Im Dezember eröffnete das kleine Restaurant. 20 Sitzplätze, offene Küche, großes Schaufenster. Die Gerichte sind simpel, klar und präzise.
Schmeckt’s, Frau Floß?Das Restaurant „Onda“ ist eine absolute Bereicherung für Köln

Sascha Bobb mit dem Gericht Verbrannter Lauch mit Petersilienwurzelpüree
Copyright: Arton Krasniqi
Es ist geschafft! Köln hat den Karneval überstanden. Lediglich ein paar Konfetti-Reste im Rinnstein erinnern an den bunten Orkan, der diese Stadt zerlegt hat. Nun ist die Zeit für Ruhe, Entgiftung und innere Einkehr. Am vergangenen Mittwoch begannen sowohl die christliche Fastenzeit als auch der Ramadan. Ich bin immer wieder erstaunt, wie viele Menschen in meinem Bekanntenkreis sich diesem bewussten Verzicht anschließen. Alle haben unterschiedliche Motive: religiös, spirituell oder medizinisch. Sie eint der Wunsch nach Klarheit – womit wir im „Onda“ wären.
20 Sitzplätze, offene Küche
Im Dezember eröffnete das kleine Restaurant. 20 Sitzplätze, offene Küche, großes Schaufenster. Küchenchef Sascha Bobb gewann tatsächlich bei einer Youtube-Serie die Möglichkeit, ein Restaurant zu eröffnen. Ich habe die Serie nie gesehen und bin dementsprechend komplett unvoreingenommen ins Restaurant gestiefelt. Zu diesem Zeitpunkt war die Reservierungslage bereits angespannt. Kurze Erinnerung: Das Restaurant hat 20 Sitzplätze. Jeder Platz, der leer bleibt, weil Gäste wahlweise nicht erscheinen oder extrem kurzfristig absagen, bedeutet wirtschaftlichen Verlust. Entsprechend streng sind die Reservierungsregeln, und das ist komplett nachvollziehbar.

In dem kleinen Lokal gibt es nur 20 Plätze.
Copyright: Arton Krasniqi
Der erste Eindruck: Die Stühle sind so bequem, dass ich nie wieder aufstehen möchte. Der zweite Eindruck: Hier hat jemand einen Plan und große Freude daran, ihn zu verwirklichen. Die Menükarte ist angenehm überschaubar und sehr saisonal gestaltet. Es gibt keine klare Aufteilung in Vorspeise und Hauptgang, sondern eher ein Sharing-Konzept in Zwischengang-Größe. Meine Empfehlung lautet: Kommt mit vier Personen und esst die Karte einmal rauf und wieder runter, denn diese ändert sich regelmäßig.
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Meine Highlights lassen sich grob mit Wurzelgemüse, Spitzkohl, Estragon-Hollandaise, Sonnenblumen-Nudeln und Grießbrei zusammenfassen. Die Petersilienwurzel wird unter anderem als knusprige Pommes mit Petersilien-Mayo serviert. Entweder werden die Gemüsestifte vor dem Fettbad mit Stärke bestäubt oder sogar durch Tempurateig gezogen. Diese Gemüsefritten sind dermaßen knusprig und aromatisch. Sollten Sie jemals nach einer Möglichkeit gesucht haben, Kinder (und auch Erwachsene) von der Petersilienwurzel zu überzeugen, versuchen Sie es damit.
Ihren zweiten Auftritt bekommt die helle Rübe in pürierter Form. Fein säuberlich getupft zwischen sehr zarten, absichtlich verkohlten Lauchstängchen. Dieser herrlich grüne Teller wurde mit dem angereichten Sauerteigbrot komplett sauber gewischt und ist ein sehr schönes Beispiel für den Küchenstil im „Onda“: saisonal, nach Möglichkeit regional, kreativ, nicht überladen und bodenständig. Dieser Teller gibt Möglichkeiten in sämtliche Richtungen: mehr Abwechslung der Texturen durch zum Beispiel Haselnüsse oder geröstetes Schwarzbrot, als Bett für geräucherten Fisch oder Muscheln. Aber er funktioniert auch ganz hervorragend so, wie Sascha Bobb ihn geplant hat. Der Lauch und die Petersilienwurzel stehen im Vordergrund – und fertig.

Dieser Teller ist ein Beispiel für den Küchenstil im „Onda“: saisonal, nach Möglichkeit regional, kreativ, nicht überladen und bodenständig.
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Die Gerichte sind simpel, klar und präzise. Der geröstete Spitzkohl mit Beurre blanc, die gefüllten Nudeln (Girasoli heißt Sonnenblumen) mit Austernpilzen und Trüffel, das Hähnchen mit Estragon-Hollandaise und Spitzkohl – das sind die Hauptdarsteller und ihnen gilt die Aufmerksamkeit. Estragon ist definitiv nicht mein liebstes Kraut, weil es häufig überdosiert wird, von dieser Hollandaise werde ich allerdings noch ein paar Wochen träumen. Absolut köstlich, vor allem im Zusammenspiel mit dem süßlichen Geflügel und dem puren Spitzkohl.
Für das Miso-Tiramisu muss ich unbedingt wiederkommen, obwohl der warme Grießbrei mit Olivenöl und gerösteter Hefe keine Wünsche offen ließ.
Das „Onda“ ist eine absolute Bereicherung für Köln. Ein junges, motiviertes Team, voller Ideen und Begeisterung. Das ist es, was die Gastronomie gerade ganz dringend braucht.
Fazit: Tolle Neueröffnung. Saisonal, kreativ, jung, begeisterungsfähig.
Bewertung: 6 von 6 Punkten
Onda, Händelstraße 24, 50674 Köln, Öffnungszeiten: Do-So 17-0 Uhr, Instagram: @onda.koeln
Meine Auswahl
Sauerteigbrot mit Misobutter // 5 Euro
Verbrannter Lauch mit Petersilienwurzelpüree // 17 Euro
Girasoli mit Austernseitlingen und Trüffel // 21 Euro
Kikok-Hähnchen mit Estragon-Hollandaise und Spitzkohl // 20 Euro
Grieß mit Olivenöl und gerösteter Hefe // 3,80 Euro

