Ursprünglich sollte drei Mitarbeitern im Oktober 2025 der Prozess gemacht werden. Warum es nur zur Verlesung der Anklage kam.
Gefühllos getötet?Prozess um Tierquälerei auf Hürther Schlachthof startet neu

Aufnahmen zeigen den Umgang mit den Rindern und Schafen auf dem Schlachthof in Hürth.
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Dieser Tag war von vielen lang ersehnt worden; und nicht nur von jenen, denen das Wohl von Tieren am Herzen liegt. Fast drei Jahre waren seit der Veröffentlichung verstörender Aufnahmen von einem Schlachthof in Hürth-Fischenich vergangen, als im Oktober 2025 vor dem Amtsgericht Köln der Prozess gegen vier ehemalige Mitarbeiter eröffnet wurde. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen 37 Verstöße gegen das Tierschutzgesetz vor.
Doch ehe das Verfahren begann, endete es bereits wieder. Unmittelbar nach der Anklageverlesung vertagte das Gericht den Prozess. Einer der Verteidiger hatte beantragt, das Verfahren auszusetzen. Zuvor hatte er beklagt, dass man seinem bulgarischen Mandanten die Anklageschrift nicht in dessen Muttersprache vorgelegen habe. Sein Mandant habe sich nicht mit den erhobenen Vorwürfen auseinandersetzen können. „Darauf hat er aber ein Anrecht“, bemerkte der Strafverteidiger.
Schlimmste Formen der Quälerei von Schlachtvieh
Das Gericht folgte dem Antrag und kündigte an, dass der Schlachthof-Prozess zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufgenommen werden würde. Nach mehr als einem halben Jahr Pause und einer weitere Verzögerung nimmt das Verfahren nun am 22. Mai einen erneuten Anlauf.
Und es verspricht, nichts für zart besaitete Gemüter zu werden. Schon die Verlesung der Anklageschrift ging für die Zuhörer bis an die Schmerzgrenze. Detailliert listete die Staatsanwältin schlimmste Formen der Quälerei von Schlachtvieh auf dem Hürther Schlachthof auf. So sei unter anderem Kühen ohne sachgerechte Betäubung die Kehle durchgeschnitten worden. „Sie standen dem Empfinden der Tiere gefühllos gegenüber“, sagte sie bei der Verlesung der Anklage über die Beschuldigten.

Vor dem Gerichtsgebäude in Köln demonstrierten im Oktober 2025 rund 40 Tierschützer.
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Dieses Vorgehen sollen Videoaufnahmen dokumentieren, die der Tierschutzorganisation Aninova zugespielt worden waren und die sie zu Beginn des Jahres 2023 öffentlich gemacht und den Betreiber des Schlachthofs angezeigt hatte. Ob sie im Prozess gezeigt beziehungsweise verwendet werden dürfen, ist unklar. Derselbe Verteidiger kündigte an, er wolle ein Verwertungsverbot erwirken, da es sich aus seiner Sicht um illegale Aufnahmen handele.
Aufmerksame Beobachter der Verhandlung werden die Tierschützer aus St. Augustin sein. Im Oktober hatten sie vor dem Justizgebäude in Köln auf die Missstände in der Fleisch verarbeitenden Industrie im Allgemeinen und auf den Hürther Schlachthofskandal im Besonderen aufmerksam gemacht. Sie forderten unmissverständlich, jede Form von Tierquälerei zu bestrafen.
Aninova-Vorstandsvorsitzender Jan Peifer kritisierte am Rande der Kundgebung, dass sich das Verfahren vor dem Amtsgericht ausschließlich gegen die Mitarbeiter, nicht jedoch gegen den Betreiber des Schlachthofes richte: „Wer Strukturen schafft und duldet, in denen Tiere systematisch gequält werden, darf sich nicht hinter Beschäftigten verstecken.“ Gegen den Betreiber des Hürther Schlachthofs bestehe kein hinreichender Tatverdacht, hatte ein Amtsgerichtssprecher dieser Redaktion zuvor mitgeteilt.
Das Kreisveterinäramt hatte den Betrieb unmittelbar nach Bekanntwerden der Anschuldigungen durch die Tierschützer und nach Sichtung der Videoaufnahmen geschlossen.

