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„wir helfen“-HeldenLost Sisters spenden erneut 100.000 Euro für Kinder in Not

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Boris Becker, 1. Vorsitzender der Lost Sisters (links) überreicht Isabella Neven DuMont (2. von links) und Caroline Kron von „wir helfen“ einen symbolischen Scheck auf der Bühne der Karnevalsparty „Jeckenklinik am Ring“ in den Rheinterrassen. 

In einer neuen Serie stellen wir Menschen vor, die sich mit originellen Benefiz-Aktionen für „wir helfen e.V.“ und Kölner Kinder in Not  engagieren

Weiße Strumpfhosen, kurze Kasacks und knallrote Perücken – seit 23 Jahren sind die Mitglieder der Karnevalsgesellschaft „Lost Sisters“ in ihrem auffälligen Krankenschwestern-Outfit ein prägendes und vor allem soziales Element der Kölner Karnevalsszene. Entstanden ist die Idee, „Gaudi“ und „Gutes tun“ miteinander zu verbinden, jedoch weit jenseits des Rheins: Im Winter 2003 beschließen fünfzehn Kölner Freunde bei einem Junggesellenabschied in Griechenland einen eigenen Karnevalsverein zu gründen.

„Seinerzeit dominierte in Köln noch der Sitzungs- und Straßenkarneval. Wir wollten aber jenseits der Sitzungssäle und überfüllten Kneipen eine große Party auf die Beine stellen, Spaß im Trockenen haben und dabei Verantwortung übernehmen für unsere jungen Mitmenschen, denen das Leben nicht so gut mitspielt wie den meisten von uns. Den Charity-Gedanken haben wir von Beginn an mitgedacht, wir wollten mit unserer Party keinen Gewinn machen sondern etwas Karitatives“, sagt Lost-Sisters-Mitglied Hans-Willi Zims.

Kölsche Mischung aus Humor, Haltung und Herz

Schnell war auch der Vereinsname und mit ihm das Erkennungszeichen klar: Helfen, Haltung zeigen und Herausstechen aus dem Mainstream – das funktioniert am besten in Krankenschwester-Maskerade! „Männer im Frauen-Outfit, das bescherte uns selbst in Köln große Aufmerksamkeit. Mit genau dieser Mischung aus Humor, Haltung und Herz wollten wir die feier- und spendierwilligen Kölnerinnen und Kölner erobern“, sagt Vereinsvorsitzender Boris Becker.

Zurück in Köln setzen die „Lost Sisters“ zu Beginn des Jahres 2004 ihren Plan in die Tat um, fahren mit einem ausrangierten Krankenwagen durch die Partystraßen der Stadt, um die Tickets für ihre erste Karnevalsparty, „Die Jeckenklinik am Rhing“in den Rheinterrassen zu verkaufen. „Zur Premiere unsere Weiberfastnachtsparty kamen 700 Jecken und vor allem Jeckinnen. Damals hätten wir uns nicht träumen lassen, dass die Party einmal weit über die Grenzen Kölns hinaus beliebt sein wird und wir damit auch den Kölner Party-Karneval initiiert haben“, sagt Becker.

Mehr als drei Millionen Euro für notleidende Kinder gespendet

Dass das Konzept, ausgelassen zu feiern und gleichzeitig Gutes zu tun, mehr als aufging, die „Jeckenklinik“ heute Kultstatus genießt und ein starkes Zeichen der Solidarität ist, beweisen die Zahlen: Die jeweils 2.600 Tickets sind seit Jahren binnen kürzester Zeit vergriffen. Mehr als drei Millionen Euro Spenden haben die jecken Schwestern und ihr Publikum seit der ersten Party gesammelt. „Die Eintrittsgelder enthalten seit Beginn an eine Spende für den guten Zweck. Wir arbeiten als Verein bis heute pro bono. Neben unserem Publikum ermöglichen das vor allem unsere Partner wie WvM Immobilien, die Pandion AG, die Anwaltskanzlei Görg oder die Hagedorn Holding“, sagt Becker.

Mitglieder der„ Lost Sisters “mit ihrem 1. Vorsitzenden Boris Becker (re. stehend) zu Besuch im Verlagshaus an der Amsterdamer Straße

Bleibt die Frage, was die Lost Sisters mit „wir helfen“ verbindet – und ihre inzwischen mehr als zwei Dutzend Mitglieder zu „wir helfen“-Helden macht? Nicht nur, dass ihre erste Spende in Höhe von 3.600 Euro im Jahr 2004 für die Aktion dieser Zeitung für Kinder und Jugendliche in Not bestimmt war – inzwischen sind die barmherzigen Schwestern seit vielen Jahren Rekordhalter in Sachen höchste „wir helfen“-Einzelspende mit jeweils 100.000 Euro – und mehr.

Kölner Wohltätigkeits-Duett

In den vergangenen 23 Jahren haben die Lost Sisters und „wir helfen“ tausende Kölner Kinder und Jugendliche, denen das Leben nicht so gut mitspielt, Hoffnung auf eine lebenswerte Zukunft gemacht. Haben Jungen und Mädchen, die ohne ihre Familie in Wohngruppen leben, Ferienfahrten ins Ausland und die Teilnahme am Karnevalsumzug in ihrem Veedel ermöglicht, für sie ein riesiges, inklusives Piratenschiff aus Holz bauen lassen, dafür gesorgt, dass Sport- und Freizeitplätze für psychisch kranke Kinder, die für längere Zeit in der Villa Kunterbunt an der Kölner Uniklinik leben, errichtet werden und vieles Gute mehr.

„Uns ist es wichtig, dass einmal angestoßene Projekte weitergeführt werden können, deshalb möchten wir gezielt und langfristig dort helfen, wo Unterstützung in unserer Region nachhaltig wirkt – und genau dort ankommt, wo sie gebraucht wird. Wir wissen, dass das bei wir helfen der Fall ist, deshalb war von Anfang an klar, dass wir den Verein dauerhaft unterstützen möchten“, sagt Lost-Sisters-Mitglied der ersten Stunde Marco Späth.

Lost Sisters: Paradebeispiel für gelebtes Ehrenamt

Welche Projekte unterstützt werden, entscheiden die Vereinsmitglieder gemeinsam. Dabei machen sich die Lost Sisters regelmäßig selbst ein Bild von der Arbeit vor Ort. „Wir haben zum Beispiel Kids-Wohngruppen besucht, in denen minderjährige Kinder ohne Familie leben, und von ihnen erfahren, wie sehr viel Freude ihnen die von uns geförderte Sommerfahrt nach Holland bereitet hat. Wir haben auch schon mitgeholfen Schulfrühstücke vorzubereiten, haben hunderte Brötchen geschmiert und vieles mehr“, sagt Späth.

Im März 2022 weihen „wir helfen“-Vorsitzende Hedwig Neven DuMont, Geschäftsführer Karl-Heinz Goßmann und Boris Becker (rechts) das von ihnen gemeinsam gesponsorte Piratenspielschiff an der KidS-Wohngruppe in Brück ein.

Die Lost Sisters haben ihr ehrenamtliches Engagement bislang bewusst nicht an die große Glocke gehängt. Vor dem Hintergrund des diesjährigen Karnevalsmottos „Mer dun et för Kölle“, das die Bedeutung des Ehrenamts in den Mittelpunkt stellt, sehen sich die Lost Sisters jedoch in ihrer jahrelangen karitativen Arbeit bestätigt. „Gerade weil dieses Motto unser Engagement auf den Punkt bringt, freuen wir uns umso mehr über die große Wertschätzung unserer vielen treuen Jeckinnen und Jecken. Mir dun et – gemeinsam – för die Pänz vun Kölle“, sagt Becker.

300.000 Euro Spenden auf der Bühne der Jeckenklinik am Rhing

Die unzähligen ehrenamtlichen Stunden und die kontinuierlich hohen Spendensummen, mit denen der Verein seit fast einem Vierteljahrhundert Kinder und Jugendliche in und um Köln unterstützt, sind bestes Beispiel für gelebtes Ehrenamt – das sie auch an diesem Donnerstag auf der großen Bühne der Jeckenklinik am Rhing bewiesen haben und von dem nicht nur „wir helfen“ profitiert.

Wie in den Jahren zuvor haben die Lost Sisters 300.000 Euro Spenden in Form von symbolischen Schecks an soziale Organisationen verteilt: 100.000 Euro durften die „wir helfen“-Vorstandsmitglieder Isabella Neven DuMont und Caroline Kron entgegennehmen. 100.000 Euro gingen an die RTL-Stiftung „wir helfen Kindern“. Weitere 100.000 Euro wurden aufgeteilt und an die Schull- un Veedelszöch gespendet sowie an die Vereine „wir für pänz“, „Der Sack e.V.“, „Zartbitter“, „Amitum Kids“ und weitere Einrichtungen, die benachteiligte Kinder und Jugendliche fördern. Isabella Neven DuMont bedankte sich herzlich für „die fantastische Großspende und die unfassbaren 850.000 Euro, mit denen ihr unseren Verein seit 23 Jahren konsequent, großzügig und mit viel Herz unterstützt“, sagte die stellvertretende Vereinsvorsitzende von „wir helfen“ – und ließ als Zeichen ihrer Dankbarkeit Konfetti-Rosen regnen.