Eigenmarken werden bei Rewe immer beliebter. Konzernchef Lionel Souque erklärt, warum Markenprodukte an Bedeutung verlieren.
Marken verlieren BedeutungRewe-Chef erklärt, warum Kunden lieber zu Eigenmarken greifen

Der Handelskonzern Rewe setzte 2025 mehr um als im Vorjahr. (Archivbild)
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Rewe: Eigenmarken verdrängen zunehmend bekannte Markenprodukte Die Beliebtheit von Markenartikeln wie Schokolade oder Kaffee lässt bei Rewe nach. Der Chef des Kölner Konzerns, Lionel Souque, erläutert die Gründe für den Wandel im Kaufverhalten und die Strategie des Unternehmens.
Für den Einzelhandelskonzern Rewe hat die Relevanz von Markenprodukten, beispielsweise Schokolade oder Kaffee, in den letzten Jahren abgenommen. „Sie verlieren definitiv an Bedeutung. Wir können das zwar nicht für jeden Artikel sagen, aber insgesamt gehen Mengen und Umsätze im Vergleich zu unseren Eigenmarken zurück“, teilte der Rewe-Chef, Lionel Souque, der Deutschen Presse-Agentur mit.
Die preiswerteren Eigenmarken der Supermarktketten gewinnen aufgrund der erhöhten Kosten für Lebensmittel zunehmend an Zuspruch bei der Kundschaft. So konnten die Supermärkte von Rewe ihre Einnahmen mit diesen Artikeln im Jahr 2023 gegenüber dem Vorjahr um sechs Prozent ausbauen, was ein überdurchschnittliches Wachstum darstellt. Wie die dpa meldet, wächst der Umsatzanteil der hauseigenen Marken laut Souque jährlich und hat mittlerweile eine Quote von beinahe 30 Prozent erreicht.

Auch Rewe-Kunden kauften zuletzt häufiger Eigenmarkenprodukte. (Archivbild)
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Kunden greifen bei Marken nur noch im Angebot zu
„Die Menschen verstehen immer mehr, dass die Qualität der Produkte hoch ist“, so Souque. Zusätzlich vergrößere sich die Preisdifferenz zu den Markenartikeln stetig. Aus diesem Grund würden Konsumenten Markenwaren vermehrt nur noch bei Sonderaktionen erwerben. Als Exempel führte der Rewe-Chef Schokolade an. „Wir haben die Hersteller gewarnt, die Preise nicht zu stark zu erhöhen.“ Trotzdem hätten Produkte von Lindt, Mondelez, Nestlé und Mars eine weitere Preiserhöhung erfahren, was zu einem geringeren Absatz geführt habe. „Es gibt Kunden, die sagen: Solche Artikel kann ich mir nicht immer leisten“, erläuterte Souque.
Eine rezente YouGov-Umfrage belegt, dass aufgrund der erhöhten Lebensmittelkosten fast 30 Prozent der Konsumenten in Deutschland öfter bei Discountern einkaufen als noch vor ein bis zwei Jahren. Darüber zeigte sich Souque enttäuscht. „Es gibt weiterhin viele Leute, die glauben, dass Rewe teurer ist als Lidl oder Aldi.“ Diese Annahme sei allerdings unzutreffend. Daher sei eine effektivere Kommunikation der Preisgestaltung erforderlich.
Eine Analyse der Vergleichsanwendung Smhaggle ergibt, dass die Artikel der Basissortimente von Supermärkten und Discountern mit nur geringen Abweichungen preislich identisch sind. „Wir beobachten jede Woche die Preise“, sagte Souque. Sollte ein Konkurrent die Preise reduzieren, folge man diesem Schritt. In einem anderen Aspekt betrachtet er die Rewe-Filialen gegenüber Discountern als überlegen. „Wir haben viel mehr Auswahl.“

Lionel Souque ist Vorstandsvorsitzender der Rewe-Gruppe. (Archivbild)
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Rewe-Chef sieht keine Preissteigerungen durch Iran-Krieg
Nach Einschätzung des Rewe-Chefs sind bisher keine merklichen Effekte des Iran-Kriegs feststellbar. „Bis jetzt gibt es keine Preisanstiege und auch keine Anfragen aus der Industrie.“ Im Gegensatz zur Situation in der Ukraine stammten aus den betreffenden Regionen keine für Produzenten essenziellen Rohstoffe. Bei einer längeren Dauer des Krieges sei es jedoch denkbar, dass Verpackungsmaterialien und anschließend auch Nahrungsmittel kostspieliger werden. Die Preise in den Rewe-Filialen seien zwischen März 2023 und März 2024 nur um ein Prozent zugelegt, sagte Souque.
Die Rewe-Gruppe, deren Zentrale in Köln ansässig ist, erhöhte 2023 ihre gesamten Umsatzerlöse im In- und Ausland um 4 Prozent auf 100,4 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahr. Hierbei verzeichnete die Supermarktkette Rewe ein etwas höheres Wachstum (plus 3 Prozent) als die Discount-Tochtergesellschaft Penny (plus 0,7 Prozent). Die selbstständigen Rewe-Händler verbesserten ihre Einnahmen um über 7 Prozent. Ein besonders starkes Wachstum zeigte erneut der Touristikbereich Dertour, der von der ungebrochenen Reiselust profitierte und einen Zuwachs von 18 Prozent verzeichnete.
Mit 525 Millionen Euro fiel der Jahresüberschuss des Konzerns beinahe um die Hälfte geringer aus. In dieser Zahl sind selbstständige Rewe-Kaufleute sowie Beteiligungsfirmen nicht enthalten. Als ein Grund für die Reduzierung werden die Ausgaben für die Rabatt-Anwendungen von Rewe und Penny angeführt. Laut Unternehmensangaben werden diese von 18 Millionen Personen verwendet.
Eine Untersuchung des Kölner Handelsforschungsinstituts IFH legt dar, dass die Applikationen häufig nicht zu einer stärkeren Bindung der Kundschaft beitragen. Demzufolge verwenden zahlreiche Personen mehrere Apps parallel und entscheiden sich je nach verfügbarem Nachlass für einen anderen Händler. Souque äußerte sich trotzdem zufrieden. „Viele treue Kunden sind noch treuer geworden.“ Im abgelaufenen Jahr verzeichneten die Rewe-Supermärkte zwei Milliarden Kundenbesuche, was einer Steigerung von 48 Millionen gegenüber 2022 entspricht.
Unternehmensdaten im Überblick
In Deutschland unterhält die Supermarktkette Rewe circa 3.800 Standorte, während die Discount-Tochter Penny auf über 2.100 kommt. Die Anzahl der Beschäftigten des Handelsunternehmens in Deutschland beläuft sich auf 272.000. (dpa/bearbeitet durch Gemini 2.5 Pro)
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