Die Sperrung der Straße von Hormus kappt auch die Versorgung Europas mit Helium aus Katar. Für die hiesige Industrie gibt es kaum Alternativen.
Abhängig von KatarIndustrie droht ein Mangel an Heliumgas

In den Terminals von Ras Laffan in Katar ensteht mehr als 40 Prozent der weltweiten Helium-Produktion.
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Nicht nur Öl- und Gastanker passieren gewöhnlich die Straße von Hormus. Auch das wichtige Industriegas Helium gelangt über die Seeroute nach Europa. Eine Schlüsselrolle spielt dabei die arabische Halbinsel Katar. Im dortigen Ras-Laffan-Terminal entstehen neben Flüssiggas auch rund 40 Prozent des weltweit gehandelten Heliums. Nachdem das Terminal kürzlich von iranischen Drohnen angegriffen wurde, steht die Produktion allerdings still. An einen Transport durch die Krisenregion ist derzeit ohnehin nicht zu denken. Die Deutsche Rohstoffagentur (DERA) warnte entsprechend am Anfang dieser Woche: „Ein mittelfristiger Ausfall der katarischen Heliumlieferungen kann zu erheblichen Engpässen bei der globalen Heliumversorgung führen.“
Keine Raumfahrt, Kühlung oder Chipproduktion ohne Helium
Rund ein Drittel der Heliumprodiktion aus Katar war im vergangenen Jahr für die Länder der EU bestimmt. Hier kommt Helium in vielerlei Industrieanwendungen zum Einsatz, etwa in der Raketentechnik, in der Lebensmittelindustrie, beim Schweißen, dem Einsatz von Lasern oder als Kühlmittel. Auch in der Medizin spielt Helium als Atemgas oder als Kontrastmittel eine wichtige Rolle.
Ein Ausfall der Produktion sorgt beispielsweise in der Halbleiterindustrie bereits für Nervosität. Helium wird hier für das Kühlen von Silizium-Wafern verwendet. „Die Halbleiterproduktion könnte gestört werden, wenn wichtige Materialien aus dem Nahen Osten nicht bezogen werden können“, erklärte etwa der südkoreanische Parlamentsabgeordnete Kim Young-bae gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Der Wirtschaftspolitiker hatte sich zuvor von Experten aus der Industrie, unter anderem vom in Südkorea ansässigen Chip-Hersteller Samsung, über die Lage informieren lassen.
Letzte Helium-Anlage in Polen
Auch die europäische Industrie kann nur einen sehr kleinen Teil ihres Bedarfs aus lokaler Helium-Produktion decken. Eine letzte Anlage zur Gewinnung des Gases steht in Polen. Die Produktion sei allerdings „seit Jahren rückläufig“, konstatiert die Deutsche Rohstoffagentur. Zuletzt lieferte die Anlage noch rund acht Prozent des europäischen Bedarfs. Auch alternative Importquellen sind kaum vorhanden. Eine Helium-Anlage in Algerien ist bereits voll ausgelastet. Der zweite große Heliumhersteller neben Katar sind die USA. Die Industrie in den Vereinigten Staaten benötigt das Gas wegen der Lieferausfälle aus Katar aber selbst.
Russisches Helium gelangt über China nach Europa
Ganz anders stellt sich die Lage in China dar. Obwohl die Volksrepublik über keine nennenswerten Produktionskapazitäten verfügt, gelangten von dort im Jahr 2025 etwa 45 Mio. Kubikmeter Helium nach Europa – rund ein Zehntel des hiesigen Bedarfs. Dies deute darauf hin, dass China Helium aus russischer Produktion nach Europa weiterverkauft, mutmaßen die Rohstoffexperten der Deutschen Rohstoffagentur. Denn für in Russland erzeugtes Helium gilt seit September 2024 ein Importverbot in die EU. Eine Ausweitung des Dreieckhandels von Russland über China nach Europa – so wenig das politisch gewünscht wäre – ist schon deshalb unwahrscheinlich, weil dafür spezialisierte Transportcontainer benötigt würden, die kurzfristig nicht in ausreichender Zahl vorhanden sind.
Helium-Speicher in Westfalen soll Engpass überbrücken
Wie lange die hiesige Industrie auf die Versorgung aus Katar verzichten kann, hängt vom Füllstand des Heliumspeichers im westfälischen Gronau-Epe ab. Der verfügt grundsätzlich über die Kapazitäten, die EU-Industrie einige Monate mit Helium zu beliefern. Der aktuelle Füllstand des Speichers ist allerdings nicht bekannt. Auf Anfrage des „Kölner Stadt-Anzeiger“ wollte der Eigentümer Air Liquide keine Angaben machen.

