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Emirate verlassen die OpecWas der Austritt für Ölpreise und Saudi-Arabien bedeutet

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Skyline von Abu Dhabi

Die Emirate sind seit Jahrzehnten teil der Öl-Organisation Opec. (Archivbild)

Die Vereinigten Arabischen Emirate verlassen die Opec. Abu Dhabi will seine Ölförderung erhöhen und geht auf Konfrontationskurs zu Saudi-Arabien.

Austritt aus der Opec: Vereinigte Arabische Emirate gehen eigenen Weg. Die VAE verlassen zum 1. Mai die Opec und Opec+. Der überraschende Schritt aus Abu Dhabi wirft Fragen zu den Gründen und Folgen auf.

Die Entscheidung aus Abu Dhabi kommt unerwartet: Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) werden zum 1. Mai aus der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) und der erweiterten Opec+ austreten. Obwohl es seit Jahren Mutmaßungen über einen solchen Schritt gab, stellt sich nun die Frage nach dem genauen Zeitpunkt und den Konsequenzen.

Die Rolle des Ölkartells

Die Opec wurde im Jahr 1960 in Bagdad von Saudi-Arabien, Iran, Irak, Kuwait und Venezuela ins Leben gerufen. Das erklärte Ziel war, die Kontrolle über die eigenen Ölquellen zu erlangen und sie nicht mehr privaten, meist westlichen Konzernen zu überlassen. Förderabsprachen zur Beeinflussung des Ölpreises und zur Sicherung stabiler Einnahmen gehörten ebenfalls dazu. Die Mitgliederzahl variierte, beläuft sich aktuell aber auf 12 Staaten; nach dem Ausscheiden der Emirate werden es 11 sein.

Vor einem Jahrzehnt erweiterte die Opec ihre Kooperation auf andere Nationen. Diese als Opec+ bekannte Gruppe, angeführt von Saudi-Arabien und Russland, verfügt über deutlich höhere Förderkapazitäten und somit einen größeren Markteinfluss. Der Rückzug der Emirate erstreckt sich nun auch auf die Opec+.

Die Gründe für den Austritt

„Es ist nicht vollkommen überraschend“, äußert die Commerzbank-Analystin Thu Lan Nguyen. Schon vor dem Krieg habe es eine Auseinandersetzung um Fördermengen innerhalb der Opec gegeben. Die Emirate hätten den Wunsch und die Fähigkeit gehabt, mehr zu produzieren, als die für sie festgesetzte Quote vorsah. Nach Einschätzung von Nguyen blicken die VAE nun über das Ende des Iran-Kriegs hinaus, um nach Beendigung des Konflikts ihre Produktionskapazitäten optimal auszuschöpfen und die durch den Krieg entstandenen Ausfälle zu kompensieren.

Eine Schätzung des Baker Institute der Rice-Universität in Houston, Texas, aus dem Jahr 2023 deutete an, dass ein Austritt den Emiraten kurzfristig Gewinne bringen könnte. Eine „entfesselte“ emiratische Ölproduktion könnte laut der damaligen Analyse jährliche Zusatzeinnahmen von 50 Milliarden US-Dollar ermöglichen. Gleichzeitig wurde aber vor „zerbrochenen Beziehungen“ mit Saudi-Arabien und einem Preiskampf auf den Ölmärkten gewarnt.

In ihrer Austrittsmitteilung verweisen die Emirate auf „nationale Interessen und dem Ziel des Landes, aktiv zu den dringenden Bedürfnissen des Marktes beizutragen.“ Zudem werden die durch den Iran-Krieg verursachten Störungen in der Straße von Hormus erwähnt. Sultan Al Dschaber, der Chef des staatlichen emiratischen Ölkonzerns, bezeichnete es als eine „souveräne Entscheidung im Einklang mit der langfristigen Energie-Strategie und der wahren Kapazität bei der Produktion“.

Marktreaktionen und Preisentwicklung

Unmittelbar nach der Bekanntgabe fielen die Ölpreise leicht und gaben einen Teil ihrer Tagesgewinne wieder ab. Der Preisrückgang war jedoch von kurzer Dauer. Die festgefahrenen Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA sowie die mangelnde Aussicht auf eine baldige Erholung des Ölangebots dominierten die Stimmung, sodass die Ölpreise letztlich wieder stiegen.

„keine unmittelbaren Auswirkungen auf den globalen Energiemarkt haben“, prognostizierte David Oxley, Ökonom bei Capital Economics, bezüglich der Austritts-Ankündigung. Der Schritt signalisiere jedoch, dass das weltweite Angebot höher sein werde, als es ansonsten der Fall wäre, sobald die Straße von Hormus wieder geöffnet ist, erklärte er.

Die Commerzbank-Expertin Nguyen äußerte eine ähnliche Einschätzung hinsichtlich einer mittel- bis längerfristigen Ausweitung des Angebots. Dies könnte global zu einer Normalisierung der durch den Krieg gestiegenen Ölpreise führen. „Das entspannt mittel- bis längerfristig den Ausblick am Ölmarkt“, sagte sie. Die Analystin merkte an, dass die Vereinigten Arabischen Emirate schon vor dem Krieg über beträchtliche ungenutzte Förderkapazitäten verfügten.

Verschärfter Machtkampf am Golf

Das saudische Königreich besitzt durch seine immensen Produktionskapazitäten und gewaltigen Ölreserven – es verfügt über rund 17 Prozent der weltweit nachgewiesenen Reserven – eine Vormachtstellung in der Opec. Durch das Opec+-Bündnis, dem auch Russland angehört, hat Saudi-Arabien seinen Einfluss weiter vergrößert. Mit dem Verlassen von Opec und Opec+ wenden sich die Emirate vom gesamten Kartell ab und lösen sich vom saudischen Führungsanspruch.

Abu Dhabi und Riad, lange Zeit enge Partner am Golf, agieren immer mehr als Konkurrenten und tragen diesen Wettstreit zunehmend offen aus. Sie unterstützen unterschiedliche Parteien im Jemen und im Sudan und verfolgen abweichende Strategien in Bezug auf Israel. Auch wirtschaftlich konkurrieren die beiden Monarchien um Investitionen, Handel und Tourismus. Saudi-Arabien steht nun vor der Aufgabe, die Opec zusammenzuhalten. Einige prognostizieren bereits den Anfang vom Ende des Kartells. Das israelische Nachrichtenportal „ynet“ schrieb, die Emirate hätten die Opec „zerbrochen“.

Die Perspektive der Vereinigten Staaten

Für die USA, den größten Ölproduzenten der Welt, ist diese Entwicklung ein Balanceakt. Einerseits verliert das einflussreiche Opec-Kartell, das jahrzehntelang die Preise diktierte, an Macht. Sollte tatsächlich mehr Öl auf den Markt kommen, könnten die Benzinpreise für US-Verbraucher sinken. Dies würde US-Präsident Donald Trump wenige Monate vor den wichtigen Kongresswahlen erheblich begünstigen.

Es ist jedoch ungewiss, ob die Straße von Hormus bis Anfang November wieder dauerhaft für den Schiffsverkehr befahrbar sein wird. Zugleich muss die US-Regierung darauf achten, dass die Preise nicht zu stark fallen. Sinken sie unter ein bestimmtes Niveau, wäre die Ölförderung in den USA nicht mehr rentabel. (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.