Der Abbau der öffentlichen Telefone – im Januar 2023 außer Betrieb genommen – verzögert sich weiterhin. Die Stadt ist zunehmend verärgert.
Über drei Jahre außer BetriebDarum stehen immer noch alte Telefonzellen und -stelen in Köln

Der Abbau alter Telefonzellen zieht sich nach wie vor. Ein Datum, wann der Rückbau vollendet sein soll, gibt die Telekom nicht mehr aus. (Symbolbild)
Copyright: Katharina Kausche/dpa
Ob Telefonzelle oder -stele: Telefonieren kann man mit ihnen schon seit Januar 2023 nicht mehr. Aber auch drei Jahre später stehen noch einige in Köln in der Gegend herum. Wie viele es genau sind? Die Stadt verweist auf die für den Abbau zuständige Telekom. Die möchte das – anders als vor einem Jahr – nicht verraten. Und auch eine neue Frist, wann alle Telefonzellen und -stelen nun abgebaut sein sollen – es wäre nach Anfang 2025 und Ende 2025 die dritte – gibt es nicht.
Die Stadt Köln ist zunehmend verärgert. Und vermutet den Grund für die Verzögerungen bei den Ressourcen der Telekom. Die verweist auf den komplizierten Prozess des Abbaus – und Probleme im Zusammenspiel der Verantwortlichen.
„Schleppend und unbefriedigend“ laufe der Abbau der Telefonzellen durch die Telekom, teilt ein Sprecher der Stadt auf Nachfrage des „Kölner Stadt-Anzeiger“ mit. „Besonders bei Vandalismus tragen sie zu einem negativen Stadtbild und zu einem Eindruck der Verwahrlosung bei.“ Immerhin nimmt die Stadt positiv zur Kenntnis, dass die Telekom den Rückbau im Kölner Altstadtkern priorisiert.
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Wie viele Telefonzellen in Köln noch stehen, verrät die Telekom nicht
Dass sich der Abbau der Telefonzellen und -stelen nach wie vor verzögert, kann auch die Telekom nicht leugnen. Im Februar 2025 hatte sie dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ mitgeteilt, dass es in Köln noch 106 öffentliche Telefone gibt. Wie viele es aktuell sind, verrät sie nicht. Auch eine neue Frist gibt es nicht, stattdessen ist sie „zuversichtlich, dass wir beim weiteren Rückbau der öffentlichen Telefone in Köln in diesem Jahr gut vorankommen werden“. Deutschlandweit sei „der Löwenanteil aller Telefonzellen“ abgebaut, öffentliche Telefone in über 70 Prozent der Städte vollständig verschwunden, schreibt die Telekom.
Dass Köln nicht dazugehört, hat viele Gründe, deren Zusammenspiel am Ende wohl verantwortlich für die Verzögerungen ist. Zum einen führt die Telekom die „zahlreichen Veranstaltungen im Stadtgebiet“ an, nennt etwa Weihnachtsmärkte oder den Karneval. Klar, während in nicht so jecken Städten rund um Rosenmontag die ein oder andere Telefonzelle abgebaut werden kann, ist das in Köln nicht so einfach. Aber das Jahr besitzt zwischen Karneval und Weihnachtsmärkten eine Menge weiterer Kalenderwochen.
Systemumstellung bei Rheinnetz führte zu Verzögerungen
Der Rückbau sei „sehr aufwendig. Er braucht mehrere Gewerke, die nacheinander arbeiten müssen und voneinander abhängig sind“, schreibt die Telekom. Heißt konkret: Zunächst schalten die Energieversorger die Telefonzellen stromlos. Dafür muss eine Tiefbaumaßnahme beantragt werden. Danach kann die Telefonzelle abgebaut werden, auch hier muss eine Tiefbaumaßnahme beantragt werden. „Die Abhängigkeiten der einzelnen Behörden sind verständlicherweise komplex“, gibt auch die Stadt Köln zu. „Die durchschnittliche städtische Bearbeitungszeit bis zur Bescheidung beider Anträge beträgt etwa zehn bis 15 Werktage.“ Für jeden einzelnen Standort.
Viele einzelne Schritte, bei denen ein einziger zur Stolperfalle für das gesamte Vorhaben werden kann. In Köln wurde die Stromlosschaltung zu einer solchen. Bei der Rheinnetz gab es in den vergangenen zwei Jahren Umstellungen in dem System, das die entsprechenden Aufträge entgegennimmt. „Das musste sich erst einspielen“, sagt ein Sprecher des Unternehmens. Mittlerweile habe man den neuen Ablauf gut im Griff, betonen Rheinnetz und Telekom.
Quotierungen für Baugruben? Stadt Köln widerspricht der Telekom
Session beendet, neuer Prozess eingespielt, steht dem zügigen Abbau der letzten Telefonzellen und -stelen nun also nichts mehr im Weg? Nicht ganz. Parallel zum Abbau der alten öffentlichen Telefone möchte die Telekom auch ihr Glasfasernetz in Köln ausbauen. „Um die Beeinträchtigungen für die Verkehrsteilnehmer im Rahmen zu halten, wird die Anzahl der Genehmigungen für unsere Baugruben und die dafür notwendigen Absperrungen von der Stadt Köln quotiert“, schreibt sie. Man müsse sich also „entscheiden zwischen ‚Glasfaser an‘ oder ‚Telefonzelle aus‘“.
Dieser Darstellung widerspricht die Stadt Köln. Grundsätzlich gebe es keine Quotierung, die die Anzahl an Baugruben begrenze, teilt ein Sprecher mit. Die Stadt verhängt lediglich temporäre Sperren, wenn sich zu viele Baumaßnahmen eines Auftraggebers ohne dessen Information verzögern. „Die letzte temporäre Vergabesperre, die gegenüber der Telekom ausgesprochen wurde, liegt schon einige Monate zurück“, so die Stadt. Zudem reicht eine Meldung über den Stand der Arbeiten, um die Sperre aufzuheben. „Dieser Mechanismus kann daher nicht für die Verzögerungen bezüglich des langwierigen Themas des Telefonzellenabbaus verantwortlich gemacht werden.“

