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„Es herrscht große Unsicherheit“Trotz der weltweiten Krisen boomt die Reisebranche

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Eine Frau steht vor einem Urlaubfotoplakat mit Meer und Strand.

Nur wenige Tage nach Beginn des Kriegs treffen sich derzeit in der Hauptstadt Tausende Touristiker auf der ITB, der weltweiten Leitmesse der Branche.

Die Auswirkungen des  Iran-Kriegs überschattet auch die ITB. Große Anbieter wie Tui und Dertour sprechen aber von ungetrübter Reiselust. 

Die weltgrößte Tourismusmesse ITB in Berlin wird überschattet von den Ereignissen im Nahen Osten. Nur wenige Tage nach Beginn des Kriegs treffen sich derzeit in der Hauptstadt Tausende Touristiker auf der Leitmesse der Branche.

Das Thema ist gesetzt: Aktuell sind noch Tausende deutsche Pauschalreisende betroffen, die die Golfregion nicht verlassen können. „Die Gäste werden nun mit den jeweiligen Airlines, mit denen sie angereist sind, ausgeflogen“, sagte Tui-Chef Benjamin Jacobi dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ am Rande einer Pressekonferenz in Berlin. Er erwäge auch, bei Kapazitätsengpässen eigene Flieger aus dem Tui-Konzern einzusetzen. Der Tui-Chef versicherte, Kunden werde weder für einen aufwändigeren Rücktransport noch für zusätzliche Hoteltage Kosten entstehen.

Dertour: Alle Reisen in Nahostgebiete mit Reisewarnung abgesagt

Man beobachte die Situation mit großer Sorge und unterstütze betroffene Gäste, teilte auch der Kölner Reiseanbieter Dertour mit. Das Unternehmen stehe im engen Kontakt mit Behörden im In- und Ausland und reagiere mit Umbuchungen, kostenfreien Stornierungen oder alternativen Rückreisemöglichkeiten. Alle Reisen in Nahostgebiete mit Reisewarnung sagte Dertour in Deutschland bis einschließlich Donnerstag ab. Unsicherheit herrscht nicht nur bei Reisenden, die ganze Branche spricht in Berlin über die Auswirkungen des Konflikts. „Der Krieg verschärfe für die Branche die wirtschaftlichen Unwägbarkeiten“, resümierte Anke Budde, Präsidentin der Allianz Selbstständiger Reiseunternehmen.

Ungeachtet dessen blicken Reiseunternehmer positiv auf das bald startende Sommergeschäft. Laut einer aktuellen Umfrage im Auftrag der Tui haben 32 Prozent der Befragten ihren Sommerurlaub bereits gebucht, weitere 53 Prozent planen zu verreisen. Beliebtester Kontinent ist dabei Europa mit fast 58 Prozent. Den stärksten Rückgang verbuchen die USA, ohne dass Tui-Chef Jacobi Zahlen dazu nannte. Viele Passagiere seien auf Kanada ausgewichen. Er betonte aber, wie günstig US-Reisen aktuell wegen des schwachen Dollars seien. Die Lieblingsreiseziele der Tui-Kunden sind aktuell wie schon seit Jahren Antalya, Mallorca und Kreta, gefolgt von Hurghada in Ägypten. Ein zunehmender Trend ist demnach  das Angebot von Hotels, die Kinder ausschließen, außerdem Angebote für Soloreisende. Funfact am Ende der Tui-Pressekonferenz: 13 Prozent der befragten Kinder würden lieber mit ihrem Haustier verreisen als mit ihren Eltern.

Nach Belgrad, Tuzla und London Gatwick von Köln aus

Trotz geopolitischer Krisen beobachtet auch Dertour, der zweitgrößte deutsche Reiseveranstalter, bisher eine ausgeprägte Reiselust. „Die jüngste Zuspitzung in Nahost zeigt: Wir leben in einer zunehmend volatilen Welt. Doch trotz geopolitischer Krisen, Klimarisiken und wachsender Digitalisierung bleibt der Wunsch nach Urlaub sehr stark“, sagte Dertour-Chef Christoph Debus. Man sei mit der Buchungsentwicklung aktuell sehr zufrieden. Gleichzeitig beobachte das Unternehmen einen steigenden Beratungsbedarf der Kunden – und das nicht erst seit der jüngsten Eskalation im Nahen Osten. „Kunden informieren sich stärker zur Situation vor Ort“, sagte Debus. Gerade in Zeiten globaler Unsicherheit nehme die Nachfrage nach Unterstützung durch Reiseveranstalter deutlich zu.

Der Flughafen Köln/Bonn ist zuversichtlich, was den Sommerflugplan angeht. Wie Flughafen-Chef Thilo Schmid dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ sagte, gebe es elf neue Ziele ab Köln/Bonn, darunter Belgrad, Tuzla und London Gatwick.

Eurowings führt zum Start der weltgrößten Reisemesse nach einem erfolgreichen Markttest neue Premiumsitze auf acht Flugzeugen des Typs Airbus A320neo ein – und verändert damit einen seit Jahrzehnten gebräuchlichen Kabinenstandard im Luftverkehr. Statt einer durchgängigen 2×3-Bestuhlung setzt Eurowings in den ersten beiden Sitzreihen auf ein 2×2-Layout mit acht Premium-Sitzen – ein Novum im deutschen Markt, wie der neue Eurowings-Chef Max Kownatzki am Montagabend vor Journalisten mitteilte.