Beim 0:2 in Augsburg enttäuscht der 1. FC Köln vor allem in der Offensive auf ganzer Linie – Angeschlagener El Mala spielt nur eine halbe Stunde
Nach Pleite in AugsburgDie Lage beim FC wird brenzlig

Die enttäuschten FC-Profis wurden nach der Partie von den mitgereisten FC-Fans in der Kurve eher frostig verabschiedet.
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Lukas Kwasniok ließ nicht lange auf sich warten. Weil das gecharterte Flugzeug des 1. FC Köln vor Mitternacht abheben musste, war die Kölner Delegation nach dem Schlusspfiff in höchster Eile. Es hätte sie auch nicht mehr viel gehalten in Bayerisch-Schwaben: Nach der 0:2 (0:0)-Niederlage beim FC Augsburg wollten die Kölner nur noch nach Hause – wenngleich die Lage durch die nächtliche Heimkehr nicht besser wurde. Doch wenn man sich schon ärgern muss, dann lieber daheim als in der Fremde.
Und so fiel die Erklärung des Trainers in der WWK-Arena kurz aus, allzu viel zu sagen gab es auch nicht. „Heute waren wir zu ungefährlich, um hier ein Tor zu erzielen“, befand Kwasniok zerknirscht. „Daran haben wir zu knabbern. Es war ein zerfahrenes Spiel, es war nicht viel los. Wir hatten nicht die ganz klaren Chancen, das Quäntchen fehlt am Ende. Das macht unsere Situation nicht einfacher“, fügte er hinzu.
Drei der jüngsten vier Partien hat Köln verloren, die Abstiegszone ist nun bedrohlich nah. Und der nächste Gegner ist am kommenden Samstag zur ungeliebten Topspielzeit Borussia Dortmund. Die Zeichen stehen auf Krise am Geißbockheim.
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Kwasniok hatte die Startelf im Vergleich zum 2:2 gegen die TSG Hoffenheim auf drei Positionen verändert. Sebastian Sebulonsen und Joel Schmied fehlten wegen Muskelverletzungen, Simpson-Pusey rückte wie schon in der Schlussphase gegen Hoffenheim in die Dreierkette. Für Sebulonsen stand Luca Waldschmidt erstmals in diesem Kalenderjahr in der Startelf; der Techniker übernahm Kaminskis Platz in der Offensive, Kaminski wechselte auf die rechte Schiene.
Marius Bülter begann für Said El Mala, der in der zurückliegenden Woche mit muskulären Problemen gekämpft hatte und für einen Einsatz von maximal 30 Minuten vorgesehen war, wie Kwasniok kurz vor der Partie zu Protokoll gab. Immerhin stand El Mala im Kader, das gab Hoffnung. Für die Augsburger bedeutete die Partie den 500. Auftritt in der Bundesliga. Seit dem Aufstieg im Frühjahr 2011 spielen die Schwaben ununterbrochen im Oberhaus, und auch in dieser Saison stehen sie trotz ein paar Wirrungen recht stabil da. Mit nun 28 Punkten festigten sie ihren zehnten Platz und stehen kurz vor dem erneuten Klassenerhalt – eine Position, von der Köln in diesen Tagen wieder ein gutes Stück entfernt ist.
Dass der Druck jetzt größer wird, ist logisch. Nächste Woche gegen Dortmund haben wir nichts zu verlieren, dann müssen wir mal gegen einen Großen punkten
Der Abend schien aus Kölner Sicht bereits nach wenigen Minuten geradewegs ins Desaster zu führen. Die Gastgeber begannen druckvoll, nach einer Viertelstunde stand Augsburg bei 70 Prozent Ballbesitz und 4:1 Abschlüssen. Köln war kaum präsent, stand zu tief, und um selbst für Gefahr sorgen zu können, war der Weg zum Tor viel zu weit.
Überraschenderweise hörten die Augsburger nach 20 Minuten auf, das Kölner Tor zu bestürmen. Der FC beruhigte die Partie, was gut war – allerdings nicht zur Qualität des Spiels beitrug. Es entwickelte sich eine Partie ohne Niveau, auf beiden Seiten funktionierte kaum etwas. Die einzige Hoffnung war, dass sich im weiteren Verlauf aus dem Abarbeiten etwas entwickeln könnte, das mehr Substanz hatte.
Standardsituationen gelten in derart festgefahrenen Partien als Mittel der Wahl, und der 1. FC Köln hatte durch die Trennung von Standard-Trainer Hannes Dold signalisiert, dass er an der andauernden Erfolglosigkeit bei ruhenden Bällen etwas ändern wolle. Und tatsächlich setzte Eric Martel in der 38. Minute einen Kopfball an die Latte, nachdem er einen sichtlich einstudierten Laufweg genommen hatte. Es blieb die einzige Kölner Chance der ersten Hälfte, und im zweiten Durchgang sollte nur noch eine dazukommen.
Immerhin hatte der Aufsteiger nach schwachem Beginn ins Spiel gefunden – das Beste, was sich nach einer tristen ersten Halbzeit sagen ließ. Doch wirklich gut wurde nichts. „Das Spiel ging ein bisschen in unsere Richtung. Dann haben wir das 0:1 kassiert“, berichtete Kwasniok nach dem Schlusspfiff. Nach einem Einwurf verlagerten die Augsburger das Geschehen auf ihre rechte Angriffsseite, Banks startete mit dem Ball am Fuß durch, nur halbherzig verfolgt von Marius Bülter. Lund kam im Strafraum noch dazu, doch die Szene war gelaufen: Kurz vor der Grundlinie spielte der 19-jährige Verteidiger ins Zentrum, wo Ribeiro zum kurzen Pfosten zog und den Ball mit der Hacke ins Tor bugsierte.

Die Entscheidung: Alexis Claude-Maurice (r.) hat tief in der Nachspielzeit zum 2:0 für Augsburg getroffen.
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Daraufhin wechselte Kwasniok seinen gefährlichsten Spieler ein: Said El Mala hatte zuletzt kaum trainieren können und kam für die letzte halbe Stunde. „Mehr wäre verantwortungslos gewesen nach dieser Woche, in der er keinen Sprint gezogen hat“, sagte Kwasniok, der El Mala nach einem Tor und einer Vorlage gegen Hoffenheim gern von Beginn an gebracht hätte: „Aber den Wunsch, ihn beim Anstoß auf dem Feld zu haben, konnte ich mir leider selbst nicht erfüllen.“
Köln rannte an, inszenierte eine Art Schlussoffensive und hatte sogar noch eine Großchance, als Keven Schlotterbeck Cenk Özkacars Kopfball von der Linie köpfte. Im Gegenzug kassierten die Kölner das 0:2 durch Alexis Claude-Maurice, der einen Konter mit einem Schuss ins leere Tor abschloss. Kwasniok wollte nichts beschönigen. „Wir haben immer das Gefühl, ein Spiel gewinnen zu können. Aber de facto gewinnen wir zu viele Spiele nicht, um uns unten abzusetzen“, sagte er.
Mit vier Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz müssen die Kölner nun die restlichen Partien des 24. Spieltags verfolgen. Die Situation ist brenzlig, zumal nach einem spielerisch so schwachen Auftritt wie am Freitag. „Dass der Druck jetzt größer wird, ist logisch. Nächste Woche gegen Dortmund haben wir nichts zu verlieren, dann müssen wir mal gegen einen Großen punkten.“
Augsburg: Dahmen - Banks, K. Schlotterbeck, Zesiger - Fellhauer (82. Marius Wolf), Massengo (82. Rexhbecaj), Jakic (50. Keitel), Rieder - Kömür (82. Kade), Claude-Maurice - R. Ribeiro (68. Gregoritsch); 1. FC Köln: Schwäbe - van den Berg, Simpson-Pusey (78. Chavez), Özkacar - J. Kaminski, Martel (46. Johannesson), Krauß (84. Schenten), Lund Hansen - L. Waldschmidt (66. S. El Mala), Bülter (66. Niang) - Ache; Schiedsrichter: Welz (Wiesbaden); Zuschauer: 30.660 (ausverkauft); Tore: 1:0 R. Ribeiro (55.), 2:0 Claude-Maurice (90.+5).

