, die er dann auch bekam. Der Angreifer machte ein langes Bein und lenkte den Ball an Kölns Torhüter Marvin Schwäbe vorbei über die Torlinie.

In der 60. Minute erhöhte Dortmund auf 2:0. Und das erste Mal gelang dem BVB eine Kombination. Beier profitierte davon, dass Kölns Tom Krauß weggerutscht war. Der Stürmer spielte einen feinen Doppelpass mit Julian Brandt. Der Ball landete im Rücken von Eric Martel, der gegen Beier nicht mehr eingreifen konnte. Mit einem überlegten Rechtsschuss ins lange Eck traf der Angreifer zum 2:0.

In der 88. Minute konnten die Kölner auf 1:2 verkürzen und nutzten die Dortmunder Schläfrigkeit mal aus. Zuvor hatte FC-Trainer Lukas Kwasniok einen Dreifach-Wechsel vorgenommen. Und ein Joker, Debütant Cenny Neumann spielte gleich eine Rolle. Der 19-Jährige durfte sich gleich einen Assist gutschreiben, denn Neumann bediente per Kopf Jakub Kaminski. Der wurde von mehreren Borussen nicht angegriffen. Sein Schuss am Strafraum fälschte Waldemar Anton noch ab – der Ball landete links im Tor.

Das war gut

14 Torschüsse, neun Ecken, 55 Prozent gewonnene Zweikämpfe gegen eine vermeintliche Spitzenmannschaft: Der FC investierte mal wieder viel. Klar, nach dem 2:0 von Dortmund war dem Kölner Spiel mal kurz der Stecker gezogen worden, dennoch hielt der FC auch in Unterzahl dagegen.

Das war schlecht

Zwei Dinge: Zum einen ist der FC weiterhin nicht zwingend genug vor dem gegnerischen Tor. Und zum anderen bestrafen sich die Kölner durch eigene Aussetzer wiederholt selbst. Vor dem 0:1 spielte Isak Johannesson einen Fehlpass, da würden sich selbst die isländischen Elfen und Trolle in den Hügeln einbuddeln. Vor dem 0:2 rutschte Tom Krauß weg. Das war zwar Pech, aber auch entscheidend. Und vor allem erwies Jahmai Simpson-Pusey seiner Mannschaft mit dem üblen und mit der Roten Karte geahndeten Tritt auf die Achillessehne von Beier einen Bärendienst. Thomas Kessler sprach selbst von einem berechtigten Platzverweis. Fortan war der FC eine komplette Halbzeit in Unterzahl.

Moment des Spiels

War dann leider aus Kölner Sicht das nicht mit einem Elfmeter geahndete Handspiel weit in der Nachspielzeit.

Moment zum Vergessen

Die Rote Karte gegen FC-Verteidiger Jahmai Simpson-Pusey samt Wutausbruch von Stadionsprecher Michael Trippel. Simpsoon-Pusey kam in der 43. Minute klar zu spät gegen Maximilian Beier, trat den Dortmunder mit offener Sohle an der Achillessehne. Sicher keine Absicht, aber hart. Schiedsrichter Daniel Siebert zückte erst die Gelbe Karte. Doch dann schaltete sich der VAR ein. Siebert sah sich die Szene noch einmal auf dem TV-Bildschirm an und revidierte seine Entscheidung: Rote Karte gegen den Engländer – der FC war fortan in Unterzahl. Und Trippel brüllte über das Stadionmikro: „Pfui – widerlich!“

Spieler des Spiels

Jakub Kaminski. Ein Vorbild an Einsatz und Leidenschaft. Nach einer Durststrecke vor dem Tor belohnte sich der Pole mal wieder mit einem Treffer. Doch ein Treffer war am diesen Tag zu wenig für den FC.

Das sagen die Trainer

Lukas Kwasniok (1. FC Köln): „Da (beim Handspiel in der Nachspielzeit, d. Red.) muss ich nur einmal hinschauen, da gibt es für mich nicht so viele unterschiedliche Möglichkeiten, die Szene zu bewerten. Das passt aber zu unseren letzten Tagen und Wochen und macht das Ergebnis heute bitter. Aber solange die Mannschaft so funktioniert mit diesem Stadion, werden wir den Kampf gewinnen. Ich habe keine Erklärung dafür, dass er nicht rausgerufen wird. Aber ich möchte jetzt niemandem den Gefallen tun und losledern, weil dann muss ich zahlen – und den Elfmeter bekommen wir trotzdem nicht mehr. Der VAR macht das Spiel nicht gerechter. Wir waren in der ersten Halbzeit die bessere Mannschaft, haben auf ein Tor gespielt. Den Eckball verteidigen wir gut, rücken dann aber nicht schnell genug raus. Wir haben den Gegner gestresst, hatten keine hochkarätigen Möglichkeiten. Aber ein paar Einschussmöglichkeiten.Ich hatte nicht den Eindruck, dass die Dortmunder uns an die Wand gespielt haben. Am Ende meint es der gute Mann da oben aktuell nicht ganz so gut mit uns.

Kwasniok zur Roten Karte gegen Simpson-Pusey: „Er macht es nicht mit Absicht. In der Zeitlupe zeigst du dann aber immer auf Rot. Es ist grenzwertig, aber es ist vertretbar. Wir haben keine klare Linie beim VAR, mit Bezug auf das Handspiel gleich zweimal nicht.“

Niko Kovac (Borussia Dortmund): „Wir haben ein Spiel gewonnen, das wir nicht gut gespielt haben. Das ist nicht unser Anspruch. Vor allem mit einem Mann mehr muss man das hier ganz anders spielen. Die Kölner haben losgelegt wie die Feuerwehr. Wir hatten gefühlt zehn Ecken gegen uns, das geht nicht. Wenn das Handspiel bei uns passiert wäre, hätte ich mich genau so aufgeregt wie Lukas. Nach der aktuellen Regelauslegung hätten wir uns nicht beklagen können, wenn das Elfmeter gegeben hätte.“

Das sagen wir

Der 1. FC Köln und der VAR – sie werden keine Freunde mehr. Bei allem verständlichen Kölner Ärger über den nicht gegebenen Elfmeter: Gegen dieses Borussia Dortmund war viel mehr drin. Sogar ein Sieg. Der BVB, der nach der Niederlage in der Woche zuvor gegen den FC Bayern die Mini-Hoffnung auf die Meisterschaft aufgeben musste, trat wahrlich nicht wie ein Spitzenteam auf, sondern spielte über weite Strecken Schlafwagen-Fußball. Der FC war vor allem in der Anfangsphase das tonangebende Team, muss sich aber auch mal mit einem Führungstreffer belohnen. Sagt sich vielleicht einfach, ist nicht so einfach, ist dennoch richtig. Doch Aufwand und Ertrag stimmten beim Aufsteiger mal wieder nicht.

Die Lage im Abstiegskampf spitzt sich für den FC zu. Die kommenden beiden Partien vor der Länderspielpause, das Auswärtsspiel beim Hamburger SV und das Derby gegen Borussia Mönchengladbach, sind wegweisend. Für den Abstiegskampf, aber auch für Trainer Kwasniok. Der FC hat in den vergangenen 16 Spielen nur zwei Siege geholt. Es wird dringend Zeit für weitere.