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Köln früher und heuteWas aus dem Denkmal für Kaiser Wilhelm in Mülheim wurde

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Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal schmückte fast 45 Jahre lang das Mülheimer Rheinufer, 1907.

Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal schmückte fast 45 Jahre lang das Mülheimer Rheinufer, 1907.

Als Ausdruck der Verbundenheit mit dem Kaisertum wurde 1898 im Rechtsrheinischen ein Denkmal für „Wilhelm den Großen“ eingeweiht.

Die Pickelhaube auf dem Kopf, sitzt der Monarch fest im Sattel, der lange Mantel fällt auf das Pferd. Darunter ein 4,50 Meter hoher Sockel in einer Schmuckanlage. So sah das Denkmal für Kaiser Wilhelm I. aus, das fast 45 Jahre lang das Mülheimer Rheinufer zierte. 1888 war der erste deutsche Kaiser seit der Reichsgründung 1871 hochbetagt gestorben. Überall im Land schossen nun Denkmäler für „Wilhelm den Großen“ aus dem Boden.

Aus dem Festplatz ist ein Parkplatz geworden.

Aus dem Festplatz ist ein Parkplatz geworden.

In Köln zum Beispiel am Kaiser-Wilhelm-Ring, den sein Namensgeber ab 1897 in Gestalt eines siegreichen Feldherrn in Generalsuniform auf einem Sockel aus rotem Granit schmückte, gerahmt von einem künstlichen Teich. Zur feierlichen Enthüllung erschien sogar Kaiser Wilhelm II. persönlich, Enkel von Wilhelm I. und später nicht annähernd so beliebt wie sein Großvater, dem die Kölner bereits 1867 an der heutigen Hohenzollernbrücke ein Denkmal gesetzt hatten.

Vor allem das Mülheimer Unternehmertum zeigte sich ehrerbietig

Als im noch selbstständigen Mülheim am 16. Oktober 1898 das Kaiser-Denkmal auf dem Festplatz südlich der Schiffbrücke und nördlich der Werft enthüllt wird, ist kein Mitglied der kaiserlichen Familie zugegen. Ganz so repräsentativ wie das Kölner Pendant fiel das von Clemens Buscher aus Düsseldorf gestaltete Kunstwerk auch nicht aus. Während die Kölner 300.000 Reichsmark ausgeben konnten, kostete das schlichtere Standbild im Rechtsrheinischen nur 68.000 Reichsmark.

Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal aus nächster Nähe, 1910.

Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal aus nächster Nähe, 1910.

Die Absicht hinter den heroisierenden Darstellungen war aber dieselbe: „Letztendlich bezeugt man mit diesen Denkmälern seine Verbundenheit mit dem Kaisertum und mit der Staatsideologie“, sagt der frühere Kölner Stadtkonservator Ulrich Krings. Vor allem das Mülheimer Unternehmertum zeigte sich ehrerbietig und patriotisch. 1894 ergriff der Industrielle Ludwig Noell die Initiative und stellte eine Spende von 10.000 Mark in Aussicht. Fabrikbesitzer wie Max und Theodor Guilleaume und Adolf Lindgens öffneten ebenfalls großzügig ihre Schatullen.

Eine Gedenktafel erinnerte an 14 gefallene Soldaten aus Mülheim

Ein Jahr später gründete sich ein Ausschuss mit 31 Mitgliedern aus dem Großbürgertum. Im Gegenzug ließen sich Vertreter des Mülheimer Geldadels auf einem Relief verewigen: Auf der nördlichen Seite des Denkmalsockels waren Otto Gustav Andreae, Ludwig Noell, Franz Carl Guilleaume und der Mülheimer Bürgermeister vor Fabrikschloten zu sehen, in der Mitte die drei Hohenzollern-Kaiser samt männlicher und weiblicher Allegorien auf Frieden und Sieg.

Das südliche Relief zeigte Kaiser Wilhelm I. auf dem Schlachtfeld von Sedan. Außerdem war das 8,50 Meter hohe „Kaiser- und Kriegerdenkmal“ mit einer Gedenktafel für die 14 Mülheimer Gefallenen der Feldzüge 1864, 1866 und 1870/ 71 ausgestattet. Insofern erfüllte es gleich mehrere Funktionen.

Die Wilhelm-Statue wurde 1942 eingeschmolzen

Laut Helmut Goldau von der Mülheimer Geschichtswerkstatt büßte das nationalistische Monument Ende der 1920-er Jahre ein gutes Stück seiner imposanten Erscheinung ein, weil das Niveau des Platzes aus Gründen des Hochwasserschutzes angehoben worden sei: „Mit der Aufschüttung des Platzes ist der untere Sockel verschwunden“, so Goldau, der die Symbolik hinter dieser Aktion unterstreicht. Die Monarchie hatte zugunsten der Demokratie abgedankt: „Der Abstand von Obrigkeit und Volk hat sich verringert.“

Wie das linksrheinische Denkmal wurde der Mülheimer Bronze-Wilhelm 1942 eingeschmolzen, um als Kriegsmaterial weiterverwendet zu werden. Wann der Sockel verschwand, ist unklar. Die Tafel mit den Namen der Mülheimer Gefallenen überlebte den Krieg und fand einen neuen Platz am Fuße des Kriegerdenkmals auf dem Melatenfriedhof. Die beiden Relieftafeln des Sockels sollen laut Fachliteratur in das Depot des Kölnischen Stadtmuseums gekommen sein. Auf Anfrage konnten jedoch weder das Museum noch das Amt für Denkmalschutz Auskunft über den Verbleib der Tafeln geben. Ob sie noch existieren, ist unklar.

Aus dem Mülheimer Festplatz am Rheinufer ist derweil ein schnöder Parkplatz geworden. Helmut Goldau nennt ihn „verwahrlost“. Wenn die Sanierung der Mülheimer Brücke abgeschlossen sei, „sollte man den gestalten“. Ziel müsse es sein, Mülheim endlich zu verschönern. Ein Denkmal sei dafür aber nicht mehr notwendig.