Luca Waldschmidt liefert als FC-Joker, doch er will mehr. Bekommt er erst recht nach dem Ausfall von Stürmer Ragnar Ache eine neue Chance?
Zuletzt erfolgreicher JokerLuca Waldschmidt, der Grenzfall des 1. FC Köln

Luca Waldschmidt nach seinem späten Ausgleich für den 1. FC Köln zum 1:1-Endstand beim FC St. Pauli
Copyright: Christian Charisius/dpa
Luca Waldschmidt bleibt beim 1. FC Köln ein Grenzfall. Ein Spieler mit Meriten und einer spannenden Vita: einst sieben A-Länderspiele, Torschützenkönig bei der U21-Europameisterschaft, dazu eine Station bei Benfica Lissabon. Der aber auch immer Dellen in seiner Laufbahn hat, dem oft nicht der prognostizierte Durchbruch gelang. Im Mai wird der Offensivspieler 30 Jahre alt, die Zeit für den nächsten nachhaltigen Karriereschritt läuft langsam ab.
Auch beim 1. FC Köln erlebt der Angreifer, der für eine besondere Karriere so viele Anlagen mitbringt, eine ambivalente Zeit. Obwohl man ihm abnimmt, dass er sich am Geißbockheim und mit seiner Frau Gianna auch in Köln wohlfühlt, ist er längst nicht der Faktor, der er sein könnte. Mehrfach hatte er öffentlich Vertrauen eingefordert – sowohl unter Trainer Lukas Kwasniok als auch zuvor bei Gerhard Struber. Gerade unter Kwasniok kühlte das Verhältnis zwischenzeitlich deutlich ab. Die Kommunikation wurde spürbar reduziert. Doch auch unabhängig davon gilt: Waldschmidt nutzte seine Chancen in der Startelf zu selten konsequent.
Drei erfolgreiche Kurzeinsätze
Unter dem neuen Cheftrainer René Wagner hat sich die Situation zuletzt verändert – zumindest in Teilen. Zwar kommt Waldschmidt bislang nur auf 33 Einsatzminuten in drei Spielen, doch seine Wirkung ist beachtlich. In Frankfurt wurde er in der 82. Minute eingewechselt, gegen Bremen in der 76. Minute, beim 1:1 im Kellerduell bei St. Pauli in der 79. Minute. Viel Zeit blieb ihm nicht – Einfluss nahm er dennoch.
Am Millerntor hat Waldschmidt erneut geliefert. Wie schon in den Partien zuvor war er direkt an einer spielentscheidenden Szene beteiligt. Beim Debüt von Wagner in Frankfurt (2:2) verlängerte er kurz nach seiner Einwechslung per Kopf auf Marius Bülter, der die Vorlage zum Ausgleich lieferte. Beim 3:1-Sieg gegen Bremen bereitete er mit einem präzisen Steckpass den Treffer von Isak Johannesson vor. Und auf dem Kiez übernahm er Verantwortung: Nach einem Foul an Jakub Kaminski griff er sich in der 86. Minute den Ball und verwandelte den Elfmeter sicher zum 1:1. „Ich habe mich gut gefühlt und wollte die Verantwortung übernehmen“, sagte Waldschmidt.
Drei Einsätze unter Wagner, drei direkte Torbeteiligungen – eine Bilanz, die seine aktuelle Bedeutung trotz überschaubarer Spielzeit unterstreicht. Überhaupt liegt seine Startelf-Quote in dieser Saison bei gerade mal rund 20 Prozent. Die reichte allerdings für sieben Scorer-Punkte (vier Tore, drei Torvorlagen). In 80 Pflichtspielen für die Kölner kommt er bisher auf 17 Treffer und sieben Assists. Wagner lobt die Effektivität seines Offensivspielers und kündigt weitere Gespräche an: „Er bringt aktuell jedes Mal seine Leistung und hat sich jetzt auch mit dem Tor belohnt.“ Waldschmidt selbst hebt den veränderten Umgang hervor: „Ich glaube, ich bin mit René in einem guten und offenen Austausch. Ich spüre einfach Vertrauen – auch wenn man nicht von Beginn an auf dem Platz steht.“
Die Frage nach einem Startelfeinsatz drängt sich dennoch auf. Zumal der Kölner Angriff einen weiteren Rückschlag zu verkraften hat: Stürmer Ragnar Ache hat sich am Oberschenkel verletzt und dürfte in dieser Saison wohl gar nicht mehr zum Einsatz kommen. Gerade weil dem Kölner Spiel im Zentrum häufig die kreative Idee fehlt, könnte Waldschmidt eine größere Rolle einnehmen.
Der Offensivspieler bleibt in der Bewertung zurückhaltend. „Das kann ich nicht beantworten, dafür sind andere zuständig“, sagte er, stellte aber klar: „Es ist kein Geheimnis, dass ich gerne lange auf dem Platz stehe.“ In der aktuellen Phase gehe es jedoch darum, die eigenen Stärken bestmöglich einzubringen: „Wenn die im Moment eher hinten raus gefragt sind, dann ist das so.“ Seine Rolle beschreibt er selbst als Anpassung an die Anforderungen: „Es ist viel Arbeit, viel Kampf – und vielleicht wird es hinten raus ein bisschen mehr Fußball, wo man dann Akzente setzen kann.“ Dennoch: So wertvoll ein effektiver Joker auch ist – die strukturellen Probleme im Kölner Spiel lassen sich dadurch nicht allein beheben.
Ich glaube, ich bin mit René (Trainer Wagner, d. Red.) in einem guten und offenen Austausch. Ich spüre einfach Vertrauen
Neben der sportlichen Rolle stellt sich perspektivisch auch die Zukunftsfrage. Waldschmidt wird mittlerweile von der Agentur des früheren Schweizer Nationalspielers und Bundesligaprofis Philipp Degen beraten. Sein Vertrag in Köln läuft noch bis 2027 – ein Zeitraum, der Entscheidungen in den kommenden Monaten nicht unwahrscheinlich macht.
Mit Blick auf den Saisonendspurt könnte sich Waldschmidts Rolle jedoch noch einmal verändern. Seine Chancen auf einen Platz in der Startelf sind jedenfalls auf einmal gestiegen. Möglich, dass sich diese Frage bereits am kommenden Samstag beantwortet: Dann empfängt der Tabellenzwölfte, der noch Punkte im Kampf gegen den Abstieg benötigt, um 15.30 Uhr Bayer 04 Leverkusen in Müngersdorf zum Derby. „Wir müssen als Mannschaft funktionieren, das ist das Wichtigste“, betonte Waldschmidt mit Blick auf die kommenden Aufgaben. Für den Offensivspieler wäre es die Gelegenheit, seine zuletzt starken Kurzeinsätze über einen längeren Zeitraum zu bestätigen – und im wichtigen Heimspiel ein weiteres Kapitel in seiner bislang so wechselhaften Kölner Zeit zu schreiben.

