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FC verliert 1:2 gegen BVBDer Kölner Keller bleibt stumm

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Trainer Lukas Kwasniok und Geschäftsführer Thomas Kessler hatten am Samstag am Spielfeldrand ihren eigenen Videobeweis – und verzweifelten.

Trainer Lukas Kwasniok und Geschäftsführer Thomas Kessler hatten am Samstag am Spielfeldrand ihren eigenen Videobeweis – und verzweifelten. 

Beim 1:2 gegen Dortmund hatte der FC in der Nachspielzeit einen Handelfmeter verdient, doch der Videoassistent griff zur Empörung der Kölner nicht ein – Unterzahl nach Rot gegen Simpson-Pusey

Niko Kovac hatte es leicht. Nur zwei Sätze brauchte er, um seine Sicht des Spiels zwischen dem 1. FC Köln und seinen Dortmundern zusammenzufassen. „Außer den drei Punkten, mit denen ich zufrieden bin, kann ich nicht zufrieden sein. Sowohl erste Halbzeit als auch zweite Halbzeit mit einem Mann mehr. Das war's“, sagte der BVB-Trainer am Samstagabend. 2:1 (1:0) hatte seine Mannschaft in Müngersdorf gewonnen, doch der Abend hatte mehr hergegeben, als das dürre Statement des BVB-Trainers glauben machte.

Er könne das nicht so knapp zusammenfassen, begann Lukas Kwasniok, als er an der Reihe war. Doch der Kölner Trainer verzichtete auf jede Eskalation. Kein Ausbruch, keine Konfrontation, kein Kontrollverlust. Im Gegenteil hatte er sich selbst zuvor schon öffentlich zur Raison gerufen. „In der Wut geht die Intelligenz verloren“, hatte Kwasniok gesagt. Er werde sich zurückhalten. Trotz allem.

In der 96. Minute hatte Dortmunds Yan Couto im Strafraum den Ball mit der Hand berührt: Der Brasilianer hatte sich scheinbar weggeduckt und den Ball statt mit dem Kopf mit dem deutlich abgespreizten Arm berührt. Kölns Linton Maina hatte die Aktion zwar zu Ende gespielt, der Ball war nicht so abgefälscht worden, dass er die Flanke nicht mehr hätte verarbeiten können. Doch es sind exakt solche Situationen, die der Videoassistent (VAR) nach geltender Regelauslegung erkennen und dem Schiedsrichter melden soll.

Das blieb aus. Thomas Kessler sprach die Situation später in klaren Worten an. „Ich weiß nicht, was Benjamin Cortus in diesem Moment im Keller gemacht hat. Dass da von außen keiner eingreift, dafür habe ich absolut kein Verständnis“, erklärte der Kölner Sportgeschäftsführer. „Aktuell ist offensichtlich auch der liebe Gott im Tiefschlaf“, sagte Kwasniok – doch verpackte er seinen Ärger gut. Womöglich half ihm, dass die Dinge so eindeutig lagen. Sogar Schiedsrichter Siebert, der sich bereiterklärt hatte, beim Sender Sky seine Sicht darzustellen, verzichtete später spontan auf eine Erklärung, nachdem er die Fernsehbilder gesehen hatte. Kwasniok, ein Mann der Impulse, hatte niemanden gefunden, mit dem er sich hätte streiten können. Und auch keinen gesucht. „Ich möchte niemandem den Gefallen tun und losledern, weil dann muss ich zahlen – und den Elfmeter bekommen wir trotzdem nicht mehr.“ Am Sonntag meldete sich noch die DFB-Schiedsrichter-GmbH. Es spreche „aus unserer Sicht so deutlich mehr für eine Bewertung des Handspiels als strafbar, dass eine Intervention des VAR angebracht gewesen wäre“. Viel Einigkeit also.

Die Rote Karte ist spielentscheidend für uns. Es wäre aber auch spielentscheidend gewesen, wenn du hier in der 96. Minute einen Elfmeter bekommst
FC-Trainer Lukas Kwasniok

Der nicht gegebene Handelfmeter war der Höhepunkt eines Abends, zu dem der Schiedsrichter einiges beigetragen hatte. Kurz vor der Halbzeitpause war Jahmai Simpson-Pusey Maximilian Beier tief in der Dortmunder Hälfte auf die Achillessehne gestiegen – von hinten, ohne Aussicht auf den Ball. Das Regelwerk sieht dafür die Rote Karte vor. Der Schiedsrichter zeigte erst Gelb, wurde dann aber durch den VAR darauf hingewiesen, dass es damit nicht getan war. „Das Foulspiel ist sicherlich keine Absicht, aber es ist eine Rote Karte“, räumte Kessler ein. Kwasniok ergänzte später: „Die Rote Karte ist spielentscheidend für uns. Es wäre aber auch spielentscheidend gewesen, wenn du hier in der 96. Minute einen Elfmeter bekommst.“

Der Kölner Trainer differenzierte allerdings auch da. In der Vorwoche hatte Dortmunds Nico Schlotterbeck für ein brutaleres Foul im Spiel gegen die Bayern nur Gelb gesehen, ohne dass der VAR eingegriffen hätte. Doch vermied es Kwasniok, Schlotterbecks Foul als Maßstab anzusetzen. Stattdessen sagte er, dass ihm die Rote Karte im Vergleich mit ähnlichen Situationen als ungerecht erscheine. Zumal in der Zeitlupe jedes Foul aussehe wie ein Attentat. „Wir versuchen, dynamische Situationen statisch zu bewerten. Es bleibt eine subjektive Entscheidung. Wir haben mehr Menschen, die etwas zu sagen haben – und immer weniger Klarheit.“ Kessler erinnerte auch an einen Strafstoß gegen die Kölner, den der VAR in der 60. Minute annulliert hatte: Cenk Özkacar hatte im Strafraum den Dortmunder Fabio Silva hart getroffen, die Fernsehbilder zeigten jedoch, dass er zuvor den Ball gespielt hatte. „Da sieht er einen Strafstoß, wo keiner war“, sagte der Sportchef.

Yan Couto (l., im Duell mit Kölns Kristoffer Lund) spielte den Ball am Samstag in der Nachspielzeit mit der Hand.

Yan Couto (l., im Duell mit Kölns Kristoffer Lund) spielte den Ball am Samstag in der Nachspielzeit mit der Hand.

Dass Köln in Rückstand geraten war, hatte allerdings nichts mit dem Unparteiischen zu tun. Nach einer überragenden Anfangsphase mit 6:0 Eckbällen und zahlreichen Abschlüssen hatte Köln mit den ersten Fehlern das 0:1 kassiert: Johannesson leistete sich einen schlimmen Ballverlust, Ragnar Ache wehrte die folgende Ecke zunächst noch ab – doch als der zweite Ball in den Strafraum flog, war nur BVB-Starstürmer Serhou Guirassy wach und traf zur Führung (16.). Die Kölner hatten unverständlicherweise auf Abseits gespielt – was nicht geklappt hatte.

Noch vor der Pause folgte der Platzverweis gegen Simpson-Pusey. Dennoch war Kwasniok voller Hoffnung. „Ich hatte das Gefühl in der Halbzeitpause, dass wir etwas Besonderes schaffen können.“ Doch dann rutschte Tom Krauß am linken Strafraumeck aus, Beier und Brand spielten einen einfachen Doppelpass – Beier traf zum 2:0. Doch Dortmund ermöglichte Jakub Kaminski durch eine indiskutable Defensive noch den Anschlusstreffer (88.).

Nächste Woche in Hamburg

Köln versuchte noch einmal alles, erarbeitete sich den Strafstoß, der den verdienten Punkt hätte bringen können. Doch der Kölner Keller schwieg. Kwasniok war weit davon entfernt, den Glauben zu verlieren. „Die Mannschaft ist unverwüstlich, deswegen werden wir in den kommenden Wochen dasselbe Gesicht zeigen. Wir werden das Ding drehen.“

Der Abstiegskampf habe gerade erst begonnen, nichts sei verloren – „und hier sitzt jemand, der diese Mannschaft voller Überzeugung aufrichten wird. Nächste Woche in Hamburg werden wir wieder leidenschaftlich Fußball spielen.“ Sollte die Leistung beim HSV erneut stimmen, könnte der Trainer sogar noch einmal davonkommen, ohne ein Ergebnis zu liefern. Im Derby gegen Borussia Mönchengladbach müsste dann vor der Länderspielpause aber wohl endgültig beides zusammenkommen: Leistung und Resultat.