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Ablöse für Nationalspieler?DFB drängt auf Entschädigung bei Verbandswechseln

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Algeria's midfielder #22 Ibrahim Maza celebrates scoring his team's third goal during the Africa Cup of Nations (CAN) Group E football match between Equatorial Guinea and Algeria at Moulay Hassan Stadium in Rabat on December 31, 2025. (Photo by Gabriel BOUYS / AFP)

Ibrahim Maza durchlief mehrere DFB-Nachwuchsteams, ehe er sich für Algeriens Nationalmannschaft entschied. 

Andreas Rettig will dem strategischen Abwerben von ausgebildeten Talenten Einhalt gebieten.

Der Deutsche Fußball-Bund setzt sich für eine Ausbildungsentschädigung bei Nationalverbandswechseln ein: Wer jahrelang im deutschen Fußball gefördert wird, soll künftig nicht mehr ohne finanzielle Gegenleistung zu einem anderen Nationalverband wechseln können. DFB-Geschäftsführer Andreas Rettig hat dafür ein Rechtsgutachten in Auftrag gegeben und will auf Uefa und Fifa zugehen. Der DFB sieht hier eine Ungerechtigkeit – und will das auf internationaler Ebene ändern. „Ist es denn richtig, dass Spieler, die in einem Verband über manchmal sechs, acht, zehn Jahre ausgebildet worden sind, zum Nulltarif von heute auf morgen den Nationalverbandswechsel durchführen können? Ich sage nein“, stellt Rettig im Gespräch mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ klar. Der Grundgedanke dabei ist einfach: Ausbildung muss sich lohnen – und zwar für alle Beteiligten. Bislang gilt das vor allem für den Spieler und seinen neuen Verband, nicht aber für den, der die Arbeit geleistet hat.

Ibrahim Maza entschied sich gegen den DFB

Was Rettig besonders ärgert, ist eine Strategie, die er bei manchen Nationalverbänden zunehmend beobachtet: Statt in die eigene Nachwuchsarbeit zu investieren, wird das Geld in Scoutingabteilungen gesteckt – mit dem klaren Ziel, fertig ausgebildete Talente aus Ländern wie Deutschland abzuwerben. „Man lässt die anderen die Ausbildung machen und guckt dann, wo das Rosinchen ist“, bringt Rettig es auf den Punkt – „und das zum Nulltarif.“ Als größte Fußballnation der Uefa ist Deutschland dabei besonders exponiert. Die Fluktuation ist naturgemäß höher als in kleinen Verbänden – und damit auch das Risiko, über Jahre geförderte Talente ohne jede Gegenleistung zu verlieren. Ein besonders prominentes Beispiel ist der Fall Ibrahim Maza: Der in Berlin geborene und inzwischen bei Bayer 04 Leverkusen etablierte Profi entschied sich für Algerien – ein Wechsel, der in der DFB-Zentrale für Gesprächsstoff sorgte. Auf die Frage, was man daraus lerne und ob es weitere Hebel gebe, antwortete Rettig nachdenklich: „Am Ende ist es immer eine persönliche Entscheidung.“

Der Plan des DFB ist konkret: Zunächst sollen die tatsächlichen Ausbildungskosten pro Spieler und Tag exakt beziffert werden. Daraus soll ein kumulierter Entschädigungsanspruch errechnet werden – transparent, nachvollziehbar und rechtlich belastbar. „Wenn da mal ein Preisschild dranhängt, wird man sich das auch überlegen, ob es zu taktischen Entscheidungen mit dem Ziel des Festspielens kommt“, sagt Rettig. Der DFB begleite Nachwuchsspieler je nach Altersklasse und Turnierphasen bis zu 80 Tage im Jahr – mit erheblichem personellem und finanziellem Aufwand, der bislang schlicht ignoriert werde. Das Rechtsgutachten soll die Grundlage bilden, um bei Uefa und Fifa dafür zu werben. Denn die internationalen Verbände haben bislang stets betont, dass sich Ausbildung lohnen müsse – doch in der Praxis gilt dieses Prinzip offenbar nur für Vereine, nicht für Nationalverbände. Genau diese Lücke will Rettig schließen.

DFB will Bindung der Nachwuchsspieler aktiver pflegen

Dabei legt Rettig Wert auf eine klare Unterscheidung. Es gehe nicht darum, Spieler zu bevormunden oder ihre persönliche Entscheidung zu diskreditieren. „Wir sagen nicht, der Adler ist bedeutsamer als beispielsweise der Halbmond“, betont er. Wer aus echter innerer Überzeugung für ein anderes Land spielen wolle, solle das tun können. Was der DFB jedoch ablehnt, ist das taktisch motivierte Wechseln – das sogenannte Nationen-Hopping. „Das sollte eine Lebensentscheidung sein“, fordert Rettig. Um dieser Forderung auch emotional Nachdruck zu verleihen, will der DFB die Bindung seiner Nachwuchsspieler künftig aktiver pflegen. „Wir sind aufgerufen, diese emotionale Bindung zu verfestigen, noch mehr Mühe zu geben in allen Altersbereichen – dass auch der Jugendspieler das Gefühl hat: Ich will hier gar nicht weg, ich habe dem DFB so viel zu verdanken“, sagt Rettig. Wo ein Spieler seine Perspektive trotzdem woanders sehe, müsse man das respektieren – aber es zeige, wo Handlungsbedarf bestehe.