Torhüter Lennart Winkler hält gegen den Drittligisten alles, der Rest des Teams kämpft um jeden Ball – die Zuschauer im Südstadion jubeln.
1:0 im FVM-PokalFortuna Köln feiert Highlight gegen Alemannia Aachen

Fortuna Köln feiert den Sieg gegen Alemannia Aachen zusammen mit den Fans im Südstadion
Copyright: IMAGO/Jan Huebner
Ein Raunen ging durchs Südstadion, dann Jubel, keiner blieb mehr sitzen – und wieder Jubel. Doch ein Tor war nicht gefallen. Vielmehr warfen sich die Profis von Regionalligist Fortuna Köln in jeden Ball, in jeden Zweikampf, in jeden Schuss, in jeden Gegenspieler – und die Fortuna-Anhänger honorierten das lautstark.
Fortuna Köln wirft sich in jeden Ball
Und am Ende feierte der Kölner Süden ein großes Saison-Highlight: Fortuna Köln, Tabellenführer der West-Staffel, gewann im Viertelfinale des Mittelrheinpokals mit 1:0 gegen den Drittligisten Alemannia Aachen. Als der Schlusspfiff ertönte, stieg der Geräuschpegel noch einmal an und dürfte in ganz Zollstock zu hören gewesen sein.
Bereits vor und während der Partie verliehen die 7012 Zuschauer der Begegnung einen besonderen Rahmen: im Heimblock wie im Gästebereich, wo sich jeweils ein rot-weißes und ein gelb-schwarzes Meer aus Schals bildete, zudem kam es während der Partie immer wieder zu Rauchschwaden von Pyrotechnik, die den Himmel emporstiegen. Brisanz hatte das Spiel ohnehin. Im vergangenen Jahr war Fortuna nach Verlängerung mit 0:1 an Aachen im Halbfinale gescheitert – damals sogar in Überzahl, Ex-Fortune Stipe Batarilo verschoss zudem einen Elfmeter. Diesmal sollte es die Revanche geben. Und sie gelang.
Alles zum Thema Südstadt (Köln)
- Jugendfußball Ein unvergesslicher Abend für die JSG Kommern/Firmenich/Satzvey
- 1:0 im FVM-Pokal Fortuna Köln feiert Highlight gegen Alemannia Aachen
- 1:0 gegen Drittligist Alemannia Aachen Fortuna Köln feiert Achtungserfolg im Pokal
- Großeinsatz in Köln Polizei deckt organisierten Betrug bei Sprachtests auf
- Sparplan der Stadt Köln muss notfalls wieder auf Turnhallen für Geflüchtete zurückgreifen
Dabei war Aachen über weite Strecken die spielbestimmende Mannschaft. Was fehlte, war nicht der Aufwand, sondern der Treffer – und das lag vor allem an Lennart Winkler. Der 22-jährige Fortuna-Torhüter war an diesem Abend nicht zu überwinden. „Er hat überragend gehalten. Ein großes Lob an ihn, wir wissen, dass wir einen guten Torhüter haben“, sagte Trainer Matthias Mink. Winkler parierte mehrfach stark und mit herausragenden Reflexen gegen die Aachener Offensive.
Zweimal half auch das Aluminium mit: Aachens Niklas Castelle tanzte die Kölner Defensive schwindelig, traf aber nur die Latte (41.). Und passend zur Dramaturgie köpfte Lamar Yarbrough den Ball in der Nachspielzeit mit dem Hinterkopf an den Pfosten (90.+3.).
Fortuna selbst kam kaum in aussichtsreiche Situationen. Ein vielversprechender Versuch von Georg Strauch wurde nach 13 Minuten abgeblockt. Doch in der zweiten Hälfte geschah das Unerwartete: Fortunas Max Fischer schlug einen langen Ball, Aachens Defensive verschätzte sich, Nico Thier tauchte frei vor Ex-Bundesligatorwart Manuel Riemann auf und ließ ihm keine Chance.
Wille, Kampf und Leidenschaft
Der Abschluss saß sicher unten im Eck (57.), der Heimbereich bebte. „Das war ein hartes Stück Arbeit. Uns war bewusst, dass wir leiden müssen. Lennart hat zwei, drei Dinger überragend gehalten. Vorne müssen wir effektiv sein, das war der Fall. Wir wollen ins Finale, wir nehmen in der nächsten Runde, was kommt“, sagte Thier.
Was folgte, war ein Kampfspiel: nicht immer fußballerisch sauber von der Fortuna, dafür mit umso mehr Herz und Wille. Die Mannschaft zog die Fans auf den Tribünen mit – ein Hexenkessel entstand. Mal sprang der ganze Block wie auf Kommando, mal bekam der Schiedsrichter zu hören, was man von ihm hielt. Es war hitzig. Und vielleicht gerade deshalb so wichtig für den Erfolg.
„In dem ein oder anderen Spiel beherrschten wir die Gegner, heute war es andersrum. In der ersten Hälfte hätten wir zurückliegen können. Ich will aber gar nicht so viel über das Spiel sprechen, sondern um das Weiterkommen. Das war unser Ziel“, sagte Mink und ergänzte: „Dass man gegen einen höherklassigen Verein leiden muss, ist klar. Wir können sehr gut verteidigen und sind sehr effektiv. Man kann in den ein oder anderen Phasen besser Fußball spielen. Aber letztlich ist das egal. Wir sind im Halbfinale.“
Bereits am Sonntag trifft Fortuna auf den Bonner SC (Südstadion, 14 Uhr), der zeitgleich im Mittelrheinpokal die Pflichtaufgabe gegen Lindenthal-Hohenlind mit 4:0 erledigte. Neben Bonn und der Fortuna stehen auch Viktoria Köln und Eintracht Hohkeppel im Halbfinale. Wer am Sonntag bei Fortuna fit sein wird, bleibt indes offen. Mink verwies auf die Regeneration: „Das ist eine sehr kurze Erholungsphase. Wir müssen schauen, wer Körner gelassen hat. Der ein oder andere war am Ende mit Krämpfen unterwegs. Aber großes Lob für die Einsatzfreudigkeit, die Leidenschaft, den Kampf. Das zeigt, wie gut die Mannschaft funktioniert.“
Und das auch im neuen Jahr, nach einer starken Hinrunde: Der 1:0-Erfolg gegen Aachen war der fünfte Sieg in Folge in 2026. Trotz der Bilanz blieb Mink selbstkritisch: „Spielgeschwindigkeit und Tempo war eine Liga höher, da muss man sich dran gewöhnen. Da haben wir Anpassungsbedarf, daher spielen wir aktuell nur Regionalliga und nicht Dritte Liga.“ Vielleicht ändert sich das irgendwann. Der Traum vom Double aus Mittelrheinpokal und Regionalliga-Meisterschaft jedenfalls lebt weiter.
Fortuna Köln: Winkler – Afamefuna, Fischer, Al Azzawe, Statovci (90. Brechmann) Strauch, Stanilewicz – Thier (87. Fünger), Garcia (72. Geerkens) – Bornemann (62. Wirtz), Al Ghaddioui (75. Galjen). – Tor: 1:0 Thier (57.). – Zuschauer: 7012.


