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Interview

Elon Musks Pläne im All
„Ein bisschen Science-Fiction ist ein guter Treiber für Technologien“

6 min
February 21, 2026, Cape Canaveral, Florida, USA: A SpaceX Falcon 9 rocket carrying 28 Starlink satellites, lifts off from Space Launch Complex-40 at Cape Canaveral Space Force Station, Florida, at 10:47 p.m. EST on Feb. 21, 2026. Cape Canaveral USA PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY - ZUMAb268 20260221_znp_b268_001 Copyright: xJenniferxBriggsx

Start einer SpaceX-Rakete in Cape Canaveral, Floria.

Internet aus dem All, die Besiedlung von Mond und Mars, KI-Rechenzentren im Erdorbit – ein Experte ordnet die Visionen von Elon Musk ein und erklärt, welcher Konkurrent ihm gefährlich werden könnte.

Herr Schmid, Elon Musk ist sehr umtriebig, was das Weltraumgeschäft angeht. Seine neueste Vision besteht darin, KI und Raumfahrt zu verschmelzen. Um den wachsenden Energiebedarf der KI-Infrastruktur auf der Erde abzudecken, will er Satelliten im All als Datenzentren installieren. Luftschloss oder realistisches Zukunftsszenario?

Volker Schmid: Ich halte es für ambitioniert, aber nicht unmöglich. Der Vorteil da oben ist unbegrenzte Energie durch die Sonne. Gleichzeitig ist es kalt genug, um Überschusswärme ins All abzustrahlen. Technisch kann man sich solch ein System deshalb schon vorstellen.

Sie scheinen trotzdem skeptisch.

Selbst, wenn man die Nutzlast kostengünstig in die Orbits bekommt, sind die Bedingungen harsch. Die Recheneinheiten, die ja sicherlich auf eine Art Konstellation verteilt sind, müssen strahlungssicher sein. Dazu kommen Temperaturunterschiede in der Erdumlaufbahn von minus 150 im Erdschatten bis plus 150 Grad Celsius auf der Tagseite. Bei verteiltem Rechnen benötigt man eine stetige Verbindung zwischen den Satelliten, per Laserlink. Das ist zwar bei Starlink auch gegeben, aber hier eventuell eine größere technische Herausforderung. Betrieb und mögliche Wartung kommen hinzu. Die Robotik ist noch nicht so weit, als dass sie alles von der Erde aus steuern könnte. Der Mensch ist in vielen Bereichen unerlässlich – und er wird es möglicherweise auch bleiben. Außerdem muss solch ein Rechenzentrum wirtschaftlich sein. Inwiefern das darstellbar ist, kann ich nicht einschätzen. Noch steht das billigste und das am einfachsten zu erbauende Rechenzentrum auf der Erde. Man muss aber auch sagen: Ein bisschen Science-Fiction ist gar nicht schlecht und ein guter Treiber für Technologien.


Volker Schmid ist seit mehreren Jahrzehnten im internationalen Raumfahrtgeschäft aktiv. Mit dem in Köln ansässigen Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und in Zusammenarbeit mit der Europäischen Weltraumagentur ESA leitete der Diplom-Ingenieur drei Missionen zur Internationalen Raumstation ISS. Dabei war er auch für die Raumflüge der deutschen Astronauten Alexander Gerst und Matthias Maurer verantwortlich. Inzwischen berät er im Vorstandsbereich des DLR.

Volker Schmid steht neben einem runden, medizinballrunden, flachen Roboter, der ein Gesicht mit Mund und Augen zeigt.

Volker Schmid entwickelte und betreute rund 15 Experimente auf der ISS, unter anderem das „fliegende Gehirn“ namens „Cimon“: ein KI-basierter, autonom handelnder Astronauten-Assistent.


Elon Musk hat seine Kritiker schon häufig eines Besseren belehrt …

Klar, er hat Starlink realisiert. Er hat das Transportgeschäft skaliert, hat die Raumstation im Auftrag der Nasa versorgt, das muss man schon anerkennen. Er hat vieles angeschoben, mehr Dynamik und Flexibilität in den Raumtransport gebracht, was Fachleute als Unfug abgetan haben. Wenn jemand etwas absolut will, den Rückhalt und das Budget hat, kann er das schaffen. Satelliten bauen, sie hochschießen, rechnen lassen, das ist möglich. Die Frage ist: Ist es wirtschaftlich? Gibt es genügend Kunden, die solch ein System nutzen? Ist es sinnvoll und nachhaltig und kann es im Wettbewerb mit erdgebundenen Rechenzentren bestehen? Welche Konsequenzen können Ausfälle solcher Systeme haben?

Inwiefern treibt Musk die Branche voran? 

Er pusht das Geschäft durch neue Ideen, das kann man schon sagen. Programme, für die wir in Europa erst Konsens und Geld finden müssen, setzt er einfach um. Das ist der Vorteil von Commercial Space: Wenn Geld, Wille und Rückhalt durch die Administration vorhanden sind, ist die Umsetzung einfacher beziehungsweise geht sie schneller. Trotzdem braucht sich Europa nicht zu verstecken. Verglichen mit den US-Budgets leisten wir zum Beispiel beim Thema Erdbeobachtung und Navigation eine Menge und sind oftmals effizienter und nachhaltiger.

Elon Musk at the World Economic Forum 2026 Annual Meeting Elon Musk in conversation with Laurence D. Fink, Chair and CEO of BlackRock at the World Economic Forum 2026 Annual Meeting in Davos, Switzerland, Credit:World Economic Forum / Avalon Davos, Switzerland PUBLICATIONxNOTxINxUKxFRAxUSA Copyright: xWorldxEconomicxForumx/xAvalonx 1068571886

Elon Musk beim Weltwirtschaftsforum in Davos

Im Zentrum von Musks Plänen steht das Starship, das Großraketenprojekt seines Raumfahrtunternehmens SpaceX, das bemannte Flüge zu Mars, Mond, ISS und Transportflüge übernehmen soll. Wann wird es im Einsatz sein?

Technisch ist er da noch nicht so weit, wie es die ambitionierten Pläne vermuten lassen würden. Das Starship müsste längst fliegen können, samt nachgewiesenen technischen Fähigkeiten wie Betankungen, Kopplungen und Landemanövern. Das müsste flutschen wie sonst was – tut es aber nicht. Es ist eben Rocket Science. Natürlich ist es komplex, so ein riesiges Schiff, so eine Rakete zu bauen und zu betreiben. Niemand hat industriell so etwas je erschaffen. Man muss Musk zugutehalten, dass Start, Rückkehr und Einfangen der Starship-Erststufe schon funktionieren. Andere technische Features, die es braucht, um zum Mond oder zum Mars und zurück fliegen zu können, liegen in der technologischen Reife aber noch nicht vor. Als Missionsleiter würde ich aus meiner persönlichen Sicht noch niemanden mit diesem System losschicken.

Aber er will doch den Mars besiedeln. Woran scheitert es?

Er hat den Nachweis noch nicht erbracht, dass Menschen einsteigen können und heil wieder zurückkommen. Mars-Missionen haben große technische Herausforderungen, angefangen bei der kosmischen Strahlung, die für Menschen über die Missionsdauer extrem schädlich, sogar tödlich sein kann. Weil Erde und Mars nur alle zwei Jahre günstig zueinanderstehen, kann man die Missionen also nur alle zwei Jahre aus bahnmechanischen Gründen mit chemischen Raketenantrieben energetisch sinnvoll durchführen. Die Szenarien für die Missionszeiten liegen zwischen 600 und 1000 Tagen und können, einmal auf die Marsbahn eingeschossen, nicht einfach abgebrochen werden. Kurz gesagt: Man muss auf jeden Fall hinkommen, um zurückzukommen. Und das heißt: Alles, was an Problemen unterwegs auftritt, muss dort gelöst werden. Und weil jegliche Logistik zum Mars teuer und riskant ist, müssten Ressourcen wie Atemluft, Trinkwasser und Treibstoff schon robotisch auf dem Mars genutzt und erzeugt werden. Die Technologie muss so robust sein, dass nichts während der Betriebszeit ausfällt. Da fehlt es noch.

Nun ist Elon Musk ja auch zurückgerudert und will doch erst einmal zum Mond.

Man kann eben nicht gegen die Physik arbeiten. Die Experten haben das immer angemerkt. Musk versucht nun, scheinbar verlorenes Terrain zurückzugewinnen.

Er redet von einer Mondstadt, die in zehn Jahren stehen soll. Wird es dazu kommen?

Der Mond bietet sich als Testfeld an. Dort können Technologien und Methoden erprobt werden, die für die Exploration des Sonnensystems von großer Bedeutung sind. Stichwort: Robustheit und Zuverlässigkeit von Technologien. Der Mond ist gegenüber dem Mars schnell erreichbar, in vier Tagen. Das Szenario ist also deutlich realistischer, wobei auch hier Landung, Betankung, Transport und Betrieb mit der etwa 50 Meter langen Starship-Oberstufe erst einmal klappen müssen. Zehn Jahre sind in Raumfahrtmaßstäben recht wenig. Hinzu kommt die politische Dimension: Amerikaner wollen so schnell es geht zum Mond – und die Chinesen wollen dort auch vor 2030 landen. China plant eine Mondstation und ein lunares Navigationssystem. Das ist auch ein Wettbewerb der Systeme. Wer also dort landen, bleiben und seine Systeme installieren kann, hat einen technischen Vorsprung.

Musk fürchtet eventuell um die Gunst von Investoren durch das Handeln von Bezos, der recht leise im Wettbewerb ist und durch Erfolge überzeugt.
Volker Schmid, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Jetzt reden Sie von den Staaten. Welche kommerziellen Akteure stehen dahinter?

Zum Beispiel ist Jeff Bezos beim Thema Mond wieder im Rennen. Sein Blue Lander und die Trägerrakete scheinen etwas einfacher umsetzbar zu sein als das Starship-Szenario. Mit Blue Origin arbeitet er schon länger an einer eher klassischen Mondlandefähre, die von Anfang an etwas weniger ambitioniert war. Etwa 2019 hatte ein Industriekonsortium um Bezos den Zuschlag für den Mondlander bekommen. Elon Musk klagte dagegen, der Auftrag für die Mondmission wurde durch die Nasa neu ausgeschrieben und SpaceX hat den Zuschlag bekommen. Jedoch liegt SpaceX um viele Jahre zurück. Jeff Bezos hat sich dann auf seine Touristenflüge – acht Minuten in der Schwerelosigkeit – konzentriert. Vor ein paar Wochen hat er aber angekündigt, dieses Geschäftsmodell vorerst einzustellen.

Vermutlich, um seine Ressourcen für das Mondprojekt zu bündeln.

Ja, Bezos braucht diese Teams mit der Erfahrung beim Betrieb von rückkehrfähigen Raketen.

Bezos konkurriert auch beim Thema Satelliten-Internet mit SpaceX. Warum dreht sich dann trotzdem immer so viel um Elon Musk?

Musk fürchtet eventuell um die Gunst von Investoren durch das Handeln von Bezos. Der ist recht leise im Wettbewerb und überzeugt durch Erfolge.