Deutschlandweit finden sich seit Mittwoch zahlreiche Fälle. Hinter der Aktion steckt wohl ein vulgärer Protest gegen Friedrich Merz.
CDU in Köln und Region betroffenWarum viele Parteibüros auf Google Maps nun „Eierhaus“ heißen

Deutschlandweit wurden die Namen von CDU-Parteibüros auf Google Maps um den Begriff „Eierhaus“ erweitert – auch in Köln und Region.
Copyright: Screenshot/Google Maps
Die Aktion sorgt für Aufsehen: Zahlreiche CDU-Parteibüros erscheinen im Kartendienst Google Maps seit Mittwoch unter dem Namen „CDU Eierhaus“ – auch auf der Karte von Köln finden sich entsprechende Einträge, etwa in Porz oder Deutz. Auch CDU-Büros im Rhein-Erft-Kreis, Kerpen, Bornheim und Elsdorf sind von der Aktion betroffen.
In Bonn wurde sogar das dazugehörige Bild bei Google Maps angepasst: Auf einer manipulierten Aufnahme war dort zwischenzeitlich der Slogan „CDU Eierhaus“ über dem Büro zu lesen. Die Adressen der angezeigten „Eierhäuser“ stimmen jedoch nicht in allen Fällen, oftmals werden die Parteibüros an anderen Straßen angezeigt.
Deutschlandweit finden sich seit Mittwoch (8. April) zudem zahlreiche weitere Fälle – mittlerweile ist vereinzelt auch die SPD von den Namensänderungen betroffen. Doch was steckt hinter der Aktion?
Bekenner schreibt: Protest gegen Merz’ Statements und Vorhaben
Aufklärung liefert ein Bekennerschreiben im sozialen Netzwerk Threads, das zum Meta-Konzern gehört. Dort hat sich ein Nutzer mit dem Nickname „saftsackbeats“ zu den großflächigen Namensänderungen bekannt. „Lieber Friedrich, da du dich öffentlich dazu geäußert hast, dass die Leute ruhig so viel demonstrieren können, wie sie wollen, habe ich dich beim Wort genommen. Immer mehr Standorte der CDU heißen von nun an ‚CDU Eierhaus‘. Da inhaltlich nichts Relevantes gelöscht wird, entsteht euch hierdurch keinerlei finanzieller Schaden. Dies ist eine Demonstration gegen deine mutmaßlich menschenrechtsverachtenden Statements und Vorhaben. Kussi Dein Safti“, ist dort zu lesen.
Der Zeitpunkt der Aktion könnte auf einen Osterscherz hindeuten. Tatsächlich dürfte der Anlass der Aktion jedoch doch deutlich vulgärer ausfallen, denn der Satz „Merz leck Eier“ hat sich in den vergangenen Wochen vorwiegend in den sozialen Netzwerken, aber auch bei Demonstrationen zu einem viralen Slogan entwickelt.
Auslöser war das Plakat eines 18-Jährigen – Vorwurf der Verleumdung
Ausgelöst hatte den Trend das Vorgehen der Polizei gegen einen 18-Jährigen, der bei einer Schülerdemo gegen die Wehrpflicht im März in Berlin ein Plakat mit dem Satz gezeigt hatte. Die Polizei beschlagnahmte das Plakat daraufhin und leitete Ermittlungen wegen Verdachts der üblen Nachrede und Verleumdung ein – und sorgte so gemäß des Streisand-Effekts für eine Debatte zum Thema Meinungsfreiheit.
Ziel dieser vulgären Protestform ist vorrangig Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). So wurde etwa für die Domain „leck-meine-eier.de“ eine Weiterleitung auf die Biografie-Webseite des CDU-Politikers eingerichtet. Unfreiwillig ist der Bundeskanzler so zum Eier-Meme geworden: Auf Instagram finden sich zahlreiche Bilder, die den „Merz leck Eier“-Spruch persiflieren, auch die Hip-Hop-Band „K.I.Z.“ hat den Eier-Spruch mittlerweile bei Auftritten und in Social-Media-Beiträgen verarbeitet. Bei Demonstrationen verbreiteten sich zuletzt zudem Plakate und Sticker mit den Buchstaben „MRZ LCK EIER“. Der Linkenfraktionschef Sören Pellmann veröffentlichte kürzlich Fotos entsprechender Aufkleber.
Nutzer können bei Google Maps Einträge selbst ändern
Die jetzige Protestaktion auf Google Maps legt unterdessen eine Schwachstelle bei dem Anbieter des Kartendienstes offen. Die Angaben bei Google Maps basieren auf Nutzerbeiträgen – die so auch bestehende Namen korrigieren können, etwa über die Funktion „Karte bearbeiten“. Google Maps scheint kurzzeitig zahlreiche Änderungen erst automatisiert übernommen zu haben, eine Überprüfung auf Richtigkeit durch Personen gab es wohl nicht. Am Donnerstag waren viele CDU-Büros auf Google Maps wieder mit ursprünglichem Namen zu sehen, andere blieben jedoch weiterhin als „Eierhaus“ markiert – auch in Köln und Region.
Die CDU hat zu der derben Protestaktion bisher nicht Stellung genommen. Gegenüber dem WDR reagierten die Christdemokraten in Düsseldorf mit „kein Kommentar“ – die Antwort auf eine Anfrage des „Kölner Stadt-Anzeigers“ an die Kölner CDU steht unterdessen noch aus.
Der Instagram- und Threads-Nutzer „saftsackbeats“ scheint unterdessen große Freude an seinem Scherz zu haben. Bei Instagram teilte der Account entsprechende Memes und fragte etwa: „Wie viele Eierhäuser hat Friedrich Merz verdient? Die Antwort lautet: Ja!“ Die Aktion solle „ein kleines Schmunzeln in diesen dunklen Zeiten bescheren“, heißt es dort weiter. In einem Beitrag rät der Nutzer seinen Followern schließlich: „Genießt diesen Moment“ – wohl wissend, dass die Namensänderungen wohl nicht lange Bestand haben dürften.

