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Nach LeseraufrufSchallplatte, Axl Rose, Weihnachtsbaum – Kölner erzählen vom Kostüm ihres Lebens

8 min
Eisbärenkostüm von Mirjam Deneke und Freundin

Kopfbedeckung ist alles, sagt Kölnerin Mirjam Deneke. 

Zahlreiche Leserinnen und Leser sind unserem Aufruf gefolgt, uns ihre persönlichen Geschichten zu ihren liebsten Karnevalskostümen zu erzählen. Wir veröffentlichen eine Auswahl.

Exil-Kölnerin Silke Shimazu aus San Diego auf Karnevalsbesuch

Silke Shimazu als Kind. Später zog sie nach San Diego. Dieses Jahr zeigte sie ihrem Mann Mark den kölner Karneval.

Silke Shimazu als Kind, verkleidet als Clown. Später zog sie nach San Diego. Dieses Jahr zeigte sie ihrem Mann Mark den Kölner Karneval.

Meine ist die Geschichte über „Heimatjeföhl“ zwischen Rhein und Pazifik. Ich lebe seit 21 Jahren im sonnigen Kalifornien, aber mein Herz schlägt nach wie vor kölsch – kein Wunder, denn ich bin in Elsen getauft (das ja kirchlich fest zu Köln gehört!) und im benachbarten Orken aufgewachsen, während eines meiner Urgroßelternpaare sogar im Schatten des Doms, in St. Andreas, geheiratet hat.

Zur diesjährigen Session bin ich mit meinem amerikanischen Mann Mark zurück in die Heimat gekommen, um ihm zu zeigen, wie man in Kölle richtig feiert. Von der „Lachenden Kölnarena“ bis zur Karnevalsmesse im Dom haben wir alles mitgenommen. Mark hat sogar stilecht sein erstes Schiffchen von mir bekommen und das Schunkeln gelernt! Mittlerweile sind wir mit einer ordentlichen Portion Wehmut und viel Vorfreude auf das nächste Mal zurück in den USA.

Silke Shimazu und Ehemann Mark bei der Lachenden Arena

Silke Shimazu lebt seit 21 Jahren in Kalifornien und zeigte diese Session ihrem Mann den Kölner Karneval: hier Besuch der Lachenden Kölnarena, Ehemann Mark trägt typischem Schiffchen.

Silke Shimazu vor dem Kölner Dom.

Silke Shimazu lebt seit 21 Jahren in Kalifornien und zeigte diese Session ihrem Mann den Kölner Karneval. Hier steht sie in rut und wiess vor dem verschneiten Dom.

Tim Gebbensleben: Vom abgeschobenen Mexikaner zu Hobby Horsing

Tim Gebbensleben ging während der ersten Präsidentschafts Trumps als der von Trump abgeschobene Mexikaner.

Tim Gebbensleben ging während der ersten Präsidentschafts Trumps als der von Trump abgeschobene Mexikaner.

Nach der ersten Wahl von US-Präsident Trump, als man über ihn noch halbwegs lachen konnte, war mein Kostüm „Mexikaner, der von Donald Trump über die Grenze getragen wird“ – und das kam ziemlich gut an. Auf dem Weg zum Rosenmontagszoch sprachen mich einige Menschen, darunter sowohl aus Amerika als auch Mexiko, positiv darauf an.  „Kulturelle Aneignung“ war nicht so das Thema und wenn man durch bildliche Darstellung auf Missstände hinweisen möchte, kommt man um gewisse Klischees kaum herum.

Was ich damals noch für unmöglich hielt, ist mittlerweile leider Realität, von den ICE-Morden ganz abgesehen. Ich war immer ein Freund der Amerikaner, bin dort selbst ein Jahr zur High School gegangen und habe viele nette Menschen kennengelernt, aber aktuell zieht es mich da nicht hin. Hoffentlich erleben wir auch wieder andere Zeiten!

Mein aktuelles Kostüm ist völlig unpolitisch: „Hobbyhorsing“, eine Trendsportart, die ich aus dem Umfeld meiner Teenagertochter kenne. Wir schmunzeln darüber, aber ehrlich gesagt darf man doch darüber froh sein, wenn Kinder und Jugendliche Spaß haben und sich dabei bewegen. Das Kostüm wird in meiner Generation vor allem von Eltern erkannt.

In diesem Jahr greift Tim Gebbensleben in seinem Kostüm die Trensportart Hobby Horsing auf.

In diesem Jahr greift Tim Gebbensleben in seinem Kostüm die Trensportart Hobby Horsing auf.

Kölnerin Ruth Wicharz mit Schallplattenfieber seit der Kindheit

Im Alter von ungefähr 14 Jahren – es müsste das Jahr 1978 gewesen sein – entdeckte ich in einer Illustrierten meiner Mutter ein Karnevals-Kostüm: „Schallplatte“. Als Kind der Glam-Rock-Zeit war ich direkt fasziniert, und diese Faszination hat mich nie losgelassen. Immer mal wieder wird gebastelt, und mit nunmehr 61 Jahren gibt es sie noch immer und das immer mal wieder: die „gute alte Schallplatte“.

Ruth Wicharz verkleidete sich bereits als Kind als Schallplatte.

Ruth Wicharz verkleidete sich bereits als Kind als Schallplatte.

Nach 25 Jahren in Köln: Peter  Ströhmer erzählt vom Karneval im 40-Einwohner-Dorf

Erst vor kurzem haben mein Mann Burkhard und ich nach 25 Jahren das Zentrum des Kölner Karnevals gegen ein neues Zuhause eingetauscht: ein Dorf mit gerade einmal 40 Einwohnern im oberbergischen Schalenbach. Hier kennt jeder jeden – und fast jeder hat ein Pferd. Tatsächlich gibt es hier mehr Pferde als Menschen. Ein Nachbar begrüßte uns mit den Worten, man solle sich besser nicht die Schuhe binden. Wer sich bückt, dürfe sich nicht wundern, wenn man plötzlich einen Sattel auf dem Rücken habe. Wir wussten: Wir sind angekommen.

Doch Karneval bleibt Karneval. Für eine Kostümveranstaltung im Nachbarort hatten wir uns besonders fein gemacht: maskiert, geschniegelt, voller Vorfreude. Statt Taxi oder Bus ging es zu Fuß durch die Natur – über Wege, die wir noch nicht lange kannten, aber schon liebgewonnen hatten.

Mitten im Grünen dann dieser Moment: Unsere Freundin Uta kommt uns auf ihrem Isländerpferd entgegen, hoch zu Ross, ganz selbstverständlich, als wäre es das Normalste der Welt. Zwei maskierte Männer im Karnevalskostüm treffen auf eine Reiterin im oberbergischen Nirgendwo. Stadt trifft Land. Tradition trifft Neubeginn. Und Karneval verbindet alles.

Karneval in rut un wiess: Ehepaar Peter Ströhmer mit Mann Burkhard ist ins Oberbergische gezogen. Sie trafen unterwegs auf Freundin Uta mit Pferd. Sie pflegen das Brauchtum trotz Köln-Flucht.

Karneval in rut un wiess: Ehepaar Peter Ströhmer mit Mann Burkhard ist ins Oberbergische gezogen. Sie trafen unterwegs auf Freundin Uta mit Pferd. Sie pflegen das Brauchtum trotz Köln-Flucht.

Mirjam Deneke und Freundinnen: „Kopfbedeckung ist alles“

Meine Freundin und ich sind jedes Jahr neu im Kostümfieber und auf der jährlichen Zugfahrt in den Mädelsskiurlaub kurz nach Karneval erstellen wir Collagen mit dem jeweiligen Kostüm für die nächste Session. Motto immer: Alles muss oben, weil beim Feiern nur der Kopf gesehen wird…. Der Rest zappelt ja und hält das Kölsch.

Mirjam Denke und Freundin als Eisbären verkleidet: Jährlich wird an einem gemeinsamen Kostüm getüftelt, besonders viel Mühe geben sich die Frauen bei der Kopfbedeckung. Es gab auch schonmal Lampenschirme auf dem Kopf.

Mirjam Denke und Freundin: Jährlich wird an einem gemeinsamen Kostüm getüftelt, besonders viel Mühe geben sich die Frauen bei der Kopfbedeckung. Es gab auch schonmal Lampenschirme auf dem Kopf.

Der Kölner Gerhard Korzen als Axl Rose

Weiberfastnacht 1993: In meiner damaligen Firma spielte ich vor 150 Leuten mit Playback das Lied „Knockin' On Heaven's Door“ von Guns N’ Roses. Das Publikum verlangte zwei Zugaben. Die Langhaarperücke und das Outfit entsprachen dem Original beim Auftritt von Axl Rose beim Freddy-Mercury-Tribute-Konzert am 20. April 1992 im Wembley Standion.

Gerhard Korzen als Axl Rose

Gerhard Korzen als Axl Rose: 1993 verkleidet als Axl Rose bei der Karnevalsfeier an Weiberfastnacht. Ein Jahr zuvor war Guns'N'Roses im Wembley Stadion in Lodnon aufgetreten.

Kölner Axel Wagner ist eins geworden mit The Demon von der Band Kiss

Anlässlich meines 40. Geburtstags im Sommer 2014 habe ich eine Mottoparty zum Thema „Rock 'n'‘ Roll“ in einer Kneipe gefeiert, die es leider inzwischen nicht mehr gibt: Im Mobile an der Rösrather Straße zwischen Rath und Neubrück. Einlass war nur mit Kostüm möglich, knapp 100 Leute kamen zur Party. Es war eine rauschende Nacht, die Dutzende Geschichten schrieb…und das im August!

Da ich dem Rock'n'Roll als Musikgenre seit Ewigkeiten verbunden bin, wählte ich es als Motto sowie Kostüm. Ich verkleidete mich als The Demon, Bassist und Sänger Gene Simmons, von der Band Kiss. Ich gestaltete die Plateaustiefel und schminkte mich selber. In den Jahren danach rockte ich immer wieder in meiner damaligen Stammkneipe Schmelztiegel im Zülpicher Viertel auf dem Tresen den Karneval, so dass das Kostüm mehr und mehr eins mit mir wurde.

Kölner Axel Wagner feierte seinen 40. Geburtstag in der ehemaligen Kneipe Mobile zwischen Rath und Neubrück. An Karneval feierte er immer öfter als The Demon von der Rockband Kiss.

Der Kölner Axel Wagner feierte seinen 40. Geburtstag in der ehemaligen Kneipe Mobile zwischen Rath und Neubrück als The Demon von der Rockband Kiss.

Kölner Ehepaar vermisst Karneval auf Island

Karneval nicht in Köln, sondern auf Island verbringen? Aber nur unseren Freunden zuliebe, die wie der Reiseanbieter auch keine anderen gemeinsamen Termine fand. Na gut, ab die karnevalsfreie Insel, da müssen wir durch: aber nicht ohne Pappnase und Kostüm für Rosenmontag. Unser Plan für Rosenmontag war: Wir stürmen das Frühstücksbuffet mit einem kräftigen „Drei mal von Herzen Kölle-Island Alaaf“ und ziehen mit einer Polonaise durchs Hotel. Unser Kostüm in den Farben rut und wiess sollte die Reisegruppe und das Personal aus ihrem morgendlichen Kaffeschlürfen holen. Tat es aber nicht. Nun gut, da machste nix – wir hatten trotzdem unseren Spaß.

Am Abend haben wir zum Trost WDR-Fernsehen im Hotel geschaut und Dienstag in der Früh sind wir zurück nach Frankfurt und ab in den ICE nach Köln gestiegen. Dort wohnten wir in Ehrenfeld am Dienstags-Zugweg. Fix über den Hintereingang ins Haus, Kostüm an, Pappnase auf und vorne wieder raus ins Getümmel. Just in diesem Moment zieht das Dreigestirn an uns vorbei. Kölsch Hätz – was willst du mehr.

Dorothee Dernbach und Andreas Oestern

Mit Pappnas auf Island: Dorothee Dernbach und Andreas Oestern hatten auf Island Sehnsucht nach Karneval in Kölle.

Hans-Michael Greiß lebt seit 61 Jahren im Ländle: Kölsch kann er immer noch sprechen

Das Kosakenkostüm aus dem Jahr 1965 von Hans-Michael Greiß hielt viele Jahrzehnte.

Das Kosakenkostüm aus dem Jahr 1965 von Hans-Michael Greiß hielt viele Jahrzehnte.

Leev „Stadt-Anzeiger“-Jecke, do hent Ihr mir a bissle ens Gmiat g'troffe, wenn Ihr no em Bildle vom alde Häs frogt. Enä! Isch ben ene kölsche Jung, och wenn isch vür 61 Johr us Kölle fott moht, un esu lang em Ländle, oder janz verröck, in The Länd, levve. Ävver Kölsch bliev ming Sproch, un de Schreckenskammer ming beste Brauerei met dem Bichtstohl em Enjang wie och beim Päffgen. 

Aber es soll ja um das Kostüm gehen: 1965 feierte ich meinen letzten Fasteleer in Kölle, mein Kosakenkostüm hatte meine Oma geschneidert, doppelt gefüttert, bordürenbesetzt, die Ärmel aus Theaterseide mit goldenen Manchettenknöpfen! Den Kasak sehr weit und trotzdem körperbetont geschnitten, da passte ein dicker Pullover für einen langen Straßenkarneval eines 17-jährigen drunter. Der hat bis vor zwei Jahren voll ausgereicht, auch bei der Horber schwäbisch-allemannischen Fasnet noch Eindruck zu schinden. Ein diabetes-kreierter Bauch hat mir jetzt mit 78 Jahren die ultimative Grenze markiert.

Nolens-volens musste ein neues Kostüm beschafft werden, das natürlich maritim ausfiel, denn sechs Jahrzehnte hatte eine Schulfreundschaft überdauert, mein Klassenkamerad Siegfried Schaarschmidt hatte mich im vorigen Jahr zur Kostümsitzung seiner Müllemer Junge eingeladen. Das Kostüm hat ein halbes Jahrhundert unbeschadet überdauert, und dessen Träger ist nach einem soliden ehrbaren technikbetonten Berufsleben als Alterssünde im Journalismus gelandet. Sinnigerweise bei der Südwest Presse, genauer der „Neckar-Chronik“ in Horb am Neckar. Watt de Pripro för Kölle ess, des isch der Eröffnungsball in der Hohenberghalle für die inzwischen fest im Stadtleben verankerte Fasnet der Narrenzunft. Narri, Narro und Horrido un drei Mol vun Hätze Kölle Allaaf.

Der Kosake wird zum Seefahrer: Hans-Michael Greiß bei der Kostümsitzung der Möllemer Junge.

Der Kosake wird zum Seefahrer: Hans-Michael Greiß bei der Kostümsitzung der Möllemer Junge.

Die Liebe fing im Karneval an: Das Paar Stracken-Lamberti feiert seit 50 Jahren gemeinsam

Vor 50 Jahren lernte sich das Ehepaar Aloys Lamberty und Trude Stracken-Lamberty auf einem Ball an Karnevalsfreitag kennen: Der „Kölner Stadt-Anzeiger“ schrieb 35 Jahre nach ihrem Kennenlernen in einem kleinen Artikel: „Die Person mit den mutmaßlich längsten Wimpern ist weiblich und heißt Trude Stracken-Lamberty. Mit dieser Kunsthaarhilfe hat die Lehrerin der Urslinenschule schon vor 35 Jahren erfolgreich geklimpert und damit Aloys ‚ne echte Karnevalsjunge‘ aus der Eifel eingefangen, an einem Karnevalsfreitag, was damals der Valentinstag war. 

Kennengelernt an Karneval, heute immer noch ein Paar: Aloys Lamberty und Trude Stracken-Lamberty

Kennengelernt an Karneval und heute immer noch ein Paar: Aloys Lamberty und Trude Stracken-Lamberty

Jutta Nitschke und Partnerin Sandra Grimm: Früher gab es bis zu fünf unterschiedliche Kostüme zu den Tollen Tagen

Wir lieben es, uns zu verkleiden, auch wenn wir etwas ruhiger geworden sind. Früher waren es immer mindestens fünf unterschiedliche und neue Kostüme für die Tage ab Weiberfastnacht. Heute recyceln wir vieles, was im Fundus ist. Mein Favorit ist aus dem letzten Jahr: Queen Elisabeth mit Prince Philip. Noch nie war es so einfach, in überfüllten Kneipen auf die Toilette zu kommen. Schön war auch Bert Wollersheim mit korruptem Polizisten. 

Jutta Nitschke und Sandra Grimm als Prinz Philipp und QUeen Elizabeth

Jutta Nitschke und Sandra Grimm als Prinz Philipp und Queen Elizabeth

Elke Wintzen huldigt „Loss mer Singe“ mit Bierdeckel-Kostüm

Die Idee ein Kostüm aus Bierdeckeln zu basteln kam mir 2020, als der Mitsingwettbewerb „Loss mer singe“ (LMS) in diesem Jahr Jubiläum feierte und diese Bierdeckel verteilte. Als großer Fan und fleißige Teilnehmerin von LMS, dachte ich mir, dass es doch eine tolle Huldigung ihrer Arbeit sei. Bei der Feier in den Ballonihallen habe ich dann damit auch den zweiten Platz belegt. Kumm, kumm loss mer singe...!

Kostüm aus Bierdeckeln vom Loss-mer-singe-Wettbewerb

Elke Wintzen im selbstgebastelten Kostüm aus Bierdeckeln vom „Loss mer singe“-Wettbewerb

Kölnerin Sabine Friedrichs als Weihnachtsbaum und Biene

Sabine Friedrichs als Tannenbaum

Sabine Friedrichs als Tannenbaum

Ich bin Kölnerin und 50 Jahre alt. Karneval ist für mich die schönste Jahreszeit. Dieses Jahr habe ich zwei Kostüme. Zum einen die Bienenkönigin, hergeleitet von meinem Namen Sabine. Zum anderen der Weihnachtsbaum: Meine Tochter kam an Heiligabend zur Welt.

Sabine Friedrichs als Bienenkönigin

Sabine Friedrichs als Bienenkönigin