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Niederlage des 1. FC Köln in StuttgartImmer wieder samstagabends

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Demirovic ist Martel entwischt, Marvin Schwäbe hat keine Abwehrchance - 1:2.

Demirovic ist Martel entwischt, Marvin Schwäbe hat keine Abwehrchance - 1:2.

Der 1. FC Köln verliert das Karnevalsspiel dieser Session 1:3 in Stuttgart, auch im sechsten Versuch nacheinander bleibt Kwasnioks Team zur Topspielzeit am Samstagabend ohne Punkt

Nach dem Schlusspfiff berichtete Lukas Kwasniok von einer tierischen Begegnung, auf die er gern verzichtet hätte. „Täglich grüßt das samstagabendliche Murmeltier“, sagte der Trainer des 1. FC Köln nach dem 1:3 (0:1) beim VfB Stuttgart. Die Partie war aus seiner Sicht schnell zusammengefasst: „Mehr als ordentliche Leistung gegen einen Top-Gegner, und am Ende stehst du mit leeren Händen da.“ Wie immer also in den vergangenen Wochen. Es bleibt dabei: Der 1. FC Köln kann an Samstagabenden zur Bundesliga-Topspielzeit um 18.30 Uhr nicht punkten. Nach sechs Versuchen steht weiterhin die Null – und es droht neues Ungemach: Vier weitere Spieltage hat die DFL bislang fest terminiert, an zweien davon treten die Kölner am Samstagabend an.

Es war ein Abend der Gewohnheiten. Denn die Kölner neigen nicht nur zu Niederlagen in Topspielen. Sie haben auch eine Eigenart entwickelt, Führungen nicht ins Ziel zu bringen oder nach Ausgleichstreffern bald wieder in Rückstand zu geraten. Fünf Minuten lagen im Heimspiel gegen Leipzig zwischen Ausgleich und erneutem Rückstand. In Stuttgart glich Ragnar Ache in der 79. Minute Demirovics Führung aus der ersten Halbzeit per Traumtor aus – nur um zu erleben, wie der FC in der 84. Minute das nächste Gegentor kassierte. Undavs 3:1 in der Nachspielzeit war dann nur noch die Folge der Kölner Bemühungen, mit einer absurd offensiven Schlussformation einen Punkt zu erzwingen, den sie zu verdienen glaubten.

Die Enttäuschung war groß nach der vergebenen Chance vor 60.000 Zuschauern beim Tabellenvierten. „Wenn man schlecht spielt und nicht punktet, muss man sich Sorgen machen. Wir spielen aber gut und punkten nicht. Die Basis stimmt“, sagte Jan Thielmann, der in Stuttgart sinnbildlich für die Kölner Leistung stand. Der kampfstarke Kölner hatte auf der rechten Seite wie sein Partner Jakub Kaminski links einen Vollzeitjob in der Defensive und Offensive erhalten und nach schwachem Start eine beachtliche Leistung gezeigt. Dabei zwar nicht brilliert, aber dem Gegner durchaus Schwierigkeiten bereitet.

Kwasniok hatte das als Teil des Plans ausgerufen – und bereits vor dem Anpfiff eine Expedition ins Tierreich unternommen, als er die „Schmalzmucken“ beschwor. Man befinde sich zwar „im Ländle“, sagte der Trainer heiter; dennoch zitiere er nun aber einen Begriff aus dem Badischen, wo er aufwuchs. Schmalzmucken seien „lästige Fliegen, und so wollten wir sein“, erläuterte der Coach. Es sei „nicht immer ganz attraktiv, was wir so veranstalten. Aber wir stressen den Gegner, so haben wir nach und nach ein bisschen Oberwasser bekommen“, sagte Kwasniok. Auch Stuttgarts Trainer Sebastian Hoeneß zeigte sich beeindruckt vom Gegner, der genervt hatte wie Mücken im Schlafzimmer. „Ich habe die Kölner noch in keinem Spiel richtig unterlegen gesehen, darum war das 1:0 ein gefährliches Ergebnis. Wenn man spät den Ausgleich kassiert, ist es natürlich glücklich, 2:1 zu gewinnen“, sagte er.

In der Startphase hatte Köln wie eine Mannschaft ausgesehen, die chancenlos ausgespielt werden würde, ohne dass Stuttgart nennenswert ins Tempo gehen müsste. Marvin Schwäbe hatte mit einem Abspielfehler früh eine erste Stuttgarter Chance ausgelöst, Nationalstürmer Deniz Undav die folgende Großchance vergeben. Köln hatte zwar einen aussichtsreichen Abschluss durch Jakub Kaminski, präsentierte sich jedoch insgesamt verunsichert, beinahe mittellos.

FC-Trainer Lukas Kwasniok litt am Samstagabend in Stuttgart mit seiner Mannschaft.

FC-Trainer Lukas Kwasniok litt am Samstagabend in Stuttgart mit seiner Mannschaft.

Doch wieder kam der FC zurück. „Die Mannschaft hat sich geschüttelt, das ist einfach ihr Naturell und unglaublich: dass sie sich immer zurückarbeitet, auch wenn sie das Gefühl hat, unterlegen zu sein“, sagte Kwasniok. Zur Familie der wiederkehrenden Ereignisse zählt auch, dass es auch in Stuttgart keinen Elfmeter für Köln gab. Mittelstädt hatte Ragnar Ache in der ersten Halbzeit in den Rücken gestoßen, weshalb er einen Kopfball nicht erreichte. Es sei „kein Muss-, aber ein Kann-Elfmeter“ gewesen, sagte Kwasniok: „Aber wir kriegen keine Kann-Elfmeter, und ich werde jetzt so lange darüber reden, bis wir einen bekommen.“ Ache sah sich um eine Chance gebracht: „Ich kriege einen Schubser, und wenn man gerade zum Kopfball hochgeht, ist man in 100 von 100 Fällen aus der Balance. Wenn er das nicht macht, komme ich zum Ball“ – eine Situation, die seiner Ansicht nach „außerhalb des Strafraums gegeben würde, im Sechzehner aber nicht“.

Da kann man lange suchen und nichts finden, was wir falsch gemacht haben
FC-Trainer Lukas Kwasniok über den Stuttgarter Treffer zum 2:1

Dennoch verzeichnete Ache noch einen persönlichen Höhepunkt. Jeff Chabot, der insgesamt herausragend spielte, leistete sich einen schweren Abspielfehler. Luca Waldschmidt kam an den Ball und passte sofort zu Ache in die Spitze. Der Kölner Mittelstürmer ging an Jeltsch vorbei, legte sich den Ball auf den linken Fuß und traf per Heber zum Ausgleich – ein fantastisches Tor.

Wie eine Woche zuvor im Heimspiel gegen Leipzig kassierte der FC bereits fünf Minuten nach dem Ausgleich den erneuten Rückstand. Der eingewechselte El Khannouss legte an der Seitenlinie per Hacke auf Hendriks, der eine Flanke mit viel Zug vor Schwäbes Tor schlug. Erneut hatte sich Demirovic von Martel gelöst und traf satt zum 2:1. „Da kann man lange suchen und nichts finden, was wir falsch gemacht haben“, kommentierte Kwasniok, und Hoeneß ergänzte: „Das geht nicht viel besser.“

Als die Kölner anschließend alles nach vorn warfen, um noch die letzte Chance auf ein 2:2 zu suchen, verlor Florian Kainz auf der linken Außenbahn den Ball etwas kläglich an den starken VfB-Kapitän Atakan Karazor. Sebulonsen konnte nicht klären, der Ball kam zu Undav, der flach gegen Schwäbes Laufrichtung einschob.

Der Frust war groß, die Zuversicht dennoch ungebrochen. „Wir werden den Zug trotzdem so weit wie möglich genießen“, sagte Kwasniok zum Abschluss. Am Rosenmontag wird er dann womöglich ein paar weitere Tiere erleben. Karnevalsmäuse etwa. Und jede Menge Ohrwürmer.