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20-Jähriger bereits ein FaktorIbrahim Maza, Bayers Bessermacher

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ARCHIV - 06.12.2025, Bayern, Augsburg: Fußball: Bundesliga, FC Augsburg - Bayer Leverkusen, 13. Spieltag, WWK-Arena. Ibrahim Maza (Bayer Leverkusen) in Aktion. Ibrahim Maza steht Bayer Leverkusen wieder zur Verfügung. (zu dpa: «Bayer wieder gegen St. Pauli: «Wird kein Champagner-Fußball»») Foto: Harry Langer/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Mittlerweile ein wesentlicher Faktor bei Bayer 04 Leverkusen: Ibrahim Maza

Der 20-Jährige startet bei der Werkself durch. Mittwoch ist der Offensivspieler in der Champions League in Athen gefordert.

Wenn Ibrahim Maza öffentlich spricht, ist er leise, wirkt schüchtern und bevorzugt kurze Sätze. Wenn man bei den Angestellten von Bayer 04 nach Ibrahim Maza fragt, zeichnen sie ein gänzlich anderes Bild. Er sei frech, sehr kontaktfreudig und unterstreiche in der Kabine seinen Ehrgeiz durch Worte und Taten.

Der 20-Jährige gilt als einer der entscheidenden Führungsträger der Werkself‑Zukunft. Um als Vorangeher akzeptiert zu werden, bedarf es vor allem eines: konstanter guter Leistung auf dem Platz. Die bringt Maza und ist daher eine der Schlüsselfiguren für Trainer Kasper Hjulmand auf dem Weg ins Achtelfinale der Champions League. Am Mittwochabend (21 Uhr, Dazn) will sich Leverkusen eine gute Ausgangsposition im Hinspiel der Play‑offs bei Olympiakos Piräus sichern.

Wie wichtig Maza für Bayer 04 ist, zeigte die Zeit zuletzt, in der er fehlte. Drei Spiele verpasste er aufgrund von Knieproblemen. Von den sechs Halbzeiten ohne den gebürtigen Berliner überzeugte seine Mannschaft nur in der ersten Hälfte bei Eintracht Frankfurt. Danach fehlte vor allem ein Element, für das Maza steht: schnelle Auffassungsgabe und mutige Vertikalpässe. „Er bringt Dinge rein, die der Mannschaft gut tun – die zeichnen ihn aus“, betonte Sportgeschäftsführer Simon Rolfes.

Die Bedeutung des variablen Offensivspielers unterstrich auch Hjulmand, indem er Maza beim 4:0 gegen St. Pauli am vergangenen Samstag bereits zur Pause vom Platz nahm. „Das war Belastungssteuerung“, erklärte Maza. „Ich komme aus der Verletzung – da ist klar, dass ich noch nicht so lange spielen kann.“ Hjulmand braucht seinen Bessermacher für die wichtigen kommenden Wochen in Königsklasse und Bundesliga.

Dass Maza, Sohn eines algerischen Vaters und einer vietnamesischen Mutter, so schnell ein so wichtiger Teil der Leverkusener Mannschaft wird, hatten nicht alle erwartet. In der vergangenen Saison spielte er sein erst zweites volles Profijahr in der Zweiten Liga bei Heimatklub Hertha BSC. Er stach zwar in einigen Spielen heraus, der Sprung zu einem Champions‑League‑Klub schien jedoch sehr groß.

Im Sommer nach dem Zwölf‑Millionen‑Euro‑Wechsel zu Bayer 04 setzte ihm dann Kurzzeit‑Trainer Erik ten Hag noch einen schweren Rucksack auf, als er ihn im Rahmen einer Pressekonferenz im Trainingslager in Rio de Janeiro in einem Atemzug mit dem gerade für die Rekordsumme von rund 130 Millionen Euro zum FC Liverpool gewechselten Florian Wirtz nannte.

Durchbruch im November

Zu Beginn der Saison strauchelte Maza – wie der Rest der Mannschaft. Zweimal saß er über die gesamte Spielzeit auf der Bank, häufig reichte es nur zu einigen Minuten als Einwechselspieler.

Sein Durchbruch gelang ihm dann in ungewohnter Weise Anfang November. Als Exequiel Palacios und Equi Fernández verletzt fehlten und Robert Andrich eine Rotsperre absaß, zog Hjulmand Maza eine Reihe weiter nach hinten auf die Doppelsechs neben Aleix García. Eine Maßnahme, die fruchtete. In seinen ersten beiden Partien auf dieser Position beim 1:0 in Lissabon und beim 6:0 gegen Heidenheim wurde er jeweils als „Man of the match“ ausgezeichnet.

Das neue Sechserduo hatte in der Folge entscheidenden Anteil am Leverkusener Aufschwung. „Hauptsache, ich spiele – ob als 6er, 8er oder 10er: Ich gebe immer mein Bestes“, sagte Maza, der sich vor allem bei García dafür bedankte, ihm auf dem Platz viele Hilfestellungen gegeben zu haben, um sich zu adaptieren. Gegen St. Pauli spielte er wieder auf der Halbposition hinter den Spitzen, leitete das 2:0 mit einem präzisen Steilpass auf Patrik Schick ein. Mit seinen schnellen Bewegungen, seinem guten Auge und seinem Spaß am Gegenpressing sorgte Maza dann in den vergangenen Monaten für den einen oder anderen Wirtz‑Erinnerungsmoment.

„Ich habe gemerkt: Die Mannschaft steht immer hinter mir“, sagt Maza über seine Entwicklung in dieser Saison. „Die Mannschaft vertraut mir, und ich vertraue der Mannschaft.“ Simon Rolfes ist erfreut: „Wir waren überzeugt, dass er von der Spielart gut zu uns passt und seine Entwicklung beschleunigt wird. Trotzdem: von der Zweiten Liga und dann plötzlich bei Manchester City spielen – das ist nicht einfach. Es ist schon außergewöhnlich, wie er das gemacht hat. Er hat das im Schnelldurchgang erledigt.“

2024 für Algerien entschieden

Auch beim Afrika‑Cup im Januar überzeugte er mit der algerischen Nationalmannschaft, löste einen Hype um ihn in der Heimat seines Vaters aus. Es heißt, dass DFB‑Sportdirektor Rudi Völler ein wenig enttäuscht ist, dass Maza, der sich selbst als „Multikulti‑Jungen“ bezeichnet, sich so früh entschieden hat, das algerische Trikot zu tragen. Maza spielte bis zur U20 für Deutschland, entschied sich 2024 jedoch für die algerische A‑Nationalmannschaft – auch mit Verweis auf die starke Konkurrenz beim DFB durch Florian Wirtz und Jamal Musiala. „Ich bin d'accord mit der Entscheidung“, sagte er am vergangenen Samstag. Bei der WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko wird er im Sommer bei Algerien gesetzt sein.

Vorher geht es darum, seine Entwicklung bei Bayer 04 fortzusetzen. Am besten mit einem Einzug ins Achtelfinale der Champions League, in dem große Spiele gegen den FC Bayern oder den FC Arsenal warten würden. Genau richtig für ein großes Talent auf dem Weg zum Führungsspieler.

Mögliche Aufstellungen:

Piräus: Tzolakis - Costinha, Retsos, Pirola, Ortega - Hezze, Mouzakitis - Rodinei, Chiquinho, Gelson Martins - El Kaabi; Leverkusen: Blaswich – Quansah, Andrich, Tapsoba – Vázquez, Palacios, García, Grimaldo – Maza, Poku – Kofane; Schiedsrichter: Pinheiro (Portugal).