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FC vor Spiel bei UnionWiedersehen in Köpenick

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Niemand kann eine Trillerpfeife so lässig im Mundwinkel haben wie FC-Trainer René Wagner, während er die nächste Übung vorbereitet.

Niemand kann eine Trillerpfeife so lässig im Mundwinkel haben wie FC-Trainer René Wagner, während er die nächste Übung vorbereitet.

FC-Trainer René Wagner kehrt an seine alte Wirkungsstätte zurück und trifft dort auf eine Mannschaft, die unter Marie-Louise Eta ihren Stil beibehalten hat

Vor dem anstehenden Fußballwochenende hat der 1. FC Köln eine gemeinsame Pressekonferenz beider Profiteams abgehalten. Für die Frauenmannschaft, die am Samstag in Müngersdorf gegen Werder Bremen spielt, war Cheftrainerin Britta Carlson gekommen. Die männlichen Profis vertrat René Wagner. Da passte es, dass Wagner am Samstagnachmittag (15.30 Uhr, Sky) in Berlin auf eine Kollegin treffen wird, die Carlson gut kennt: Unions Trainerin Marie-Louise Eta und Carlson begegneten sich einst bei Turbine Potsdam, wo Eta mit 17 Jahren in der Bundesligamannschaft debütierte und Carlson als damals schon 30-Jährige Teil eines Patenprogramms war, in dem erfahrene Spielerinnen den Nachwuchs begleiteten.

Später half Carlson dabei, Eta als Nachwuchstrainerin zum DFB zu holen. „Ich wusste, dass sie ein großes Trainerinnen-Talent ist“, sagte Carlson nun, räumte aber ein, dass sie bei aller Freude über Etas Karriere mit einem Detail nicht einverstanden sei: „Ich hätte mir einen anderen Start für sie gewünscht. Und hätte mir auch gewünscht, dass sie jetzt nicht gegen den FC spielt, weil ich natürlich unseren Jungs die Daumen drücke“, sagt die 48-Jährige. Mit Wagner habe sie sich vor der Abreise nach Berlin allerdings nicht mehr ausgetauscht. „Ich glaube, René braucht keine Tipps von mir“, sagte die gebürtige Kielerin trocken.

René Wagner kennt die gegnerische Trainerin zwar weniger gut, ihre Mannschaft dafür umso besser. Bis zum vergangenen Sommer war er in Köpenick Co-Trainer von Steffen Baumgart, den Eta im April abgelöst hat. Allzu viel hat sich seitdem am Stil nicht verändert, die Spielweise der Unioner ist Wagner wohlbekannt. „Es muss nicht immer zwingend inhaltliche Veränderungen in der Arbeit auf dem Platz geben. Manchmal ist eine Ansprache anders als die des Trainers, der vorher da war“, sagt Wagner – was nicht ohne Ironie ist. Denn auch beim Wechsel von Lukas Kwasniok zu Wagner in Köln ging es im März vor allem um einen Wechsel in der Ansprache.

Zwei Partien hat Eta nun mit dem FC Union bestritten und beide verloren. Die Spielweise hat sich durch den Wechsel nicht tiefgreifend verändert. „In der Kürze der Zeit ist dann auch nicht so viel zu verändern, wie wir es von außen glauben. Sie hat versucht, auf die Stärken der Mannschaft zu setzen“, sagt Wagner – und wieder klang es, als spreche er über seine eigene Lage in Köln. Die Stärken des Gegners sind ihm bekannt: „Ich habe in meiner Funktion bei Union erlebt, welche Wucht diese Mannschaft entwickeln kann“, sagt er. Die Kollegin tue gut daran, „auf diese Stärken zu setzen“.

Er wird jedes Wochenende besser
FC-Trainer René Wagner über Said El Mala

Köln rechnet damit, dass Union anders als Bayer 04 Leverkusen in der vergangenen Woche den direkten Weg in Richtung Tor suchen und auf zweite Bälle gehen wird. Die Werkself baute ihr Spiel in Müngersdorf aus der eigenen Hälfte auf und bot Wagners Mannschaft so viele Gelegenheiten zu guten Ballgewinnen. Auch deshalb hatte der FC beim 1:2 gegen die Werkself so viele Torchancen. „Das wird jetzt weniger der Fall sein, deswegen haben wir andere Schwerpunkte in dieser Woche gesetzt“, sagte Wagner. Wagner erwartet mehr Ballbesitz in der eigenen Hälfte, was seiner Mannschaft in dieser Saison nicht liegt. „Wir haben es in Frankfurt und St. Pauli mit Ball zweimal medium-gut gemacht“, formuliert Wagner vorsichtig.

Waldschmidts Chance?

Eine personelle Maßnahme liegt nahe: Viermal stand Wagner nun als Cheftrainer in der Verantwortung, viermal brachte er Luca Waldschmidt von der Bank, der darauf jeweils großen Einfluss auf den Spielverlauf hatte. Mehrfach hatte Wagner den 29-Jährigen dafür gelobt, wie er mit seiner Rolle umgehe. Für einen Startelfeinsatz reichte es anschließend dennoch nicht – trotz absehbarer Schwierigkeiten etwa gegen St. Pauli. Sogar gegen Leverkusen vermisste man Waldschmidt, denn die Werkself überließ den Kölnern weit mehr Spielanteile als erwartet. Zu Waldschmidts Aussichten äußerte sich Wagner jedoch erneut zurückhaltend. Der Offensivspieler sei noch ein bisschen näher an der Startelf als vor einer Woche. „Schauen wir mal, ob es so kommt.“

Said El Mala (l.) im Gespräch mit Trainer René Wagner

Said El Mala (l.) im Gespräch mit Trainer René Wagner

Said El Mala hätte die Partie gegen Leverkusen allein entscheiden können; der 19-Jährige hatte gegen den Champions-League-Teilnehmer die meisten Torschüsse aller Spieler auf dem Platz, leistete die Vorarbeit zu Waldschmidts Anschluss und traf noch den Pfosten. Wagner vertraut trotz der fehlenden Präzision im Abschluss weiter auf seinen Angreifer. „Er hat gegen Leverkusen bewiesen, dass er in Druckspielen voll da ist, dass er die Rolle voll annimmt und unfassbar gefährlich ist. Er muss sich belohnen, das wird er in Zukunft besser machen“, sagt der Trainer. El Mala habe keine Probleme mit der Aufmerksamkeit, im Gegenteil: „Wenn es um ihn lauter wird, wird er noch ruhiger. Noch klarer, noch besonnener und im Training noch akribischer“, sagt Wagner, der auch den Lernwillen des Stürmers hervorhebt: El Mala habe vor dem Spiel gegen Leverkusen klare Aufträge erhalten – „die hat er 1:1 umgesetzt. Auch in dieser Woche hat er eine Analyse bekommen. Er wird jedes Wochenende besser.“

Viele Wochenenden bleiben nicht mehr in dieser Saison, die Bundesliga biegt auf die Zielgerade ein. Mit einem Sieg könnte sich der FC bereits am 32. Spieltag retten, sollten Wolfsburg und St. Pauli nicht gewinnen. Doch Wagner hat keine Veränderung bei seinen Spielern bemerkt. „Auch wenn das Spiel gewonnen wird, ist die Saison noch nicht vorbei. Dann haben wir zwei weitere Spiele, in denen wir erfolgreich Fußball spielen können.“

Union Berlin: Klaus - Doekhi, Querfeld, Diogo Leite - Trimmel, Khedira, Kemlein, Köhn - Jeong, Ansah – Ilic; 1. FC Köln: Schwäbe - Sebulonsen, Simpson-Pusey, Özkacar, Castro-Montes - Krauß, Martel - Maina, Kaminski - Waldschmidt, El Mala; Schiedsrichter: Schlager (Rastatt).