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Vor Schlüsselspiel gegen GladbachKwasniok verspricht den Klassenerhalt des 1. FC Köln

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19.03.2026, xophax, Fussball 1.Bundesliga, 1.FC Koeln Derby . Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Bor.Mönchengladbach. Trainer Lukas Kwasniok  1.FC Köln  Koeln *** 19 03 2026, xophax, Soccer 1 Bundesliga, 1 FC Koeln Derby Press conference before the match against Bor Mönchengladbach Coach Lukas Kwasniok 1 FC Köln Koeln

Gab sich am Donnerstag kämpferisch: FC-Trainer Lukas Kwasniok

Vor dem Derby lobt FC-Trainer Lukas Kwasniok seine Bosse, bestreitet ein Ultimatum – und verliert beim Thema El Mala fast die Fassung.

Es ist Freitagmittag im Geißbockheim, und Lukas Kwasniok sitzt zwei Tage vor dem Derby gegen Borussia Mönchengladbach (Samstag, 15.30 Uhr) vor den Kameras und Mikrofonen der Journalisten. Es ist nicht nur – welch Jubiläum – das 100. zwischen den Erzrivalen in der Bundesliga, sondern für beide Traditionsklub ein unfassbar wichtiges im Kampf um den Klassenerhalt. Kwasniok hat sich Notizen gemacht, kennt die Lage seiner Spieler, hat den Gegner analysiert. Er wirkt konzentriert, vorbereitet, ruhig. Im Verlauf der Pressekonferenz, als ihn ein Thema besonders triggert, wird sich das später noch etwas ändern.

Die Zahlen für ihn und seine Mannschaft sind trotz vielfach ansprechender Leistungen bitter, brutal: Aus den letzten 17 Spielen holte der 1. FC Köln unter seiner Regie nur zwei Bundesliga-Siege. Das Derby am Samstag gegen Borussia Mönchengladbach könnte für Kwasniok (44) zum Endspiel werden – auch wenn er genau das nicht hören will.

Der 44-Jährige hat zu Beginn gute Nachrichten mitgebracht: Sowohl Ausnahmetalent Said El Mala als auch Leistungsträger Jakub Kaminski, die am Mittwoch im Training gefehlt hatten, sind wieder komplett einsatzfähig – und laut Kwasniok auch Kandidaten für die Startelf.

Doch dann geht es um die Lage des FC im Abstiegskampf. Und sie hat sich aufgrund ausbleibender Erfolgserlebnisse auch für den Trainer zugespitzt. Viele Hebel für eine Vereinsführung gibt es schließlich nicht. Auf die Frage, ob er vor dem Derby mit Kessler über seine persönliche Situation gesprochen habe und ob er das Spiel gewinnen müsse, um FC-Trainer zu bleiben, antwortet Kwasniok unmissverständlich: „Diese Ansage gab es nie. Die hat es auch diese Woche nicht gegeben. Ich habe sehr wohl gewusst, worauf ich mich hier beim 1. FC Köln eingelassen habe. Wenn du aus der 2. Liga mit dem FC aufsteigst, dann spielst du immer um den Klassenerhalt und gegen den Abstieg. Und wir sind mittendrin, statt nur dabei.“

Diese Ansage gab es nie. Die hat es auch diese Woche nicht gegeben. Wenn du mit dem FC aufsteigst, spielst du immer um den Klassenerhalt. Und wir sind mittendrin, statt nur dabei.
FC-Trainer Lukas Kwasniok über ein angebliches Ultimatum der Bosse an ihn

Fakt ist aber: Köln braucht einen Sieg, Kwasniok braucht einen Sieg. Und der sollte möglich sein gegen Gladbacher, die bis dato wahrlich keine befriedigende Saison absolviert haben – der Trainerwechsel der Borussia von Gerardo Seoane auf Eugen Polanski war ja keine Laune des Schicksals. Kessler hatte nach dem 1:1 in Hamburg seinen Trainer unmissverständlich unter Druck gesetzt: „Wir sind einen kleinen Schritt nach vorne gekommen. Jetzt geht es darum, einen großen zu machen. Es liegt in der Natur der Sache, dass wir auch mal wieder ein Fußballspiel gewinnen müssen.“ Heißt im Klartext: Die Geduld der Bosse neigt sich dem Ende zu.

Kwasniok holt aus und bemüht die Vereinsgeschichte des FC: sieben Abstiege, zehn Jahre in der 2. Bundesliga, immer wieder der vergebliche Versuch, sich mit Trainerwechseln aus der Misere zu befreien. „Man hat siebenmal nicht geschafft“, sagt er trocken. Diesmal, so seine Botschaft, solle es mit ihm, mit Kessler, mit dem neuen Präsidium anders laufen. Er lobt die Kölner Bosse ausdrücklich: „Ich bin sehr, sehr beeindruckt von der Vereinsführung, wie sie mit diesen Dingen umgeht.“ Und gibt sich kämpferisch: „Wir lassen uns nicht von Ergebnissen, sondern von unserer Art und Weise Fußball zu spielen beeinflussen. Die Jungs marschieren und geben ihr letztes Hemd. Ich hoffe, man spürt, dass das der Trainer auch tut. Dass ich hier um die Möglichkeit, dauerhaft Trainer beim FC bleiben zu können, kämpfe und alles dafür tue.“

Kwasniok verspricht die FC-Rettung

Die fehlenden Resultate zuletzt erklärt Kwasniok mit Statistiken und Entwicklungskurven. Der Saisonstart mit zehn Punkten aus fünf Spielen sei eine Überperformance gewesen. „Wir haben überperformed und performen jetzt in Bezug auf Ergebnisse etwas unter.“ Doch zuletzt sei die Defensive stabiler geworden, der Fußball reifer. Das mag stimmen. Nur: In der Bundesliga zählen vor allem die Ergebnisse. Und die fehlen. Kwasniok träumt dennoch bereits von der vorzeitigen Rettung und versprich sie sogar: „Ich bleibe dabei: Wir werden unser Ziel erreichen. Ich habe vor Augen, dass wir am 33. Spieltag den Klassenerhalt feiern.“ Das wäre beim letzten Heimspiel gegen Heidenheim und vor dem Abschluss bei Abo-Meister Bayern. Zuvor muss er aber erst mal sein mögliches Job-Endspiel gegen Gladbach gewinnen.

Am emotionalsten wird Kwasniok bei einer Frage, die eigentlich gar nicht zum Derby gehört. Es geht – wieder einmal – um El Mala, der nicht für die A-Nationalmannschaft nominiert wurde, und um die angebliche Sommerzusage des Spielers und seiner Familie für Premier-League-Klub Brighton . Ein Thema, das Wellen schlug – erst in den Medien, dann in den sozialen Netzwerken.

Das ist, auf gut Deutsch gesagt, pervers, was heutzutage mit 18-, 19-Jährigen passiert.
Kwasniok über den El-Mala-Wirbel

Kwasniok sagt, er habe davon erst 30 Minuten vor der Pressekonferenz erfahren. Seine folgende emotionale Reaktion passt dann nicht ganz zu dieser Aussage. „Ihr habt mich jetzt bald so weit, dass ich irgendwann eine Brandrede halte“, entgegnet er. Der Coach täuscht sie nur an – und verkneift sie sich dann. Was ihn treibt: Der 19-Jährige werde im Netz durchgehend beleidigt, weil irgendjemand eine unbelegte Geschichte in die Welt gesetzt habe. Ob sie stimme oder nicht, spiele keine Rolle – der Schaden sei da. „Das ist, auf gut Deutsch gesagt, pervers, was heutzutage mit 18-, 19-Jährigen passiert.“ Und leise, fast resigniert: „Ich glaube, dass wir ihm die Freude am Dribbling genommen haben. Er dribbelt nicht mehr so viel. Da sind wir alle in der Verantwortung.“ Dann schaut Kwasniok ins Plenum: „Ich habe eine PK, zwei Fragen zu Gladbach und fünf zu Said, damit ihr die Auflagen steigern könnt.“

Der Trainer und seine Mannschaft müssen am Samstag indes alle Nebenschauplätze ausblenden. Gladbach kommt zwar als schlagbarer, aber auch als unbequemer Gegner ins Rhein-Energie-Stadion, der immerhin zehn Mal zu Null gespielt hat, wie auch Kwasniok anmerkt. Nach dem Trainerwechsel hat sich Gladbach stabilisiert . „Sie warten auf die Bälle, die reinkommen, und sind dann sehr gut im Konterspiel“, analysiert Kwasniok nüchtern. „Die Gladbacher sind schon deutlich gestandener in der Bundesliga unterwegs und dürfen die Ansprüche etwas höher setzen als wir gerade“, räumt er ein. Beim 1:3 im Hinspiel hatte Köln das erste Tor kassiert und verloren. „Wenn wir in Führung gehen können, sind wir in der Lage, ihnen wehzutun.“ Revanche sei daher durchaus das richtige Wort.

Kölns Trainer hofft auf den Fan-Faktor

Wenn man ihn nach dem Stadion fragt, nach der Südkurve, nach seinem ersten Heimderby, wechselt seine Stimmung spürbar. Der Trainer schwärmt vom Rückhalt der Fans: „Das sind die Momente, weshalb du beim FC unterschreibst. Ich weiß, welche Wucht dieses Stadion entfachen kann. In der ersten halben Stunde im Pokalspiel gegen die Bayern ist das Stadiondach weggeflogen. Genau das haben wir auch in der zweiten Hälfte gegen Mainz gespürt. Wir brauchen den Support der Fans, um unser Ziel erreichen zu können. Unsere Fans sind in der Lage dazu, uns so viel Energie zu geben, dass wir am Samstag als Sieger vom Feld gehen. Darauf freue ich mich sehr.“

Für Lukas Kwasniok könnte es das wichtigste Spiel seiner Zeit beim 1. FC Köln sein – auch wenn er das niemals so sagen würde.