Der KEC hat eine Rekord-Hauptrunde in der DEL hinter sich und will in den Playoffs den ersten Titel seit 24 Jahren gewinnen. Was macht das Team so erfolgreich?
KEC vor den PlayoffsWarum die Kölner Haie derzeit auf einer Erfolgswelle schwimmen

Im Schnitt mehr als 18.000 Fans kommen zu den Heimspielen der Kölner Haie.
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Kaum hatte in der vergangenen Woche der Vorverkauf begonnen, waren die Tickets vergriffen. Innerhalb einer Stunde sicherten sich die Anhänger der Kölner Haie die Karten für die ersten beiden Playoff-Heimspiele. So wird die Lanxess-Arena am Freitag und am Dienstag (jeweils 19.30 Uhr) mit jeweils 18.600 Besuchern ausverkauft sein, wenn die Haie im DEL-Viertelfinale gegen die Schwenninger Wild Wings antreten.
Das ist inzwischen fast schon der Normalzustand. In der Hauptrunde war die Deutzer Halle in 15 von 26 Heimspielen bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Profis dankten es dem Publikum damit, dass sie die Saison als Spitzenreiter mit der Rekordpunktzahl von 116 abschlossen. Die Playoff-Serien, vom Viertelfinale bis zum Finale, werden nun im Modus „Best of 7“ gespielt. Wer viermal siegt, kommt weiter – und ist am Ende Meister.
Wie kam es zu dem sportlichen Aufschwung?
Der neue Erfolg des KEC ist untrennbar mit dem Namen Kari Jalonen verbunden. Der 66 Jahre alte finnische Trainer, der seit 2024 an der Kölner Bande steht, hat Ordnung aufs Kölner Eis gebracht und setzt auf ein typisch finnisches Spielsystem. Eine klare Struktur, taktische Disziplin und einen kontrollierten, auf Defensive fokussierten Ansatz.
Entscheidend dabei ist: Jalonen, der sich in seiner Zeit beim SC Bern den Beinamen „Bandengeneral“ verdiente, hat es geschafft, die Spieler auf seine Linie einzuschwören. Vielen seiner Vorgänger in Köln gelang genau dies nicht. Unter Jalonens Regie schert nun niemand aus, alle halten sich an das System und vertrauen dem Coach.

Kari Jalonen ist der Trainer der Kölner Haie.
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Jalonen weiß, wie man Titel gewinnt: Zweimal wurde er Schweizer Meister, viermal finnischer Meister. Aus Köln will er sich nun mit einem Titel verabschieden, er verlässt die Haie nach der Saison in Richtung finnische Heimat – und könnte sich ein Denkmal setzen. Die bislang letzte ihrer acht Meisterschaften feierten die Haie im Jahr 2002.
Aktuell spricht niemand vom Abschied. „Unser gemeinsamer Fokus liegt auf den anstehenden Playoffs“, sagt Geschäftsführer Philipp Walter. Bekannt ist aber, dass die Haie mit dem Schweden Thomas Berglund, Coach von Luleå HF, einen renommierten Nachfolger gefunden haben.
Was zeichnet die Mannschaft aus?
Der Eishockey-Spruch „Willst du gewinnen, dann hol dir Finnen“ bewahrheitet sich auch im Hinblick auf die Haie-Spieler. In der DEL darf laut Reglement jede Mannschaft elf ausländische Profis verpflichten und neun pro Partie einsetzen. Die Haie haben in der sonst nordamerikanisch dominierten Liga sechs ihrer Stellen für Importspieler an Finnen vergeben, die zu Säulen der Mannschaft geworden sind: kompromisslos, humorlos und immer kampfbereit. Da ist etwa Keeper Janne Juvonen, genannt „die Krake“, der gerade als Torhüter und DEL-Spieler des Jahres ausgezeichnet worden ist.
Überdurchschnittlich stark sind auch die schussstarken Verteidiger Oliwer Kaski und Valtteri Kemiläinen. Durch sie ist das Überzahlspiel des KEC in die Spitzenklasse aufgestiegen. Überhaupt hatte KEC-Sportdirektor Matthias Baldys (42), der die Transfers zusammen mit Jalonen ausklügelt, bemerkenswerte Arbeit geleistet. Alle elf Profis, die er im vergangenen Sommer nach Köln lotste, bewährten sich, machten teilweise große Entwicklungsschritte; wie der ehemalige Junghaie-Stürmer Dominik Bokk (25), der bald Stamm-Nationalspieler werden dürfte. Ein sehr guter Einkauf war auch der dänische Angreifer Patrick Russell (32), der auf 27 Tore und 33 Vorlagen kam und Topscorer der Haie war. Oder auch der Kanadier Nate Schnarr (27), der sich nicht nur mit 17 Treffern, sondern auch als begnadeter Penaltyschütze in Szene setzte.
Die Erfolge aus der Hauptrunde spielen ab Mittwochabend um 19.30 Uhr, wenn beim Playoff-Auftaktspiel der Haie in Schwenningen der erste Puck fällt, keine Rolle mehr. Es wird alles auf null gestellt.
Wie erklärt sich der Zuschauerboom?
In der Hauptrunde 2025/26 erzielte der KEC einen Schnitt von 18.111 Besuchern pro Spiel, im Jahr zuvor waren es schon 17.829, davor 16.993 – es sind und waren jeweils europäische Bestmarken im Eishockey. Die Haie hatten schon immer eine starke Fan-Basis, verkaufen seit Jahren etwa 6000 Dauerkarten pro Saison.
Entscheidend hinzu kam nun, dass der Verein sein Marketing in den vergangenen Jahren digitalisiert und gezielt auf verschiedene Zielgruppen zugeschnitten hat. Es geht darum, möglichst viele Eishockey-Neulinge in die Halle zu bekommen. Denn laut KEC kommen sehr viele Menschen, die einmal beim Eishockey in der Arena waren, auch wieder dorthin zurück.
Das könnte damit zusammenhängen, dass der schnelle Kufensport perfekt als Erlebnis-Event taugt. Selbst ein durchschnittliches Spiel bietet Action, Tempo, Zweikämpfe, manchmal sogar Faustkämpfe. Walter erklärt: „Es ist uns in den vergangenen Jahren sehr gut gelungen, die Sichtbarkeit der Haie zu erhöhen und die Menschen noch gezielter anzusprechen. Hinzu kommt, dass unsere Mannschaft sehr erfolgreich spielt. Das befeuert sich alles gegenseitig.“
Wie sehen die Perspektiven des Vereins aus?
Trotz des Aufschwungs bleibt Eishockey in Köln ein schwieriges Geschäft. Es hängt einerseits damit zusammen, dass es nach wie vor keine horrenden TV-Gelder gibt wie im Fußball, sondern nur moderate sechsstellige Beträge. Und andererseits und vor allem damit, dass die Lanxess-Arena keine städtische Halle ist, sondern sich im Besitz privater Investoren befindet. Der KEC zahlt pro Spiel eine Miete im fünfstelligen Bereich. Über die genaue Höhe gibt es keine Angaben.
Auch in ihrem Trainingszentrum an der Gummersbacher Straße sind die Haie nur Mieter. Walter beschreibt die Lage so: „Mehr-Einnahmen erhöhen die Chance, mehr in den Kader zu investieren. Zugleich haben wir in Köln mit unserer Arena und der Trainingshalle einen deutlich höheren Kostenapparat als andere Standorte.“
Man kann daraus schließen: Ohne ihren Hauptgesellschafter, den Koblenzer Milliardär Frank Gotthardt, der seit 2010 einen zweistelligen Millionenbetrag in den Verein investiert hat, kommen die Haie weiterhin nicht über die Runden. Daran würde wohl auch eine deutsche Meisterschaft nichts ändern.

