Sechs Jahre nach dem Brexit wollen Berlin und London ihre Wirtschaftsbeziehungen stärken, doch der Handel hinkt hinterher.
Hürden nach dem BrexitHandel mit Großbritannien erholt sich nur sehr langsam

London im Blick: In Berlin geht es um die deutsch-britische Wirtschaftsbeziehung. (Archivbild)
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Mehr als sechs Jahre nach dem EU-Austritt Großbritanniens intensivieren Berlin und London ihre Bemühungen um eine erneute Annäherung. Im Rahmen eines Wirtschaftsforums in der deutschen Hauptstadt sollen heute die weiteren Maßnahmen vorgestellt werden. Zum Start des „Germany-UK Business-Government Forum“ werden Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) und ihr britischer Amtskollege Peter Kyle sprechen. Dieses Treffen basiert auf dem Kensington-Vertrag, der im Juli 2025 unterzeichnet wurde.
Fachleute konstatieren trotz der Anstrengungen weiterhin erheblichen Verbesserungsbedarf. „Die deutsch-britische Wiederannäherung ist aus wirtschaftlicher Perspektive überfällig“, formuliert es Marc Lehnfeld von der staatlichen Gesellschaft Germany Trade and Invest (GTAI) in London. Ähnlich äußerte sich York-Alexander von Massenbach von der Britischen Handelskammer in Deutschland (BCCG) gegenüber der Deutschen Presse-Agentur: „Die Herausforderungen der Post-Brexit-Welt sind in der Praxis für unsere Mitglieder unverändert spürbar.“

Bundeskanzler Friedrich Merz (l.) und Premierminister Keir Starmer unterzeichneten den Kensington-Vertrag. (Archivbild)
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Warenaustausch erreicht noch nicht das frühere Level
Infolge des EU-Austritts 2020 war das Vereinigte Königreich im Jahr 2022 temporär nicht mehr unter den zehn wichtigsten Handelspartnern Deutschlands gelistet. Mit einem Warenaustausch im Wert von 118,4 Milliarden Euro erreichte das Land 2025 laut dpa-Informationen wieder den neunten Rang. Vor dem Brexit zählte Großbritannien jedoch beständig zu den fünf bedeutendsten Partnern.
Preisbereinigt befindet sich der bilaterale Warenaustausch laut GTAI-Analysen etwa 16 Prozent unter dem Stand des Jahres 2019, also vor dem Austritt. Gemessen am Volumen beträgt der Rückstand demnach sogar 27 Prozent. Für das Vereinigte Königreich stellt Deutschland nach den USA und China den Handelspartner mit der Nummer drei dar, wie die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) mitteilt.
Bürokratie und Fachkräftemangel als Belastung für Firmen
Die Hindernisse im Handel und für Firmen, die durch den Brexit entstanden sind, bleiben beträchtlich. Hierzu zählen Zollabwicklungen, die zu erhöhtem administrativem Aufwand und verlangsamten Lieferketten führen, sowie abweichende Produktnormen und Zertifikate. Die nicht mehr geltende Arbeitnehmerfreügigkeit der EU sorgt überdies für Unsicherheit und erschwert die Planung. Die britische Administration unter Premierminister Keir Starmer lehnt eine Rückkehr in die Zollunion bisher ab.
„Grenzüberschreitend ist der Arbeitskräftemangel eine große Hürde. Hinsichtlich der Visa-Regulationen wäre mehr Flexibilität wünschenswert, insbesondere für Branchen mit Arbeitskräftemangel“, erklärte von Massenbach. Er fügte hinzu, dass zur administrativen Entlastung von kleinen und mittleren Unternehmen eine Vereinfachung der Vorschriften sowie eine Kostensenkung zweckmäßig wären.

Der britische Wirtschaftsminister Peter Kyle ist zu Gast beim britisch-deutschen Wirtschaftsgipfel. (Archivbild)
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Britischer Sektor legt Fokus auf Energie und Verteidigung
Besondere Potenziale identifizieren Fachleute im britischen Energiesektor und in der Sicherheits- und Verteidigungsbranche. Die Regierung in London hat sich das Ziel gesetzt, eine „Supermacht der sauberen Energie“ zu werden und die Stromerzeugung bis 2030 nahezu emissionsfrei zu machen. „Dazu gehört der Ausbau der britischen Offshore-Windenergie als weltweit zweitgrößtem Markt nach China“, hält GTAI-Experte Lehnfeld fest.
Im Rüstungssektor hat Premierminister Starmer eine Anhebung der Ausgaben ab 2027 auf 2,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts angekündigt. Informationen der GTAI zufolge haben sich bereits diverse deutsche Firmen in Großbritannien angesiedelt. Beispielsweise fertigt Rheinmetall 623 Transportpanzer für die Armee des Vereinigten Königreichs.
Deutsche Fahrzeuge bleiben wichtigstes Exportprodukt
Betrachtet man die deutschen Warenausfuhren nach Großbritannien, ist das Automobil weiterhin der entscheidende Erfolgsfaktor. „Die Neuwagenregistrierungen in UK sind 2025 um 3,5 Prozent auf über zwei Millionen Pkw gestiegen“, teilte Lehnfeld der dpa mit. „Die deutschen Pkw-Exporte wiederum stiegen im gleichen Zeitraum um über 12 Prozent auf 15,8 Milliarden Euro an.“ Deutschlands bedeutendstes Ausfuhrgut auf die Insel macht somit erneut jeden fünften Euro der gesamten deutschen Exporte dorthin aus.
Der Handel mit Gold stelle ebenfalls einen relevanten Faktor dar, so der GTAI-Direktor. Im Jahr 2025 entfielen auf Gold circa fünf Prozent des gesamten Exportwertes. Jedoch hat sich dieser Wert im Vergleich zu 2024 mit einem Minus von rund 45 Prozent beinahe halbiert.

Deutsche Autos bleiben beliebt bei den Briten. (Archivbild)
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Konflikte wie jener im Nahen Osten könnten den Handel zwischen beiden Staaten zusätzlich beeinträchtigen, so die Einschätzung der Experten. „Steigen die Energiepreise weiter und verteuern sich Produktion und Vorleistungen entlang der industriellen Wertschöpfungsketten, drohen Investitionspläne auf Eis gelegt zu werden“, gab Lehnfeld zu bedenken. Das könnte die Ausfuhren von Industriemaschinen und Vorleistungsgütern reduzieren und die positive Grundstimmung in der deutsch-britischen Wirtschaft beeinträchtigen. (dpa/bearbeitet durch Gemini 2.5 Pro)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.
