Abo

Überraschung bei Bayer 04Plötzlich spricht auch Hjulmand von Feuer und Mentalität

4 min
30.04.2026, xydrx, Fußball, Pressekonferenz Bayer 04 Leverkusen, Cheftrainer Kasper Hjulmand gestikulierend vor dem Bundesliga Heimspiel gegen RB Leipzig, Saison 2025 2026 DFB regulations prohibit any use of photographs as image sequences and or quasi-video. *** 30 04 2026, xydrx, Football, Press conference Bayer 04 Leverkusen, head coach Kasper Hjulmand gesticulating before the Bundesliga home match against RB Leipzig, season 2025 2026 DFB regulations prohibit any use of photographs as image sequences and or quasi video Copyright: HMBxMedia/YannisxDreimann

Leverkusens Trainer Kasper Hjulmand gestikuliert bei der Pressekonferenz vor der Partie gegen Leipzig.

Kasper Hjulmand gilt als kühler Analytiker, der Vorwürfe fehlender Leidenschaft stets zurückwies. Vor dem Spiel gegen RB Leipzig klingt er anders. Was steckt dahinter?

Ein Vorwurf an Kasper Hjulmand lautet, dass er nicht facettenreich genug ist. Der dänische Trainer in Diensten von Bayer 04 gilt als ruhiger, analytischer Charakter, hingegen aber nicht als großer Motivator. Sein Auftreten auf den Pressekonferenzen vor den Pflichtspielen seiner Mannschaft in der Vergangenheit passte dazu. Fast schon monoton betete er die immer gleichen Sätze herunter.

Vor dem wichtigen Spiel gegen RB Leipzig am Samstag (18.30 Uhr, Sky) fiel der 54-Jährige jedoch aus seiner Rolle. Hjulmand weiß, dass es in den letzten drei Bundesligapartien nicht nur um das Erreichen des Saisonziels geht, sondern auch um seinen Job – oder mindestens darum, mit möglichst unbeschadeter Reputation den Klub zu verlassen.

Mit bisher ungekannter Vehemenz trug er die Erwartungshaltung an seine Mannschaft vor und nahm sie so im Kampf um die Qualifikation zur Champions League in die Pflicht. „Wir haben alle eine gemeinsame Verantwortlichkeit für dieses Feuer und für diese Motivation. Auf dem Platz, egal ob du eine Minute spielst oder 90, müssen wir alle in den letzten drei Saisonspielen unser Bestes für die Mannschaft, für den Verein geben, um zu gewinnen“, sagte der Coach. Ein aufschlussreiches Detail: Seit Beginn des Jahres wies Hjulmand den Vorwurf fehlenden Feuers zurück und tat ihn als lächerlich ab. Nun benutzte er selbst diese Vokabel.

Hjulmand erklärt die Basics

Der Cheftrainer führte aus: „Wir haben eine Spielphilosophie, und vor aller Taktik und dem Positionsspiel steht immer Bereitschaft, taktische Disziplin, Qualität, Mentalität, Körpersprache, Intensität im Pressing, schnelles Umschalten. Das ist die Basis, und die muss immer da sein. Wir müssen mit diesen Qualitäten immer spielen. Danach gibt es taktische Möglichkeiten im Spiel, aber diese Basis muss zu 100 Prozent stimmen.“

Der kommende Spieltag bietet eine große Chance, sich vor den letzten beiden Begegnungen eine hervorragende Ausgangsposition zu verschaffen. Noch vier Mannschaften kämpfen um die Plätze drei und vier. Und diese Teams treten am Samstag in direkten Duellen aufeinander: Leverkusen gegen Leipzig, Hoffenheim gegen Stuttgart. Nach diesem Spieltag hat die Werkself somit im besten Fall ihr Schicksal wieder in der eigenen Hand, im schlechtesten Fall braucht sie hingegen mit fünf Punkten Rückstand auf den kommenden Gegner VfB Stuttgart ein Fußballwunder.

„Ziel und Wunsch sind für alle klar, wir wollen alle dasselbe. Wir haben sehr früh in dieser Woche über unsere Situation gesprochen, und wir sind natürlich sehr, sehr fokussiert auf diese Spiele. Wir haben die Möglichkeit, drei Spiele zu gewinnen und nächstes Jahr wieder in der Champions League zu spielen. Das ist unser großes Ziel“, betonte Hjulmand.

Nicht mithelfen kann Lucas Vázquez. Der Spanier, der wegen mehrerer Verletzungen mehr als die Hälfte der Saisonspiele verpasste, fällt nach seiner Auswechslung im Pokalspiel gegen den FC Bayern weiter mit muskulären Problemen aus. Hoffnung haben die Verantwortlichen noch bei Christian Kofane. Der Stürmer aus Kamerun (15 Torbeteiligungen in 42 Pflichtspielen) laboriert an einer Oberschenkelverletzung. Ob er im Kader stehen wird, ist fraglich.

Ebenso fraglich ist, wen Hjulmand zwischen den Pfosten aufbieten wird. Beim schwachen, aber erfolgreichen Auftritt in Köln am vergangenen Samstag (2:1) stand Janis Blaswich im Tor, weil sich Mark Flekken mit Wadenproblemen abgemeldet hatte. Blaswich hielt erneut überragend, würde natürlich gerne gegen seinen Ex-Klub Leipzig, von dem er im vergangenen Sommer nach Leverkusen gewechselt war, spielen.

„Ich habe es schon früher gesagt: Flekken ist unser erster Keeper. Letzte Woche, am Mittwoch, hat er gegen die Bayern eine super Leistung gezeigt – eine der besten Leistungen im Tor in dieser Saison. Janis war sehr, sehr gut in Köln, aber Mark ist unser erster Keeper. Wir sehen, was passiert“, sagte Hjulmand, der vor allem im Vergleich zum Spiel in Köln ein anderes Gesicht seiner Mannschaft sehen will: „Wir haben es gesehen: So geht es nicht“, betonte er. „Wir müssen besser ins Spiel kommen. Es waren große Fehler, aber auch marginale Dinge – so geht es nicht. Mit dieser Qualität geht es nicht, und das müssen wir natürlich verbessern. Wir haben in den zwei Spielen vorher gegen Augsburg gut gespielt, und gegen Bayern sind wir besser und besser ins Spiel gekommen und haben in der zweiten Halbzeit mit großer Qualität gespielt. Wir müssen auf diesem Level gegen Leipzig spielen, um einen Sieg zu holen.“

Leverkusen: Blaswich – Quansah, Andrich, Tapsoba – Culbreath, Palacios, García, Grimaldo – Maza, Tella – Schick; Leipzig: Vandevoordt - Baku, Orban, Lukeba, Finkgräfe - Seiwald - Schlager, Baumgartner - Diomande, Romulo, Nusa; Schiedsrichter: Welz (Wiesbaden).