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Konzernumbau trägt FrüchteDeutz AG beschleunigt Wachstum

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Fahnen mit dem Deutz-Logo wehen vor dem Eingang des Motorenwerkes in Köln.

Die Kölner Industrieikone Deutz erfindet sich mit Investitionen in Rüstung und Notstrom-Systeme neu.

Kölner Industrie mit guten Nachrichten: Mehr Umsatz und Profit, höherer Börsenwert und Aufstieg in den MDax. Das Engagement in Rüstung und Stromaggregate zahlt sich aus. Eine Zukunftsparte bereitet dennoch Sorgen.

Gute Nachrichten aus der Kölner Industrie sind rar. Deutz liefert sie. Der Kölner Motorenbauer hat 2025 knapp 13 Prozent mehr Umsatz erzielt als im Vorjahr und damit die Zwei-Milliarden-Euro-Grenze knapp überschritten. Der Auftragseingang deutet an, dass das Wachstum in ähnlichem Tempo anhält. Auch hier liegt die Deutz AG knapp 14 Prozent über dem Vorjahreswert.

Die Zuwächse gelangen dem Traditionsunternehmen zudem bei gesteigerter Profitabilität. Auch die Rendite vor Steuern und Zinsen (EBIT) kletterte von 4,2 Prozent im Vorjahr auf zuletzt 5,5 Prozent. Über das Jahr hinweg hat die Kennzahl sich stetig verbessert. Im Schlussquartal 2025 erreichte die Rendite bereits 6,8 Prozent.

Service stark, Motorenverkauf durchwachsen

Das klassische Motorengeschäft verlief dabei durchwachsen, räumte Deutz-CEO Sebastian Schulte ein. Deutz berichtet von Umsatzeinbußen bei kompakten Dieselmotoren, größere Industriemotoren verkauften sich hingegen gut. Das margenstarke Service-Geschäft mit Wartung und Ersatzteilen erwies sich einmal mehr als Umsatz-Stütze. Das Wachstum kommt aber zunehmend aus den neueren Geschäftsfeldern von Deutz, vor allem aus den Sparten Energy und Defence.

Damit scheint sich der vom Management vorangetriebene Konzernumbau auszuzahlen. Der sieht vor, Deutz breiter aufzustellen. Dieselbetriebene Notstromaggregate gehören nun genauso zum Portfolio wie unterschiedliche Beteiligungen im boomenden Verteidigungssektor, speziell in der Drohnentechnik. Dort hatte Deutz im September den Elektronikspezialisten Sobek zugekauft, der unter anderem Antriebe für Militärdrohnen baut.

Neue Konzernstruktur

Die Strategie bildet sich seit Jahresanfang auch in der Konzernstruktur ab. Deutz hat sich in fünf weitgehend unabhängige Business Units gegliedert. Das soll den einzelnen Einheiten ermöglichen, agiler auf die jeweiligen Anforderungen zu reagieren. Neben dem klassischen Motorengeschäft, der Service-Einheit, Energielösungen und Rüstung zählt dazu die Sparte New Tech, die etwa batterieelektrische oder wasserstoffbasierte Alternativen zum Dieselmotor entwickelt, derzeit aber noch kaum Umsätze vorweisen kann.

„Wenn der Markt anspringt, sind wir da“, bekräftigte Schulte bei der Vorstellung der Zahlen die Bedeutung dieser Deutz-Säule, die das Unternehmen auch 2026 wieder mit Verlusten in Höhe von 20 bis 30 Millionen belasten wird.

Umsatz soll sich bis 2030 verdoppeln

Deutz kann sich die Investition in eine möglicherweise noch recht weit entfernte Zukunft leisten. Denn obwohl Schulte betont, „unsere Motoren werden noch für Dekaden gebraucht werden“, ist die Transformation des Unternehmens längst im Gange. Die Sparte Energy soll unter anderem mit Lösungen für Rechenzentren bis 2030 jährlich um 20 Prozent wachsen und am Ende der Dekade Einnahmen von 500 Millionen Euro zum Deutz-Ergebnis beisteuern. Ähnlich dynamisch sollen die Ergebnisse in der Sparte Rüstung  und New Tech (beide 300 Millionen Euro ab 2030) entwickeln. 

Deutz-CEO Sebstian Schulte im neuen automatischen Lagersystems von Deutz in Kalk.

Vorstandschef Sebastian Schulte sieht Deutz auf bestem Weg, die ambitionierten Ziele für das Jahr 2030 zu erreichen. Bis dahin will das Unternehmen seinen Umsatz verdoppeln.

Selbst dem etablierten Motorengeschäft traut Deutz über diesen Zeitraum hinweg ein durchschnittliches Wachstum von acht Prozent jährlich zu, unter anderem getrieben von der Markteinführung neuer Motoren. In Summe peilen die Kölner damit eine Umsatzverdoppelung bis 2030 an. Das entspricht einem jährlichen Wachstum über alle fünf Business Units hinweg von 14 Prozent pro Jahr.

Aufstieg in den MDax

Weil die Wachstumsfelder zudem deutlich profitabler sind, als der bislang dominierende Vertrieb von Motoren für Land- und Baumaschinen, soll Deutz im Zuge des Umbaus zudem profitabler werden. „Ziel ist es, die bereinigte EBIT-Rendite bis 2030 auf zehn Prozent zu steigern“, bekräftigte Schulte.

Die Börse hat den Kurs des Managements bereits honoriert. Verglichen mit dem Jahresanfang 2025 hat sich der Börsenwert der AG zeitweise verdreifacht. Am Montag stieg Deutz in die zweite deutsche Börsenliga MDax auf und zählt damit zu den 90 wertvollsten börsennotierten Unternehmen des Landes. Mit dem Beginn des Iran-Kriegs erlitt die Börsenrallye einen Dämpfer. Der Konflikt schlägt sich allerdings noch nicht in den Zahlen nieder.

Bislang kein negativer Einfluss durch den Iran-Krieg

„Wir sehen bislang keinerlei negativen Einfluss auf unser Geschäft“, so Schulte. Im Gegenteil, beispielsweise im Bau habe sich die Stimmung unter den Deutz-Kunden zuletzt leicht verbessert. Die Tendenz sei auch im März nicht abgerissen, nachdem der Konflikt in Nahost bereits begonnen hatte. Deutz spricht daher von einem „positiven Momentum“, das sich in der zweiten Jahreshälfte noch verstärken soll. Auf dieser Basis prognostiziert das Unternehmen einen Umsatz 2026 zwischen 2,3 und 2,5 Milliarden Euro und eine EBIT-Rendite zwischen 6,5 und 8 Prozent.

Weitere Zukäufe möglich

Trotz der jüngsten Zukäufe sieht sich das Unternehmen mit einer Eigenkapitalquote von gut 50 Prozent solide aufgestellt – auch um weitere Übernahmen in der Zukunft stemmen zu können. Man investiere nicht in Hypes, sondern mit langfristiger Perspektive, unterstrich Schulte. Außerdem engagiere man sich nur da, wo man zum Erfolg des neuen Partners beitragen könne, „damit eins plus eins mehr als zwei ergibt“, so Schulte. Unter diesen Voraussetzungen sei Deutz aber weiter offen für Partnerschaften und Zukäufe. Zur Hauptversammlung am 13. Mai schlägt das Management eine leichte Dividendenerhöhung von 17 auf 18 Cent je Aktie vor.