Abo

Kommentar

Einfach weiter trinken?
Kölner Brauerei will die Fastenzeit erträglicher machen

Ein Kommentar von
2 min
Eine Flasche Bier steht in einem Brauhaus auf einem Tisch.

Sieht so die Aussicht auf die Fastenzeit aus?

„Flüssiges bricht Fasten nicht“, hieß es schon vor Jahrhunderten. Die Kölner Gaffel-Brauerei hat sich jetzt an diesen Leitsatz erinnert. 

Merken Sie schon was? Erfahrene Karnevalisten sprechen auch von kaltem Entzug. Sie müssen es einfach hinnehmen, et es wie et es: Sie sind keine Karnevalsmaus mehr. Seit Aschermittwoch gehen Sie ohne Kölsch aus dem Haus – sollten Sie zumindest. Ärzte sagen das. Wobei man nicht vergessen darf, dass das ja auch nur ehemalige Medizin-Studenten sind. Und nicht nur die waren in den vergangenen Wochen zuweilen voll wie eine Natter, oder um es mit dem „Sitzungspräsidenten“ Volker Weininger zu sagen: breit wie ein Biberschwanz.

Auch die katholische Kirche ruft zum Verzicht auf. Allerdings klingt der Appell so halbherzig wie ein Streikaufruf in der Mittagspause. In der Fastenzeit ist der Verzicht auf Alkohol nämlich keine strenge Vorschrift, sondern lediglich eine freiwillige Form der Buße und Besinnung, heißt es von ganz oben.

Fastenbier: Mehr Umdrehungen als ein Kölsch

Wer also jetzt mit dem Stammtisch oder der Veedelsclique in die Skihütten von Ischgl oder Hintertux einfällt, wieder zur Karnevalsmaus mutiert und eine Halbe nach der anderen kippt, aber von allen anderen Sünden absieht, hat dennoch Gottes Segen. 

Daheimgebliebenen will Gaffel durch die Fastenzeit helfen. Die Privatbrauerei hat ein obergäriges Fastenbier auf den Markt gebracht. Mit 5,8 Prozent hat es sogar noch eine Umdrehung mehr als herkömmliches Kölsch. Und: Es vereine laut Gaffel „Kraft mit überraschender Drinkability“. Ja, isset denn die Possibility?!

Schon die Mönche hatten eigentlich keinen Bock aufs Fasten, sondern vielmehr auf Bockbier. Überliefert ist der Leitsatz: „Flüssiges bricht Fasten nicht.“ Insofern bringt Gaffel nicht nur Bier heraus, sondern damit auch den Glauben zurück. Die Zeit des Verzichts – sie war damals wie heute für gewiefte Marketing-Strategen ein gefundenes Fressen.