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Tankrabatt zu teuer
Tempolimit, E-Autos – Spritpreisexplosion bietet auch Chancen

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Die Preise für Diesel und Benzin sind an einer Tankstelle zu sehen. Am 1. April tritt die Spritpreisbremse in Kraft - seit heute dürfen Tankstellen nur einmal täglich, um 12.00 Uhr, die Preise erhöhen. Preissenkungen sind jederzeit erlaubt.

Die Preise für Diesel und Benzin sind an einer Tankstelle zu sehen. Am 1. April tritt die Spritpreisbremse in Kraft - seit heute dürfen Tankstellen nur einmal täglich, um 12.00 Uhr, die Preise erhöhen. Preissenkungen sind jederzeit erlaubt. 

Die Benzinpreise sind ärgerlich, aber auch eine Chance für Veränderung. Ein Kostendeckel wäre viel zu teuer.

Die hohen Spritpreise sind mehr als ein Ärgernis. Sie treffen Pendler genauso hart wie Familien auf dem Weg in den Urlaub. Nun werden die Rufe nach dem Staat laut, diesen Notstand zu beseitigen. Eine erste Maßnahme ist bereits umgesetzt. Die Tankstellen in Deutschland dürfen nur noch einmal täglich die Spritpreise erhöhen.

Die schwarz-rote Koalition prüft weitere Schritte für den Fall, dass der Iran-Krieg länger andauert und die Preise weiter steigen. Nach einer Sitzung der von den Koalitionsfraktionen eingesetzten Arbeitsgruppe am vergangenen Freitag wurden verschiedene Möglichkeiten genannt.

Dazu zählen: eine temporäre Entlastung über die Pendlerpauschale, eine Pauschalentlastung über Daten der Kfz-Steuer, eine befristete Senkung der Energiesteuer und die Senkung der Stromsteuer für alle. Daneben geht es um einen Spritpreisdeckel sowie die Einführung einer „Übergewinnsteuer“ - eine Art Extra-Steuer für kriegsbedingte Profite von Mineralölkonzernen.

Ein Tankrabatt ist kostspielig

Doch von solch pauschalen Eingriffen in den Markt ist dringend abzuraten. Ein Preisdeckel beim Sprit wäre ein völlig falsches Signal in den Markt für fossile Brennstoffe, zu denen auch Heizöl gehört.

Ein Tankrabatt ist kostspielig, er kommt vielen zugute, die eine Entlastung nicht brauchen. Je größer nämlich das Auto mit Verbrennermotor, desto größer die Entlastung durch den Preiseingriff auf Kosten der Allgemeinheit. Denn wenn der Staat auf einen Teil der Steuern auf Benzin verzichtet, muss er sich die fehlenden Mittel fiskalisch auf anderem Wege beschaffen, oder bestimmte Ausgaben einstellen. Auch die neue Preisregel wird verpuffen, das hat sich in Österreich gezeigt. Im ungünstigsten Fall treibt sie die Preise sogar weiter an. Die Zeit mit dem günstigsten Sprit auf eine Uhrzeit zu legen, wo fast alle arbeiten, ist unsinnig.

Knappheitssignal regt zum Sparen an

Der hohe Benzinpreis ist ja auch nicht willkürlich. Er signalisiert schlicht eine Knappheit im Markt mit fossilen Brennstoffen. Dieses Knappheitssignal ruft uns zum Sparen auf. Das entlastet nicht nur den Geldbeutel, sondern belohnt auch Sparsamkeit beim Fahren und Heizen.

Jetzt bietet sich die einmalige Chance, ein Tempolimit auf Autobahnen – und sei es nur temporär – mit einem breiten Konsens einzuführen. Ein generelles Tempolimit von 120 km/h oder 130 km/h auf deutschen Autobahnen könnte jährlich schätzungsweise zwischen 1,3 und 4,7 Milliarden Liter Sprit einsparen. Dies entspricht laut Umweltbundesamt einer Reduzierung der CO₂-Emissionen um rund 1,6 bis 5,4 Millionen Tonnen pro Jahr, abhängig von der Höhe des Limits und der Befolgung.

Echte Chance für temporäres Tempolimit

Der Gesamtkraftstoffverbrauch des Auto-Verkehrs würde dadurch um etwa 1,5 bis vier Prozent sinken. Und auch hier gilt: Sinkende Nachfrage führt zu sinkenden Preisen. Bei allem Ärger sollte man die Spritpreisexplosion nutzen, um neue Lösungen zu finden. Hohe Benzinpreise können ein Anreiz sein, doch mal das Deutschland-Ticket zu testen und die Bahn zu nehmen. Je höher der Spritpreis, je größer der Anreiz, auf ein sparsameres Auto umzusteigen.

Elektroautos waren lange Ladenhüter. Der aktuell hohe Benzinpreis macht sie derzeit immer wettbewerbsfähiger. Indirekt wirkt der hohe Kraftstoffpreis wie ein zusätzlicher Kaufanreiz für Stromer. Kommt der Strom fürs E-Auto sogar aus der eigenen Solaranlage auf dem Dach, kann man sich sogar gänzlich von den Eskapaden der Ölmärkte abkoppeln.